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Tränengas gegen Migranten in Idomeni

Migration Tränengas gegen Migranten in Idomeni

Verzweifelte Migranten und gewaltbereite Autonome ergeben eine gefährliche Mischung in Idomeni. Die griechische und die mazedonische Polizei sind in Alarmbereitschaft. Lesbos erwartet hohen Besuch.

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Flüchtling vor dem griechisch-mazedonischen Grenzzaun. Hunderte Migranten, darunter viele Familien, verließen nach heftigen Ausschreitungen Idomeni.

Quelle: Kostas Tsironis

Athen/Idomeni. Vor dem Grenzzaun bei Idomeni bleibt die Stimmung explosiv. Nahe des wilden Flüchtlingscamps in Griechenland kam erneut zu Ausschreitungen.

Einige Dutzend Migranten versuchten von der griechischen Seite aus, den Zaun nach Mazedonien zu überwinden, um von dort weiter Richtung Norden und Deutschland zu gelangen. Mazedonische Polizisten schleuderten Tränengasgranaten über den Zaun, wie das griechische Fernsehen zeigte. Am Samstag wird der Papst auf der griechischen Insel Lesbos erwartet, wo im Lager Moria mehr als 4000 Menschen ausharren.

Hunderte Migranten, darunter viele Familien, verließen nach heftigen Ausschreitungen Idomeni. "Hier gibt es zu viele Radikale", sagte eine Frau. In der Hafenstadt Piräus entspannte sich die Lage deutlich. Mehr als 1000 Migranten wechselten vom wilden Camp an der Kaimauer in ein organisiertes Aufnahmelager, wie die Regierung mitteilte. "Piräus wird langsam evakuiert ohne Gewalt", sagte der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis.

Unter die randalierenden Migranten in Idomeni hatten sich nach übereinstimmenden Berichten auch vermummte Autonome gemischt. Am Vortag hatte die griechische Polizei umfangreiche Kontrollen in der Region vorgenommen. In Polizeikreisen gab es Informationen, dass vor allem junge Migranten Kontakte mit "radikalen Elementen" geknüpft hätten. Es handle sich um Autonome aus verschiedenen Staaten Europas und griechische Linksextremisten.

Nach Informationen aus Polizeikreisen haben die Autonomen ein Lager zwei Kilometer südlich von Idomeni im Dorf Mikro Dasos aufgeschlagen. Andere Aktivisten übernachteten im mazedonischen Gevgelija und kämen täglich herüber nach Griechenland.

Auch die griechische Polizei griff am Zaun ein: Bereitschaftspolizisten drängten die rund 200 Randalierer langsam ab. Mindestens fünf Beteiligte seien vorübergehend festgenommen worden, berichtete das Staatsfernsehen (ERT).

Einige radikale Migranten und Autonome versuchten jedoch immer wieder, sich dem Zaun zu nähern. Der Bürgermeister der Region, Christos Goudenoudis, hatte bereits vor Tagen gewarnt: Das Lager von Idomeni müsse so schnell wie möglich evakuiert werden, bevor Schlimmeres passiert. Vergangenen Samstag war es zu massiven Ausschreitungen gekommen, als Migranten einen Teil des Zauns zerstörten. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt.

Die mazedonischen Behörden schicken nach Berichten griechischer Medien viele Migranten, die sie auf ihrem Territorium aufgreifen, zurück nach Griechenland. "Wir waren drei Tage unterwegs nach Serbien. Die haben uns getreten und zurück nach Griechenland gebracht", sagte ein Familienvater im Fernsehen.

Die Zahl der Flüchtlinge, die aus der Türkei nach Griechenland kommen, ist anders als in den Vormonaten derzeit überschaubar: Innerhalb von 24 Stunden hätten nur gut 100 Migranten vom türkischen Festland auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, teilte der zuständige Krisenstab mit. Am Dienstag und Montag waren jeweils 80 und 18 Menschen aus der Türkei gekommen. Zum Vergleich: Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) waren im Vormonat im Durchschnitt knapp 900 Migranten täglich auf den Ägäisinseln angekommen.

Am kommenden Samstag wird der Papst auf Lesbos erwartet. Er wolle Flüchtlingen und Bewohnern seine "Nähe und Solidarität" vermitteln. "Ich bitte Euch darum, mich im Gebet zu begleiten", sagte Franziskus bei der Generalaudienz vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom.

Er werde die Migranten gemeinsam mit seinen "Brüdern", dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. und dem ebenfalls orthodoxen Erzbischof Hieronymus II., treffen, betonte der Pontifex. Franziskus will für wenige Stunden nach Lesbos reisen und dort das Internierungslager Moria besuchen.

Der Papst hat ein Herz für Flüchtlinge. Seine erste Reise hatte ihn 2013 nach Lampedusa geführt. Auf der italienischen Insel kommen jedes Jahr zahlreiche Flüchtlinge an. Im Mittelmeer sind seit Jahresbeginn nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks mehr als 700 Menschen ertrunken.

dpa

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