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16:41 29.09.2017
Ex-Bundeskanzler und neuer Rosneft-Aufsichtsrat Gerard Schröder. Quelle: dpa
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St. Petersburg

Er hat alle Bedenken in den Wind geschlagen. Altbundeskanzler Gerhard Schröder ist am Freitag zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates beim größten russischen Ölkonzern Rosneft gewählt worden. In dieser Funktion sehe er es als seine Aufgabe, Kompromisse zu suchen, wenn es unterschiedliche Interessen der Teilhaber geben sollte, sagte er am Freitag in St. Petersburg. Dort hatte ihn eine Aktionärsversammlung in den Aufsichtsrat gewählt.

Schröder sagte vor Journalisten, er gehöre nicht zu den Verfechtern von Sanktionen gegen Russland. Wenn es Fortschritte zur Beilegung des Krieges in der Ostukraine gebe, sollten die Sanktionen gelockert werden, zitierte ihn die Agentur Interfax. Rosneft steht wegen des verdeckten russischen Militäreinsatzes in der Ostukraine seit Herbst 2014 auf der EU-Sanktionsliste. Der frühere Bundeskanzler wolle seine politische und wirtschaftliche Erfahrung in den Aufsichtsrat einbringen. Das sagte er am Freitag nach seiner Wahl in das Gremium bei einer Aktionärsversammlung in St. Petersburg.

Schröder: „Nehme die Aufgabe gerne an“

Es sei viel diskutiert worden, ob er den Posten annehmen solle oder nicht. Aber er trete die Aufgabe gerne an und werde sich für das Wohl der Firma einsetzen, zitierte ihn die Agentur Tass.

Im Bundestagswahlkampf hatte die Personalie der SPD wie Schröder viel Kritik eingetragen. Rosneft steht wegen des verdeckten russischen Militäreinsatzes in der Ostukraine seit Herbst 2014 auf der EU-Sanktionsliste. Der russische Staat hält die Aktienmehrheit an dem Konzern. Medienberichten zufolge soll der ehemalige SPD-Politiker sogar die Leitung des Aufsichtsrates übernehmen. Dafür muss sich der auf elf Mitglieder erweiterte Rat aber erst konstituieren.

Enge Verbindungen zum Kreml

Rosneft förderte im vergangenen Jahr 210 Millionen Tonnen Öl- und Gaskondensat. Der 1995 gegründete Konzern hat seinen Sitz in Moskau und ist seit 2006 sowohl an der Moskauer als auch an der Londoner Börse notiert. Der britische Konzern BP hält 19,75 Prozent. Der russische Staat die Kontrollmehrheit von über 50 Prozent.

Die traditionell engen Verbindungen zum Kreml verschaffen Rosneft eine bedeutende Stellung. Igor Setschin, ein enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin, ist seit 2004 die entscheidende Figur bei Rosneft, zunächst im Aufsichtsrat, dann als Vorstandschef. 2004 erhielt Rosneft auch wichtige Teile des zerschlagenen Yukos-Konzerns des Oligarchen Michail Chodorkowski.

Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit den Raffinerien Bayernoil in Vohburg, PCK in Schwedt und Miro in Karlsruhe. Außerdem kontrolliert das Unternehmen Ölfelder im Algerien sowie in der Ex-Sowjetrepublik Kasachstan in Zentralasien und in Venezuela.

Sanktionen gegen Rosneft

Die EU verhängte 2014 Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts gegen zahlreiche russische Unternehmen. Rosneft darf demnach keine Spezialtechnik und Dienstleistungen zur Ölförderung aus dem Ausland beziehen und ist von langfristigen Krediten ausgeschlossen.

Schröders Nähe zu Putins Russland hat dem Altkanzler von Anfang an auch viel Kritik eingebracht. Unvergessen ist seine Einstufung Putins als „lupenreinen Demokraten“, die er noch als Kanzler vornahm. Zuletzt kritisierte er mitten im Wahlkampf die Stationierung von Bundeswehrsoldaten in Litauen nicht weit von der russischen Grenze entfernt - und stimmte in die Moskauer Nato-Schelte ein.

Schon bei Nord Stream 1, der ersten Ostseepipeline von Gazprom, hatte er erfolgreich als Türöffner in Europa gewirkt. Nun soll er das auch für Rosneft tun. Russlands größter Ölkonzern hält bereits Anteile an drei deutschen Raffinerien und ist ein wichtiger Investor.

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Von RND/dpa

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