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Veranstalter überdenken Sicherheitskonzepte

Terror in Europa Veranstalter überdenken Sicherheitskonzepte

Der Schock in Europa sitzt tief. Nach den Anschlägen in Paris und der Terrorwarnung in Hannover gibt es zwar noch keine Absagen der Brandenburger Veranstalter. Doch die Sicherheitskonzepte werden geprüft. Wir haben nachgefragt, ob der Weihnachtsmarktbesuch jetzt gefährlicher ist und wie sich Sportvereine auf Gefahren einstellen.

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Polizisten kontrollieren Sitzreihen im Berliner Olympiastadion – allerdings bereits bei der ISTAF. Doch auch künftig sollen die Behörden für Sicherheit, etwa beim Hertha-Spiel, sorgen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Nach den Anschlägen von Paris und der Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover wegen einer Terrorwarnung überprüfen Brandenburgs Veranstalter ihre Sicherheitsvorkehrungen. Absagen gibt es bislang nicht. Auch die Spiele der Fußball-Bundesliga am Wochenende sollen wie geplant stattfinden.

Dietmar Keck, Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums, spricht von einer „abstrakten Gefährdungslage“, die es allerdings „nicht erst seit gestern“ gebe. Diese Einschätzung habe sich durch die Ereignisse der vergangenen Tage „nicht konkret geändert.“ Er räumte ein: „Wir können nicht auf jedem Weihnachtsmarkt präsent sein, dazu gibt es einfach zu viele.“ Die lokalen Dienststellen seien deshalb angewiesen, jeden Einzelfall zu prüfen und mit Veranstaltern abzustimmen, welche Maßnahmen vorgenommen werden. Auch Berlins Innensenator Frank Henkel spricht von der „hohen Gefährdungslage“.

„Angst ist ein schlechter Ratgeber“

Deutschland und auch Berlin stünden aber „im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus“, sagte Henkel. Bei den Spielen der Fußball-Bundesliga und auf den Weihnachtsmärkten seien Sicherheitskräfte in den kommenden Wochen besonders wachsam. Das sei auf den Weihnachtsmärkten aber in der Vergangenheit auch schon so gewesen. „In den vergangenen Jahren haben wir im Zustand einer abstrakten Gefährdungslage gelebt“, sagte Henkel. „Angst ist ein schlechter Ratgeber, aber Vorsicht ist es nicht.“

Wir haben die Brandenburger gefragt, ob sie auch künftig Veranstaltungen besuchen. Jetzt lesen>>

Zur verstärkten Beobachtung der Weihnachtsmärkte durch die Polizei kommen Sicherheitsmaßnahmen der Betreiber wie zusätzliche Wachleute. Die meisten Weihnachtsmärkte eröffnen am kommenden Montag. „Wenn wir uns jetzt nicht mehr vor die Tür trauen würden, hätten die Terroristen gewonnen“, betonte Henkel.

Die Veranstalter des beliebten „Weihnachtszaubers Gendarmenmarkt“ wiesen daraufhin, dass es an den vier Zugängen Einlass- und Taschenkontrollen geben wird. „Zur Sicherheit für unsere Besucher wird das Mitbringen von Koffern, Trollis und großen Rucksäcke ab sofort nicht mehr gestattet“, sagte eine Sprecherin.

Hat sich durch Paris etwas geändert?

Michael Kilian, Vorsitzender des Gewerbevereins Brandenburg/ Havel, wirbt für Gelassenheit: „Wir sollten uns unser Leben nicht versauen lassen von solchen Leuten.“ Im Hintergrund werde es einige Vorkehrungen geben, um die Sicherheit zu gewährleisten. Bei der DKB-Stiftung, die den beliebten Weihnachtsmarkt auf Schloss Liebenberg (Oberhavel) veranstaltet, wird derzeit noch geprüft, ob die Sicherheitsmaßnahmen in enger Abstimmung mit den Behörden erhöht werden. In Cottbus hat man laut Rathaus-Sprecher Jan Gloßmann „im Blick, dass sich durch Paris etwas geändert hat“. Es gebe allerdings keine Hinweise, dass sich dadurch die Sicherheitslage in der Stadt verschlechtert habe.

Längere Wartezeiten beim Einlass

Beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC ist man vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Hoffenheim sensibilisiert. „Bei unseren Spielen im Olympiastadion setzen wir auf ein fundiertes und detailliertes Sicherheitskonzept, das wir vor jeder Partie mit den zuständigen Sicherheitsbehörden, den Ordnungskräften und allen Mitarbeitern absprechen“, sagte Manager Michael Preetz. Besucher müssen ebenso wie Fans der Berliner Eisbären beim Stadionbesuch längere Wartezeiten beim Einlass in Kauf nehmen.

Show must go on

Größere Kulturveranstaltungen stehen in Brandenburg nicht zur Disposition. So heißt es aus dem Potsdamer Nikolaisaal: „ Alle Konzerte finden statt.“ In Berlin sieht es ähnlich aus. Zum Sido-Konzert am 7. Dezember sagte der Veranstalter auf Anfrage: „Alles bleibt beim Alten.“

Terror in Europa

Der Drahtzieher der Terroranschläge von Paris mit 129 Toten, Abdelhamid Abaaoud, soll am Mittwochmorgen bei einem Einsatz der Sicherheitskräfte im Hauptstadt-Vorort Saint-Denis getötet worden sein. Entsprechende Medienberichte mit Bezug auf Geheimdienste blieben zunächst offiziell unbestätigt.

In Saint-Denis wurden sieben Verdächtige festgenommen. Eine Frau sprengte sich in die Luft, als die Polizei eine Wohnung stürmte. Damit sei eine einsatzbereite „neue Gruppe von Terroristen neutralisiert“ worden, so die Pariser Staatsanwaltschaft.

Beim Länderspiel in Hannover wollten Terroristen offenbar mehrere Bomben im Stadion zünden, berichtet „Bild“ mit Verweis auf ein Papier des Verfassungsschutzes.

Von Stephan Henke, Mischa Karth und Lars Grote

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