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Spielabsage ist eine Demonstration der Besonnenheit

MAZ-Kommentar Spielabsage ist eine Demonstration der Besonnenheit

Die Spielabsage von Hannover ist eine Demonstration der Besonnenheit, meint MAZ-Kommentator Matthias Koch. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat sich die Entscheidung der Absage nicht leicht gemacht. Er hat die Informationen aber klug abgewogen und die richtige Entscheidung getroffen.

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Das Länderspiel zwischen Deutschland und Holland ist aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.

Quelle: Matthias Koch

Hannover. In Hannover sollte am Dienstagabend ein Zeichen gesetzt werden. Ein Zeichen für die Freiheit, für den Trotz und den Stolz einer ­offenen Gesellschaft, die sich von Terrorakten nicht erschüttern lässt. Die Kanzlerin hatte sich angesagt, auch der Bundesinnenminister. Sportlich gesehen war das Fußballspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden ganz unwichtig – politisch aber bekam es nach den Anschlägen von Paris eine enorme Be­deutung.

Nun geht von Hannover ein ganz anderes Signal aus als gedacht: das Zeichen einer ­neuen, tiefen Verunsicherung, die in Deutschland Einzug gehalten hat. Schaudern lässt vor allem die Kurzfristigkeit der Entscheidung: Als Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Berlin abflog, hatte er noch vor, sich in Hannover zum Fußballstadion fahren zu lassen. Nach seiner Landung aber begab er sich direkt ins Lagezentrum des niedersächsischen Landesinnenministeriums.

Hinweis auf möglichen Anschlag muss sehr konkret gewesen sein

Welche Information hat de Maizière während des Fluges bekommen? Man wird es wahrscheinlich nie erfahren. Unbestätigte Berichte deuten auf den Wink eines befreundeten Geheimdienstes. Fest steht nur, dass der Hinweis auf Terror konkreter, alarmierender gewesen sein muss, als es nach draußen durchdrang. Man konnte das ablesen am versteinerten Gesicht eines anderen Bundesministers, der Dienstagabend seinerseits auf dem Mobiltelefon von de Maizière angerufen wurde, blass wurde – und Umstehenden jede Auskunft verweigerte. Man konnte es ablesen an den Aussagen des Polizeipräsidenten von Hannover, der den Menschen riet, sie sollten vorläufig zu Hause bleiben. Und man konnte es auch ablesen an der massiven Präsenz der Polizei, die zeitweise die gesamte Stadt in zuckendes Blaulicht tauchte und zu der ungewöhnlichen Maßnahme griff, die ­U-Bahn nicht an allen Haltestellen halten zu lassen.

Die Politik wollte einen anderen Verlauf des Abends

Alles nur ein Fehlalarm? Man kann es de Maizière jedenfalls getrost abnehmen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Die Politik wollte eigentlich einen anderen Verlauf des Abends.

Am Ende aber stand für den Minister eine rechtliche Abwägung, eine sogenannte Prognoseentscheidung, wie sie jeder Jurastudent im Polizeirecht kennenlernt: Je höher der ­drohende Schaden ist, desto geringere Anforderungen sind an die Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts zu stellen. Da es hier um Leib und Leben von Zehntausenden Menschen ging, ist auch dann die Absage gerechtfertigt, wenn Restzweifel an den bei de Maizière eingetroffenen Warnungen bestehen blieben.

Absurd wäre es, den Minister als Angsthasen hinzustellen. Das ist er nicht. Zu Beginn der Woche hat er der Bundespolizei das Tragen automatischer Waffen befohlen, ein bewusstes Präsentieren von Macht, eine „show of force“.

Am Dienstag in Hannover folgte eine Demonstration von Besonnenheit. Beides in kluger Balance zu halten ist jetzt die Aufgabe des Staates.

Von Matthias Koch

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Terroralarm

Die Terrorangst erreicht Deutschland: Dienstagabend ist das Länderspiel Deutschland - Niederlande in Hannover kurzfristig abgesagt worden. Es hatte Hinweise auf ein Attentat gegeben. Ganz Hannover stand am Abend Kopf. Helge Schneider sagte im Anschluss sein Konzert ab. Doch die Hintergründe sind zum möglichen Terroranschlag sind weiter unklar.

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