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Politik #noussommesunis: Darum sind wir alle Paris
Nachrichten Politik #noussommesunis: Darum sind wir alle Paris
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07:41 16.11.2015
Trauer in Paris, Trauer in Berlin, Trauer in ganz Europa: Der Terror kam schleichend, doch er ist da. Wir dürfen keine Angst haben! Quelle: dpa
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Potsdam/Paris

Ich bin traurig. Ich bin wütend. Ich bin schockiert. Es hätte auch meine Kinder treffen können, die sich gern mit Freunden oder Kollegen Freitagabend irgendwo treffen – um gemeinsam aufs Wochenende anzustoßen oder um zu tanzen. Es hätte auch meine Frau treffen können, meine Freunde, mich. So wie die Pariser, die Freitagabend nicht Opfer eines Unglücks wurden, sondern die im Kugelhagel von Mördern starben.

Wir sind Paris, weil die Attentäter nicht eine Stadt im Visier haben, sondern uns Europäer. Sie wollen uns die Freiheit nehmen, die unsere Ahnen und wir in Jahrhunderten hart erkämpften. Sie wählten Paris, weil die Lieblingsstadt der Europäer ein Sehnsuchtsort ist und symbolisch für unsere Freiheit steht. Sie wählten Paris, weil sie uns dort bereits im Januar empfindlich trafen, wir uns aber in Solidarität unter dem Slogan „Je suis Charlie“ (Wir sind Charlie) vereinten und Kraft gaben.

Wir müssen für unsere Vorstellung von Freiheit kämpfen, meint Thoralf Cleven. Quelle: dpa

Nun sind wir Paris. Das heißt, wir müssen nach der Trauer um die vielen Toten wieder aufstehen, uns unserer Werte bewusst werden und auch bewusst für sie einstehen. Freiheit, Toleranz und Mitmenschlichkeit sind eben nicht so selbstverständlich wie wir bisher glaubten. Wir müssen uns jetzt auch die Frage stellen, ob wir die Zeichen seit 9/11 nicht verstanden haben. Oder warum wir so vergesslich sind. 2002 starben auf Bali bei einem islamistischen Anschlag 202 Menschen, vorwiegend Touristen. In Madrid gab es 2004 bei Angriffen auf Pendlerzüge 191 Tote und fast 2000 Verletzte. Ein Jahr später starben bei Selbstmordattentaten in London 56 Menschen. In Mumbai töteten Terroristen bei Überfällen auf Luxus-Hotels 166 Menschen. Dieses Jahr begann mit zwölf Toten nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und fünf weiteren Toten in Paris. Es gab den versuchten Anschlag im Schnellzug Amsterdam – Paris im August, in Ankara starben vor einem Monat 102 Menschen durch Selbstmordattentäter, zwei Wochen später kamen 224 Insassen beim Absturz einer russischen Maschine über der Sinai-Halbinsel ums Leben – vermutlich nach einem islamistischen Anschlag.

Auch wir sind Paris: Ein Meer aus Blumen und Kerzen von Trauernden unweit des Brandenburger Tors. Quelle: dpa

Dies ist auch der Grund, warum niemand die aufkommende Sicherheitsdebatte mit der Diskussion über steigende Flüchtlingszahlen und deren Folgen vermischen sollte. Vergessen wir nicht: Die Mörder von Paris und deren Hintermänner sind die, vor denen Menschen aus Damaskus, Aleppo, Bagdad, Kundus oder Kabul nach Europa flüchten. Anschläge wie die in Paris sind bei ihnen nicht Ausnahme, sondern trauriger Alltag. Wir sollten sie und uns davor schützen. Je besser wir es verstehen, die Flüchtlinge in unser Leben einzubeziehen, desto weniger Chancen haben islamistische Seelenfänger, Unzufriedene zu radikalisieren.

Was in Frankreich geschah, kann also jeden Tag auch in deutschen Metropolen passieren. Und wozu diese Fanatiker inzwischen in der Lage sind, das ist furchteinflößend. Sie aber haben noch mehr Angst vor uns und unserem Lebensstil, der auch für junge Menschen außerhalb Europas attraktiv ist. Freiheit und Würde sind verlockend und gefährden die Macht derjenigen, die bedingungslose Unterwerfung predigen.

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„Die Anschläge in Paris machen mich sehr betroffen, aber man darf auch die in Beirut nicht vergessen. Terror lässt sich nicht mit Abschottung bekämpfen.“ Kati Biesecke (30), Studentin aus Potsdam

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Wir weinen mit den Franzosen. Wir sind vereint – Nous sommes unis. Als Menschen, als Europäer, als Freiheitsliebende. Jetzt erst recht!

Thoralf Cleven ist der Chefredakteur der MAZ. Quelle: MAZ

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Schmerzhafte Diskussionen: „Man kannte das Risiko“

Von Thoralf Cleven

Nachdem der Terror in Europa am Freitag Einzug erhalten hat und in Paris bei Anschlägen mehr als 130 Menschen getötet wurden, nimmt die Debatte um Asyl wieder Fahrt auf. Die CSU thematisiert wieder die unkontrollierte Einreise von Flüchtlingen. Doch der Parteichef schlägt auch andere Töne an. Die SPD sieht den Anstoß mit Unbehagen.

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