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Wer kommt nach Joachim Gauck?

Kommentar zur Nachfolger-Suche Wer kommt nach Joachim Gauck?

Joachim Gauck will keine zweite Amtszeit als Bundespräsident. Und nun? Wer folgt nach Gauck? Bereits vor dem offiziellen Verzicht kursierten allerlei Namen – aus allen politischen Lagern. Nicht alle sind ernst gemeint, sondern eher taktischer Natur. Wie er sein muss, ist klar, meint MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven. Nur wer es sein soll, ist völlig offen.

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Quelle: dpa

Potdsdam. Der Bundespräsident hat sich entschieden. Joachim Gauck nimmt Rücksicht auf seine Gesundheit und will keine zweite Amtszeit. Dieser Rückzug verdient Respekt. Er ist eine Seltenheit auf dem politischen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Nur die wenigsten Amtsträger sind bereit, sich auf einen künftigen Bedeutungsverlust einzulassen. Gauck nimmt hingegen seinen Leitsatz, Freiheit gehe einher mit Verantwortung, ernst. Er ist so frei und geht auf dem Zenit seines Ansehens.

Was eine gute Entscheidung für den Menschen Joachim Gauck und seine Familie ist, bedeutet neue Ungewissheit für die Deutschen, die sich mehrheitlich gerade glücklich schätzten, solch einen ersten Mann im Staate zu haben. Der Rostocker wird als einer der her­ausragenden Bundespräsidenten in die Geschichte eingehen, als einer, der das Amt geprägt hat und häufig wie ein Leuchtturm stand, wenn es ringsum dunkler wurde.

Er ist stets die Stimme der Vernunft in Zeiten der Gereiztheit gewesen – in der Schulden-Krise, der Griechenland-Auseinandersetzung, bei Pegida und ihren Auswüchsen oder in der Flüchtlingsdebatte. Auch wenn mancher genervt ist von Gaucks pastoraler Art – er sagt, was er meint. Egal, wen er damit trifft. Gut also, dass wir Gauck noch ein paar Monate als Bundespräsidenten haben. Und danach? Eine Frau? Gern!

In den Parteien wird nun wieder kräftig mit den Hufen gescharrt. Namen werden reflexhaft wie Testballons in die Höhe gelassen – Schäuble, Lammert, Steinmeier, Kretschmann. Es wird wieder viel über taktische Allianzen nachgedacht, denn die Bundesversammlung, die den neuen Bundespräsidenten am 12. Fe­bruar nächsten Jahres bestimmen wird, tagt unmittelbar vor der gewichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und gut ein halbes Jahr vor der nächsten Bundestagswahl.

Bei allem Verständnis für die Karriereplanungen bei Roten, Tiefroten, Schwarzen, Grünen oder Gelben: Die Parteifreunde und Genossen sollten im Auge behalten, dass das politische Establishment in diesen Monaten besonders kritisch vom deutschen Wahlvolk beäugt wird. Wer also meint, das Amt des Bundespräsidenten sollte wieder zur üblichen Beute der Parteien werden, der könnte am Ende eine ziemlich teure Rechnung erhalten.

Einen wie Gauck zu finden ist unmöglich und unnötig. Es gibt Frauen und Männer in Deutschland, die in dem Amt mit Sicherheit eigene Akzente setzen wollen und dies auch können. Dass sich jüngst 70 Prozent der Deutschen in einer Umfrage eine zweite Amtszeit von Gauck wünschten, bedeutet zwar zuallererst ein Riesenlob für seine Arbeit als Bundespräsident. Die hohe Zustimmung darf aber auch als Wunsch gelten, dass sich ein Bundespräsident politisch so unabhängig und wenig stromlinienförmig geben sollte wie er.

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Joachim Gauck verzichtet auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident. Wen wünschen Sie sich als Nachfolger?

Von Thoral Cleven

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