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Politik So ein Dilämmer!
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13:08 12.04.2017
Mäh! Quelle: dpa
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Lüneburg/Potsdam


Die Rückkehr des Wolfs bietet eine Menge Stoff für Gruselgeschichten und Dorfklatsch. Hier wird ein Exemplar mit der Wildkamera gesichtet, dort will ihn jemand vom Auto aus erblickt haben – ganz nah! Mancherorts wurden schon Schafe gerissen. Die Schafhalter jammern, dass jetzt „alles ganz anders“ werde; sie müssten ihre Weidezäune gegen Untergraben und gegen Überspringen sichern.

Ja, das ist mühsam. Aber die meisten, die Schafe halten, haben es sich – und damit dem Wolf – bisher auch ungeheuer leicht gemacht. Jeder Hühnerhalter weiß, dass er seine Tiere abends in den Stall bringen muss, bevor der Fuchs kommt. Es gibt nun mal fleischfressende Tiere auf dieser Erde, und wenn man wehrlose Pflanzenfresser halten will, muss man sie schützen. Auf jeden Streifen Grün und jeden Deich Schafe als Rasenmäher oder Landschaftspfleger zu setzen, ohne ihnen einen Stall zu bieten, schafft hübsche Bilder. Fair ist’s nicht. Es geht ja nicht nur um Wölfe. Wer Tiere durch Zäune daran hindert, sich selbst Schutz zu suchen, der muss für adäquaten Ersatz sorgen.

Und mal ehrlich: Die bei Weitem meisten, die sich vom Tod gerissener Schafe schockiert zeigen, hatten ja eigentlich vor, sie selbst zu essen. Über 120.000 Schafe wurden 2016 in Deutschland geschlachtet – und knapp eine Million Lämmer.

Lämmer sind Tierkinder; sie propellern mit ihren Schwänzen, wenn sie bei ihren Müttern saugen, geben niedliche Bäh-Laute von sich und spielen gerne Fangen. Zu Ostern werden sie besonders gerne gegessen. Von Menschen. Nein, das größte Problem der Schafe sind bestimmt nicht die Wölfe.

Hilal Sezgin ist Schriftstellerin und Schafhalterin nahe Lüneburg.

Von Hilal Sezgin

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