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Und es trifft doch: Soldaten haben keine Probleme mit G36

Verteidigung Und es trifft doch: Soldaten haben keine Probleme mit G36

Neue Berichte zum G36 stiften neue Verwirrung: Das Gewehr hat sich in Gefechten bewährt. Soldaten können die im Labor festgestellten Präzisionsprobleme nicht bestätigen. Hat Verteidigungsministerin von der Leyen das Gewehr voreilig ausgemustert?

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Grundausbildung: Wehrpflichtige zerlegen G36-Gewehre in ihre Einzelteile und reinigen sie.

Quelle: Frank May/Archiv

Berlin. Die Bundeswehrsoldaten in den Auslandseinsätzen haben keine Präzisionsprobleme beim umstrittenen Sturmgewehr G36 festgestellt. Im Gegenteil: Die Waffe des Herstellers Heckler & Koch hat sich im Gefecht als besonders zuverlässig erwiesen.

Das ergab eine vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegebene Untersuchung, die damit den negativen Labortests zur Treffsicherheit aus dem Frühjahr widerspricht. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will trotzdem bei ihrer Entscheidung bleiben, 167 000 Gewehre auszumustern.

Die Ergebnisse der mündlichen und schriftlichen Befragung von 200 Soldaten wurden vom Grünen-Verteidigungsexperten Winfried Nachtwei und dem früheren Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus vorgestellt. "Die einsatzerfahrenen Soldaten haben die Qualifizierung des G36 als Pannengewehr widerlegt", urteilten die beiden.

Es sei kein Soldat im Einsatz gefährdet worden. Das Standardgewehr der Bundeswehr sei durchgängig als bedienungsfreundlich, leicht und kaum störanfällig gelobt worden. "Die Verlässlichkeit wurde besonders hervorgehoben", erklärte die Kommission.

Eine umfassende Laboruntersuchung hatte im Frühjahr das Gegenteil ergeben. Bei einer Erhitzung um 30 Grad sank die Trefferquote im Extremfall auf sieben Prozent. Dieser Untersuchung waren in den vergangenen fünf Jahren viele andere Tests und unterschiedliche Einschätzungen vorausgegangen, ohne dass Klarheit über die Qualität des Sturmgewehrs und seine Eignung für den Einsatz geschaffen wurde.

Von der Leyen gab nur eine kurze öffentliche Stellungnahme zu den Ergebnissen ab. "Wir werden das jetzt analysieren, in Ruhe aufarbeiten und dann auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen", sagte die CDU-Politikerin. Aus ihrem Ministerium hieß es aber, es wäre "unverantwortlich", über die Labortests hinwegzugehen. Die Entscheidung, das Gewehr ab 2019 auszumustern, wurde bekräftigt. Die Beschaffung einer neuen Waffe soll europaweit ausgeschrieben werden.

Die ersten Hinweise auf Präzisionsprobleme beim G36 gab es 2010. Das jahrelange Hin und Her wurde von einer weiteren vom Ministerium eingesetzten Kommission auf Mängel in den Organisationsstrukturen der Bundeswehr und des Ministeriums zurückgeführt. Es habe ein "unglückliches Zusammenwirken" verschiedener Stellen gegeben und nicht alle Verantwortlichen seien ihrer Verantwortung gerecht geworden, erklärte die Kommission unter Leitung des Commerzbank-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller.

Insgesamt befassten sich vier vom Ministerium eingesetzte Kommissionen und Arbeitsgruppen mit der Aufarbeitung der G36-Affäre. Hinweise auf Korruption oder Unregelmäßigkeiten im Umgang mit dem Hersteller wurden dabei nicht festgestellt. "Die Geschäftsbeziehungen zu Heckler & Koch GmbH als größtem Lieferanten von Kleinwaffen für die Bundeswehr sind in ihrer Art und Ausprägung nachvollziehbar", erklärte das Ministerium. Allerdings läuft noch ein Gerichtsverfahren, in dem es darum geht, ob das G36 Mängel aufweist oder nicht.

dpa

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