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Politik Staatlicher Anbau von Cannabis startet
Nachrichten Politik Staatlicher Anbau von Cannabis startet
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19:39 03.03.2017
Cannabiskonsum als Schmerztherapie (Symbolbild). Quelle: dpa
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Berlin

Der Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke in Deutschland wird künftig zentral im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte koordiniert. Eine neu eingerichtete Cannabisagentur werde dafür sorgen, den Anbau zu kontrollieren und zu steuern, sagte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Lutz Stroppe, am Freitag in Berlin. Schwerkranke Patienten können künftig nach ärztlicher Verordnung Cannabis in Arzneimittelqualität durch die gesetzliche Krankenversicherung erstattet bekommen.

Für das Gesetz „Cannabis als Medizin“ hatten Bundestag und Bundesrat Anfang des Jahres den Weg frei gemacht. Cannabis in Form getrockneter Blüten und als Extrakt in Medikamenten soll etwa bei chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose und bei Rheuma Anwendung finden. Auch dient es der Appetitsteigerung bei Krebs sowie bei Aids.

Die erste Ernte wird 2019 erwartet

„Es geht nicht um Kiffen oder Joint auf Rezept“, sagte Stroppe zu dem neuen Gesetz. Vielmehr solle das Leid chronisch Kranker gelindert werden. Aktuell verfügen rund 1.000 Patienten in Deutschland über eine Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Medizinal-Cannabis. Der Zugang dazu soll nur Menschen offenstehen, die mit anderen verfügbaren Arzneimitteln nicht zufriedenstellend therapiert werden können.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte soll ab 2019 Cannabis aus deutschem Anbau zur Verfügung stehen. Bislang wird Cannabis zu medizinischen Zwecken aus den Niederlanden und Kanada importiert.

Der künftige Mengenbedarf könne derzeit nur geschätzt werden, erklärte Institutspräsident Karl Broich. Bei aktuell rund 1.000 Patienten mit einem durchschnittlichen Tagesbedarf von einem Gramm pro Person würden 365 Kilogramm pro Jahr benötigt, um alleine diese Menschen kontinuierlich zu versorgen. Die ersten Sondergenehmigungen zum Erwerb der Droge wurden 2005 erteilt.

Staat will keinen Gewinn mit Cannabis machen

Für die Zukunft werde genau zu beobachten sein, wie sich das Verschreibungsverhalten entwickelt und ob Cannabis eine adäquate Behandlungsform darstellt, hieß es. Zur Anwendung von Cannabisblüten und nicht zugelassenen Cannabisextrakten liegen bislang nur begrenzte Informationen zu Wirksamkeit und Sicherheit vor.

Deshalb sollen künftig begleitend zur Abgabe auch Daten erhoben werden. Zudem werde mit Wissenschaftlern in Kanada, Australien und Israel kooperiert. Der Import werde wie bisher von der Bundesopiumstelle im Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte überwacht.

Sobald der Cannabis-Anbau in Deutschland startet, soll die Cannabisagentur einen Herstellerabgabepreis festlegen. Das Material wird dann an Hersteller von Arzneimitteln, Großhändler und Apotheken verkauft. Dabei dürfe das Bundesinstitut keine Gewinne erzielen, hieß es. Auf den Abgabepreis in der Apotheke habe das Institut aber keinen Einfluss.

Die Abgabe von medizinisch verwendbarem Cannabis für schwerkranke Menschen soll laut Stroppe künftig nach Rücksprache mit einem Arzt innerhalb weniger Tage möglich sein. Die Genehmigungsfrist der Krankenkassen bei ambulanter Palliativversorgung werde höchstens drei Tage betragen.

Von epd/dpa//RND

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