Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Trump, Trump, Trump: Ein Ruf der Gewalt

Vorwürfe gegen Republikaner Trump, Trump, Trump: Ein Ruf der Gewalt

Neuer Zwischenfall bei einem Wahlkampfauftritt von Donald Trump. Einem seiner Gegner ist von einem Trump-Anhänger brutal ins Gesicht geschlagen worden. Kurz darauf bricht in der Menge der Trump-Anhänger Jubel aus. Es nicht das erste Mal, dass es bei einer Veranstaltung des umstrittenen Politikers zu Gewalt kommt.

Voriger Artikel
Staatsbesuch in kritischer Zeit: Gauck in China
Nächster Artikel
Holpriger Start des Flüchtlingspakts mit der Türkei

Donald Trump (Mitte) polarisiert immer wieder

Quelle: EPA

Washington. „Schlecht für Amerika“ steht auf dem Schild, das der Demonstrant über seinem Kopf hält. Als der junge Mann lautstark gegen Donald Trump wettert, führen ihn zwei Wachmänner aus dem Saal. Kurz bevor sie den Ausgang erreichen, trifft den Ruhestörer eine Faust ins Gesicht. Ein etwa 50-jähriger Trump-Anhänger schlägt unvermittelt und brutal zu. Die umstehende Menge johlt und skandiert „Trump, Trump, Trump“, bevor zwei Polizisten herbeieilen und den Angreifer festnehmen.

Der Zwischenfall ereignete sich am Sonnabend in Tucson im Bundesstaat Arizona und gehört zu einer wachsenden Zahl von gewalttätigen Übergriffen im Umfeld von Wahlkampfveranstaltungen des New Yorker Geschäftsmannes. In Chicago lieferten sich kürzlich Dutzende Anhänger und Gegner eine Schlägerei, und in North Carolina wurde ein Afroamerikaner schwer verletzt, als er nach seinem Protest abgeführt wurde.

Nach Einschätzung der „Washington Post“ hat es seit den sechziger Jahren nicht mehr eine solche Häufung von Körperverletzungen in einem amerikanischen Wahlkampf gegeben. Doch anders als vor 50 Jahren registrieren die Sicherheitsbehörden die Übergriffe ausschließlich bei den Veranstaltungen eines einzigen Kandidaten - Donald Trump. Dessen Wahlmotto „Make America Great Again“ verkomme zu „Make America Hate Again“.

Für diese bedrückende Entwicklung hat Mitt Romney eine drastische Erklärung parat: „Trump steht für Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Engstirnigkeit, Ausländerfeindlichkeit, Vulgarität und, seit kurzem, für Drohungen und Gewalt“, so der frühere Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Und mit Blick auf den jüngsten Übergriff am Wochenende sagt Romney: „All das widert mich an“.

Die scharfe Wortwahl des ansonsten eher zurückhaltend auftretenden Politikers kommt nicht von ungefähr. Bei den Übergriffen handelt es sich seiner Meinung nach nicht allein um Ausfälle einiger verwirrter Anhänger, sondern um die Folge einer genau kalkulierten Strategie.

Tatsächlich ist es Trump höchstpersönlich, der immer mal wieder seine Parteifreunde anstachelt. So sagte der Wahlkämpfer nach einem Angriff auf einen Afroamerikaner in Alabama: „Vielleicht hat er eine Abreibung verdient.“ Und in Iowa, zum Auftakt der Vorwahlen, rief er dem aufgepeitschten Publikum zu: „Prügelt den Leuten die Scheiße aus dem Leib, wenn sie auch nur eine Tomate auf die Bühne werfen wollen.“

Wenig später setzte der einstige Reality-TV-Star seine Hasstiraden in Las Vegas fort. Als ein Demonstrant lauthals lachte, als er von der Polizei abgeführt wurde, raunte Trump: „Am liebsten würde ich dem Kerl ins Gesicht schlagen.“ Und dann seufzte der Multimilliardär: „Ach ja, früher, in der guten alten Zeit, hätte man ihn auf der Bahre rausgetragen.“

In Washington gelten diese Vorfälle schon längst nicht mehr als Klamauk einer verunglückten Wahlkampagne. Sogar Amtsinhaber Barack Obama meldet sich besorgt zu Wort. Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen in seiner Heimatstadt Chicago forderte der Chef des Weißen Hauses vergangene Woche jeden Kandidat dazu auf, sich eindeutig gegen Gewalt auszusprechen. Obama mahnte: „Müssen wir bald unseren Kindern erklären, warum Politik wie eine Schulhofprügelei klingt?“

Und so mancher Beobachter fragt sich bereits, was es zu bedeuten habe, dass Trump in TV-Interviews von Unruhen spricht, sollte der Parteitag der Republikaner ihm die offizielle Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten verweigern. Wörtlich sagte der Immobilientycoon gegenüber dem Sender CNN: „Ich repräsentiere Millionen von Menschen. Man kann sie nicht entrechten und sagen, es reicht wegen ein paar Hundert Stimmen nicht. Ich denke, dann wird es Aufstände geben.“

Formuliert Trump nur seine Sorgen, oder überbringt er seinen politischen Gegnern eine Drohung?

„Das verantwortungslose Spiel mit der Gewalt hat Methode“, sagt Michael Werz vom Washingtoner Institut „Center For American Progress“. „Es ist der Hebel, mit dem Trump die moderateren Kandidaten aus dem Rennen gekegelt hat, und ein Instrument der Mobilisierung weißer Unter- und Mittelschichten, denen solche Phantasien nicht fremd sind. Ein klassischer Fall von autoritärem Charakter.“ Dennoch zeigt sich der Politikwissenschaftler, der seit Jahren für die renommierte Denkfabrik tätig ist, gelassen. Die Vorfälle seien bedrückend, würden aber nicht den Untergang von Demokratie und Rechtsstaat ankündigen: „Die amerikanische Gesellschaft ist im Umgang mit Gewalt, Heterogenität und Modernisierung viel stabiler als die meisten europäischen Gesellschaften.“

Ein düsteres Bild zeichnet Werz allerdings vom Zustand der „Grand Old Party“: „Die Partei ist im Moment ‚Old’, aber nicht ‚Grand’. Donald Trump kommt nicht aus dem Nichts. Er spaziert auf dem Boden, den das Parteiestablishment von John McCain und Lindsay Graham über John Boehner bis zu Mitch McConnell systematisch bereitet haben.“ Das jahrelange Augenzwinkern in Richtung rechter Rand und die ständige Unterstellung, Obama führe die Vereinigten Staaten in den Abgrund, hätten eine Situation geschaffen, in der radikalisierte Unterstützer die konservative Partei von innen zerstören.

Von Stefan Koch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-161203-99-408078_large_4_3.jpg
Fotostrecke: Real macht Barças Siegträume in 90. Minute zunichte

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?