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Ted Cruz überlässt Donald Trump das Feld

Wahlkampf in den USA Ted Cruz überlässt Donald Trump das Feld

What’s next America? Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner wird 2016 aller Voraussicht nach Donald Trump heißen. Sein ärgster Konkurrent Ted Cruz, Senator von Texas, beendete in der Nacht zu Mittwoch seinen Wahlkampf.

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Ted Cruz steigt aus dem US-Wahlkampf aus.

Quelle: dpa

Washington. „The crossroads of America“ lautet das Staatsmotto von Indiana. Die althergebrachte Bezeichnung bewahrheitet sich in der Nacht zum Mittwoch einmal mehr: In diesem Bundesstaat schlägt das Rennen um das Weiße Haus eine Richtung ein, die sich kaum noch korrigieren lässt. Mit seinem Sieg in Indiana liegt die offizielle Präsidentschaftskandidatur für Donald Trump zum Greifen nah. Die Vorwahlen unter den Konservativen sind damit faktisch beendet.

Die menschenarme Region im Norden der USA wurde von den Wahlkämpfern in den vergangenen Tagen und Wochen regelrecht überrollt. Trump investierte in seine Indiana-Kampagne etwa eine Million Euro, sein Mitbewerber Ted Cruz sogar sechs Millionen. Es verging kaum eine halbe Stunde, in der in den örtlichen Radiosendungen nicht ein Werbeslogan der wettstreitenden Politiker eingespielt wurde.

Siegerpose

Siegerpose: Donald Trump am 3. Mai nach einer Rede in New York.

Quelle: dpa

Da der Sieger sämtliche Delegierte für sich verbuchen kann, mobilisierten alle Beteiligten ihre Kräfte. Oder besser gesagt: ihre dreckigsten Methoden.

Allen Ernstes brachte Trump den Vater von Cruz in Verbindung mit dem John F. Kennedy-Mörder Oswald. In einer üblen Anspielung verwies der New Yorker Milliardär am Dienstagvormittag auf ein Gerücht der Boulevard-Medien, wonach Cruz Senior in den sechziger Jahren in umstürzlerischen Kreisen unterwegs gewesen sein soll. Cruz wiederum beschimpft Trump als „pathologischen Lügner“.

Wie sehr die Nerven bei den US-Republikanern blank liegen, zeigen auch die jüngsten Ausfälle von John Boehner. Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses nennt Cruz einen „Fleisch gewordenen Luzifer“. Und in einer Uni-Zeitschrift findet sich folgendes Boehner-Zitat: „In meinem ganzen Leben bin ich noch nie einem so armseligen Kotzbrocken begegnet.“

Tatsächlich erinnern sich im gegenwärtigen Wettstreit viele Politiker an die Totalblockade im Kongress, die Cruz vor drei Jahren anführte. Diese radikalen Momente gelten vielen Konservativen rückblickend als Tiefpunkt in der eigenen Parteigeschichte. Der Streit um den Bundeshaushalt führte damals zum zeitweiligen Stillstand den Bundesbehörden und kostete den Republikanern viele Sympathien.

Trump gilt manchem Kongressabgeordneten daher nicht länger als die schlechteste Wahl: „Uns geht es doch nicht um die Verhinderung von Trump, sondern um die Verhinderung von Clinton“, hebt Mike Kelly hervor. Der Abgeordnete aus Pennsylvania wirft der „Grand Old Party“ einen mangelhaften Kontakt zur Basis vor. Die Führung habe kaum noch Verständnis für die Sorgen und Nöte der einfachen Leute. Dagegen habe „The Donald“ viele Bürger für die GOP zurückgewonnen - sogar aus den Reihen der Demokraten. Das spiegelt sich auch in Indiana wider: Der Bauklöwe vereinte 56 Prozent der Stimmen auf sich.

Da sich die Republikaner immer weniger an der inhaltlichen Leere und Unberechenbarkeit ihres „Front Runners“ stören, wird es Zeit, das Undenkbare zu denken: Trump, der offizielle Kandidat.

Auch Kongressabgeordnete sind offenbar der Meinung, sich dem Willen ihrer Parteibasis beugen zu müssen:

Bill Shuster, Chef des Verkehrsausschusses, Jeff Miller, Chef des Veteranenausschusses, und Bob Corker, Senator aus Tennessee, erklärten in dieser Woche ihre Solidarität mit Trump. Sämtliche parteiinternen Angriffe gegen den Immobilientycoon und Fernsehstar müssten endlich eingestellt werden, so Shuster, Miller & Co.

Dass die langjährigen Politiker ihr Fähnchen bereits drei Monate vor dem Parteitag in Cleveland in den Wind hängen, verblüfft viele Beobachter in Washington nicht: Am 8. November wird nicht nur der 45. US-Präsident gewählt, auch sämtliche Abgeordneten und ein Drittel der Senatoren müssen sich dem Votum der Wähler stellen.

Von Stefan Koch

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