Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Wahlrecht von Geburt an!

Kommentar von Wolfgang Thierse Wahlrecht von Geburt an!

Kinder werden gerne als „unsere Zukunft“ gepriesen. Doch politisch sind junge Menschen rechtlos. Eine Kampagne macht sich nun für das Wahlrecht von Geburt an stark. Wolfgang Thierse unterstützt diesen Gedanken – der ehemalige Bundestagspräsident plädiert dafür, die Altersgrenze abzuschaffen.

Voriger Artikel
Zahl der offenen Stellen auf Rekordhoch
Nächster Artikel
Klage gegen Trumps Klimapläne

Wolfgang Thierse ist für die Abschaffung der Altersgrenze bei Wahlen.

Quelle: dpa

Berlin.
Lasst die Kinder an die Urnen! Die Forderung provoziert. Dabei geht es nur darum, das Grundgesetz ernst zu nehmen. Und den 13 Millionen Menschen in diesem Land, die in Sonntagsreden gerne als „unsere Zukunft“ gepriesen werden, eine Stimme zu geben. Im doppelten Sinne.

„Nur wer wählt, zählt“, hat der Deutsche Familienverband eine Kampagne überschrieben, in der er sich für das Wahlrecht von Geburt an starkmacht. Ich finde das richtig. Denn wir sind eine kinderunfreundliche Gesellschaft, unsere Wirtschaft ist kinderfeindlich und unsere Politik lässt gerne außer Acht, dass es die jungen Menschen von heute sind, die auch morgen mit unseren Entscheidungen zu leben haben. Nur: Diese jungen Menschen sind politisch rechtlos.

Artikel 20 des Grundgesetzes besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht. Zum Volk gehören auch die Kinder. Doch das vornehmste Recht ist für sie ausgesetzt, denn Artikel 38 setzt das Wahlalter auf 18 Jahre fest. Ich plädiere dafür, diese Altersgrenze abzuschaffen – und das Wahlrecht von Kindern treuhänderisch auf deren Eltern zu übertragen. Die vertreten ja auch in allen anderen Lebensbereichen die Rechte ihrer Kinder. Und wenn die Kinder mit zehn, zwölf Jahren politisch interessiert werden, nehmen sie ihr Wahlrecht selbst wahr. Allen Zweiflern, die mangelnde Reife und Beeinflussbarkeit junger Menschen ins Feld führen, halte ich entgegen: Wir prüfen auch sonst nicht den Verstand eines Wählers. Wegen Dummheit ist noch keinem sein Wahlrecht entzogen worden. Aber es birgt große Chancen für die Zukunft der Demokratie, wenn wir endlich entschlossen über Kinderrechte reden.

Von Wolfgang Thierse

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
67c67274-fd31-11e7-ab43-ba738207d34c
Russen feiern orthodoxes Kirchfest

Es ist ein Kirchenfest mit Mutprobe: Mitten im Winter nehmen viele Russen ein Bad im eisigen Wasser – unter ihnen auch Präsident Wladimir Putin. Es ist ein Ritual für Hartgesottene mit genauen Regeln.

Sollte es Schüleraustausch zwischen Ost- und Westdeutschen geben?