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Der „Trudeau der Niederlande“

Grüner Kandidat Jesse Klaver Der „Trudeau der Niederlande“

Zum Regierungschef wird es Jesse Klaver bei der Parlamentswahl in den Niederlanden wohl nicht bringen. Aber er wird wohl der lachende Dritte sein: Seine Grünen könnten ein sensationellen Zugewinn verbuchen.

Gefeiert wie ein Popstar: Jesse Klaver füllte bei seinen Wahlkampfauftritten ganze Hallen.
 

Quelle: imago

Den Haag.  Außerhalb der Niederlande scheint der Kampf um den Posten als niederländischer Ministerpräsident das Wettrennen zweier Männer zu sein: dem Rechtspopulisten Geert Wilders und dem amtierenden Premier Mark Rutte. Im Schatten dieser Rivalität haben sich viele vor allem junge Niederländer jedoch einem anderen Politiker zugewandt: dem 30-jährigen Jesse Klaver. Sie feiern den Grünen-Mann wie einen Popstar. Wo er auftritt, kommen oft mehrere Tausend Anhänger.

Klaver ist der Gegenentwurf zum egozentrischen Wilders und zum konservativen Politiker Rutte: Er inszeniert sich in den sozialen Medien höchst professionell, tritt für Weltoffenheit, Toleranz und Umweltschutz ein. Und glaubt man den Umfragen, dann zahlt sich diese Strategie für den Spitzenkandidaten der Grünen Partei „Groenlinks“ aus. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass Klaver bei dieser Wahl sein Ziel erreicht, Regierungschef des Landes zu werden. Aber es deutet alles darauf hin, dass „Groenlinks“ genügend Sitze gewinnen könnten, um drittstärkste Partei im Land zu werden.

Jesse Klaver wird oft mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau verglichen – und schon rein äußerlich sieht er ihm erstaunlich ähnlich. Auch sein Auftreten und seine politischen Position passen in diese Kategorie. Klaver ist stärker pro Migration als viele andere Parteien, die durch Wilders' Positionen nach rechts geschoben worden sind.

„Wenn ich mir die internationalen Medien anschaue, widmen sie Geert Wilders eine Menge Aufmerksamkeit, doch das sind nicht die Niederlande, es ist nur ein Teil der Niederlande“, sagte Klaver in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. „Und wie man sieht, ist unsere Partei im Aufschwung, wir sind genau das Gegenteil von dem, was sich mit Geert Wilders tut.“

 Umfragen deuten darauf hin, dass die Grünen bei der Parlamentswahl um die 17 Sitze gewinnen könnten – die höchste Zahl, seit die Partei nach den Wahlen 1989 erstmals ins Parlament eingezogen ist. Ihr bisheriger Rekordgewinn lag bei elf Mandaten im Jahr 1998. Derzeit ist Klaver einer von vier grünen Abgeordneten in der Kammer mit 150 Sitzen.

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Zum Regierungschef wird es Jesse Klaver bei der Parlamentswahl nächste Woche in den Niederlanden wohl nicht bringen. Aber er wird wohl der lachende Dritte sein: Seine Grünen könnten sensationell viele Sitze gewinnen.

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Ein möglicherweise sensationelles Ergebnis für die Grünen – das ist eine rasante Entwicklung innerhalb von nur zwei Jahren. Seinerzeit hatte ein altgedienter Journalist Klaver im Fernsehen als „rotznäsiges Kind“ bezeichnet. Das war in einer Sendung über parlamentarische Anhörungen, in denen Klaver einen niederländischen Banker in scharfer Form nach Boni in der Finanzwelt gefragt hatte. Die abwertende Äußerung des Journalisten sorgte für Schlagzeilen im ganzen Land, Klaver wurde zu einem allgemeinen Begriff und stieg dann rasch zum Parteichef auf.

Während die meisten Politiker im Wahlkampf Flugblätter verteilt und etwa in Einkaufszentren mit Wählern gesprochen haben, hat der Spitzenkandidat der Grünen einen anderen Stil gewählt, legerer, in Form von lockeren Treffs in Räumen, zu denen er mit hockgekrempelten Hemdsärmeln und ohne Schlips erschienen ist. „Mein Vertrauen in den Wandel beruht auf Ihnen“, sagte er kürzlich bei einem dieser Zusammenkünfte. „Sie sind meine Hoffnung auf Wandel. Und am 15. März werden wir alle Geschichte schreiben.“

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Entsprechend seinem grünen Gedankengut und der Geschichte seines Landes zählen der Bau von mehr Windmühlen – insbesondere der von riesigen Windturbinen in der Nordsee – und die Schließung aller Kohlekraftwerke zu den Zielen, die er im Wahlkampf propagiert hat. Klaver, ein starker Unterstützer der Europäischen Union, wirbt auch für verstärkt nachhaltige Agrarpraktiken in seinem Land, in dem intensive Landwirtschaft nach wie vor die Norm ist. „Was wir brauchen, ist das ehrgeizigste Klimaprogramm, das es jemals gegeben hat“, sagte er. „Wir müssen den Klimawandel stoppen.“ Das ist eine Botschaft, die in diesem tief liegenden Land mit seinen zum Teil riesigen Dämmen gut ankommt.

Zu den Vergleichen mit dem Frauenschwarm Justin Trudeau sagt Klaver lediglich, dass er gern so muskulös wäre wie der 45-jährige kanadische Regierungschef. „Ich beneide ihn darum, ich bin nicht so muskulös“, sagt er lächelnd. Und hofft natürlich, dass er in Sachen politischer Power bei der Wahl so erfolgreich ist, wie es Trudeau in Kanada geschafft hat.

Von RND/AP/aks

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