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Viele Promi-Asiaten auf Panama-Papieren

Tausende Namen Viele Promi-Asiaten auf Panama-Papieren

Tausende von Namen aus Australien, Indien und Südostasien finden sich in den Panama-Papieren: Schauspieler, Industriebosse und Gangster aus Australien fanden geschäftliche Unterstützung bei der Kanzlei Mossack Fonseca. Das Büro in Hongkong war die Anlaufstelle.

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Quelle: dpa

Berlin. Am der Tag der Enthüllungen der sogenannten Panama-Papiere wundert sich kaum jemand, das in den Listen nahezu jeder Asiate mit Rang und Name auftaucht. Aber die Medien stellen sich auch die Frage: Warum gibt es kaum Namen aus dem Westen?

Australien

Der stellvertretende Chef von Australiens Steuerbehörden Michael Cranston, hält nach den Enthüllungen der Panama-Papiere einen guten Rat bereit: „Bitte versuchen Sie nicht, mit Offshore-Konstruktionen Steuern zu sparen. Und melden sie sich selbst, dann fällt die Strafe sehr viel geringer aus.“

Für etwa 800 Australier könnte der gute Rat zu spät kommen. Das Finanzamt in Australien untersucht bereits, ob die Kunden der Anwaltsfirma Mossack Fonseca korrekte Angaben über Wohlstand und Einkommen gemacht haben. „Die meisten haben das wohl nicht“, zitieren australische Medien Behördenvertreter.

Wichtigste Anlaufquelle für Australier und andere Kunden in Asien war laut den Papieren Hongkong. Dort fand die Vertreterin der Firma aus Panama City mit der ANZ-Bank offenbar auch einen gutwilligen Partner. Das Geldhaus taucht 7458 Mal in den Daten von Mossack Fonseca auf.

Indonesien

„Haben Sie irgendeinen Vorschlag, was wir tun können?“, fragte ein verzweifelter Investor aus Indonesien in gebrochenem Englisch per e-Mail in Panama an, nachdem er den Namen von Mossack Fonseca auf einer Werbeschrift eines Unternehmens entdeckte, das ihn um seine Ersparnisse gebracht hatte, „wir brauchen das Geld wirklich für die Ausbildung unseres Sohnes.“ Die Firma, die laut dem „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICJC) 3500 indonesische Kleinanleger um rund 150 Millionen US-Dollar betrog, war von Mossack Fonseca auf den British Virgin Islands eingetragen worden. Im Jahr 2007 stellte die Briefkastenfirma seine Zahlungen an Anleger ein.

Malaysia

Es scheint gegenwärtig kaum einen Finanzskandal zu geben, bei dem nicht der Name der Familie von Najib Razak, dem Premierminister von Malaysia, auftaucht. Sein Sohn Mohammed Nazifuddin Mohammed Najib gehörte zur Kundschaft der Anwaltsfirma in Panama. Er war auf den British Virgin Island gemeinsam mit einem Bau-Magnaten als Chef von zwei Unternehmen eingetragen. Malaysias Presse hält sich aus Furcht vor Repressionen mit der Berichterstattung zurück. Das Land verfügt selbst mit der Insel Labuan über ein Offshore-Zentrum.

Premierminister Najib ist gegenwärtig in eine Affäre um Kuala Lumpurs Staatsfond 1MDB verwickelt. Die ihm unterstellten Juristen stellten ihm einen Persilschein aus. Aber die Schweizer Zentralbank und die USA ermitteln in der Sache. Sogar Malaysias Nachbar Singapur forderte kürzlich 80 Banken auf - darunter auch die Deutsche Bank, mysteriöse Geldflüsse im Zusammenhang mit Malaysia zu erklären. Najibs Ehefrau machte jüngst Schlagzeilen, weil sie per Kreditkarte Luxusartikel im Wert von Hunderttausenden US-Dollar tätigte.

Indien

Die Tageszeitung „Indian Express“ fand nicht nur Namen, sondern auch die Spuren eines Schmiergeldskandals in den Panama-Papieren. Seit 1996 soll die italienische Firma Elettronica SpA mit einem Inder und einer weiteren Person auf den British Virgin Island versucht haben, elektronische Ausrüstung an Delhis Marine und Luftwaffe verkaufen. Dazu wurde mit Hilfe von Mossack Fonseca eine Firma gegründet. „Es werden Kommissionen von fünf bis 17 Prozent erwähnt“, schreibt die Tageszeitung. Ansonsten lautet die einfache Bilanz: 500 Inder kommen in den Panama-Papieren vor - verglichen mit den 1100 Indern, deren Namen im vergangenen Jahr in Daten über die HSBC-Bank auftauchten, relativ wenig.

Diesmal gerät allerdings der indische Superstar Amitabh Bachchan an den Pranger. Seine Schwiegertochter und Publikumsliebling Aishwarya Rai Bachchan wird gar zitiert: „Name auf A. Rai abkürzen, aus Identitätsgründen.“ Bis zu einer Gesetzesnovelle vor vier Jahren war es strafbar für Inder, ein Auslandskonto zu besitzen. Finanzminister Arun Jaitley drohte am Montag bereits: „Wer sich im vergangenen Jahr nicht einer Ausnahmeregelung unterworfen hat, muss jetzt mit hohen Strafen rechnen.“

Pakistan

In Pakistan diente die Firma aus Panama zwei prominenten demokratischen Figuren. Die Familie von Premierminister Nawaz Sharif wird in den Papieren mit Grundstücksgeschäften erwähnt, bei denen die Deutsche Bank als Kreditgeber fungierte. Die 2007 ermordete Ex-Premierministerin Benazir Bhutto wiederum gründete mit Hilfe von Mossack Fonesca im Jahr 2001 gemeinsam mit dem späteren Innenminister Abdul Rehman Malik eine Firma, die bereits in der „Öl gegen Nahrung-Affäre“ Schlagzeilen machte. Über die Unternehmung wurden Sanktionen gegen den Irak unterlaufen.

Von Willi Germund

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