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Viele Tote nach Luftangriff auf Klinik in Kundus

Konflikte Viele Tote nach Luftangriff auf Klinik in Kundus

Am Montag haben die Taliban Kundus überrannt. Nun versuchen afghanische Regierungstruppen mit Nato-Hilfe, die Stadt wieder ganz unter ihre Kontrolle zu bekommen. Jetzt wurde eine Klinik von Ärzte ohne Grenzen von Bomben getroffen - mit verheerenden Folgen.

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Blick auf das teilweise zerstörte Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen im nordafghanischen Kundus.

Quelle: Ärzte ohne Grenzen

Kabul. Bei einem Bombenangriff auf die nordafghanische Provinzhauptstadt Kundus haben amerikanische Militärflugzeuge offensichtlich aus Versehen ein Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) getroffen. Mindestens 19 Menschen wurden getötet.

Es handele sich um zwölf MSF-Mitarbeiter und sieben Patienten, darunter auch drei Kinder, sagte MSF-Sprecherin Christiane Winje am Samstagabend in Berlin. Weitere 37 Menschen, darunter 19 Mitarbeiter, wurden ihren Angaben zufolge verletzt. US-Verteidigungsminister Ashton Carter sprach von einem "tragischen Vorfall". Ärzte ohne Grenzen forderte eine unabhängige Untersuchung.

Seit dem überraschenden Angriff der islamistischen Taliban auf Kundus am Montag versuchen Regierungstruppen mit Hilfe der Nato seit Tagen, die Stadt wieder komplett unter Kontrolle zu bekommen.

Carter erklärte, zum Zeitpunkt des Beschusses hätten US-Kräfte und Taliban-Kämpfer in der Nähe operiert. "Während wir noch herauszufinden versuchen, was genau passiert ist, möchte ich allen Betroffenen sagen, dass ich ihnen meine Gedanken und Gebete widme", hieß es in schriftlichen Mitteilung.

"Eine volle Untersuchung des tragischen Vorfalls ist in Abstimmung mit der afghanischen Regierung im Gange", erklärte der Pentagonchef weiter. "Zu diesem schwierigen Zeitpunkt werden wir weiterhin mit unseren afghanischen Partnern zusammenarbeiten, um zu versuchen, die andauernde Gewalt in und um Kundus zu beenden."

Ärzte ohne Grenzen verurteilte den Vorfall aufs Schärfste: "Diese Attacke ist eine abscheuliche und schwere Verletzung internationalen humanitären Rechts", sagte MSF-Präsident Meinie Nicolai einer Mitteilung zufolge. "Wir können es nicht hinnehmen, dass dieser schreckliche Verlust von Menschenleben einfach als "Kollateralschaden" abgetan wird." Alle Anzeichen deuteten daraufhin, dass die Bombardierung durch das Bündnis der internationalen Streitkräfte erfolgt sei.

Der Sprecher der Nato-Mission in Afghanistan, Sernando Estreooa, erklärte zu dem Unglück: "Die US-Streitkräfte haben am 3. Oktober um 2.15 Uhr Ortszeit einen Luftangriff nahe der Einrichtung durchgeführt, wo einzelne Personen die Truppen bedrohten." Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Brian Tribus, räumte ein, dabei könnte versehentlich eine nahe gelegene medizinische Einrichtung getroffen worden sein. Der Vorfall werde untersucht.

In einer Stellungnahme der US-Botschaft in Afghanistan hieß es, man trauere um die Menschen, die von dem "tragischen Zwischenfall" in dem Krankenhaus betroffen seien, sowie um deren Familien.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen wurden allen Konfliktparteien die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen vorsorglich mehrfach übermittelt, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des nächtlichen Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert; dennoch habe das Bombardement noch mehr als 30 Minuten angehalten.

Die Organisation veröffentlichte Bilder von der in Flammen stehenden Klinik und den massiven Schäden. Auf einem Foto kümmern sich Ärzte in einem überfüllten kleinen Raum um verletzte Patienten und Mitarbeiter. "Die Bomben schlugen ein und dann hörten wir, wie die Maschine Kreise flog", wurde der Leiter der MSF-Mission in Nordafghanistan, Heman Nagarathnam, in einer Mitteilung zitiert. "Dann gab es eine Pause und dann schlugen noch mehr Bomben ein. Das passierte immer weiter."

Seit Montag wurden nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen in der Klinik 394 Verletzte behandelt. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs seien 105 Patienten, Angehörige und gut 80 Mitarbeiter in dem Gebäude gewesen.

Die Klinik wird ausschließlich aus Spenden finanziert und behandelt jeden - unabhängig von Herkunft oder Religion. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte: "Keiner unserer Kämpfer war zum Zeitpunkt des Angriffs ein Patient der Klinik."

dpa

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