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Spektakuläre Tricks auf dem Kunstrad

Clemens Bodt ist Kunstradfahrer der Nationalmannschaft Spektakuläre Tricks auf dem Kunstrad

Der Potsdamer Kunstradfahrer Clemens Bodt gehört seit kurzem zur deutschen Nationalmannschaft. Als einziger Brandenburger. Die MAZ hat den 16-Jährigen vom SV 05 Rehbrücke beim Training besucht und dabei nicht nur erfahren, wie er die Angst vor üblen Stürzen überwindet. Im Video zeigt Clemens seine spektakulärsten Tricks.

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Balanceakt: Clemens Bodt auf seinem Kunstrad.

Quelle: foto: Julian Stähle

Rehbrücke. Clemens Bodt ist ein Stuntman auf zwei Rädern. Der 16 Jahre alte Kunstradfahrer vom SV 05 Rehbrücke spult im Training seine fünfminütige Kür ab. 30 verschiedene Übungen zeigt Bodt im schnellen Wechsel. Er fährt rückwärts, steht mit beiden Beinen auf dem Sattel oder manövriert sein Fahrrad bei Drehungen waghalsig auf dem Hinterrad. Was so spielerisch leicht aussieht ist das Ergebnis harter Arbeit.

Clemens Bodt zeigt seine Kür

Clemens Bodt zeigt seine Kür.

Quelle: Julian Stähle

Vor neun Jahren war der Potsdamer in der Schule aufgefallen. „Ich war unkonzentriert“, erzählt Bodt. Deshalb sei ihm sportliche Betätigung empfohlen worden. Durch Zufall kam er zum Kunstradfahren. „Ich fand es damals gleich klasse, was die Leute auf dem Rad können. Heute bin ich viel ruhiger und ausgeglichener.“

Nummer vier in Deutschland

Mittlerweile gehört Bodt zu den besten Kunstradfahrern Deutschlands. In der Weltrangliste des Jahres 2014 rangierte er auf Platz zehn. In seiner Altersklasse ist er die Nummer vier in Deutschland. In diesem Jahr wurde Bodt, der kürzlich ostdeutscher Meister wurde, erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Als einziger Brandenburger. Die Kadernominierung bringt ihm unter anderem Einladungen zu Trainingslehrgängen.

Ein Kunstradfahrer lernt nie aus. „Ich will neue Übungen fahren“, erzählt Bodt. Je nach Schwierigkeitsgrad und Ausführung vergeben die Punktrichter ihre Wertung. Für die kommende Saison hat sich der Elftklässler der Lenné-Gesamtschule unter anderem den „Dornstandsteiger rückwärts“ als neues Element vorgenommen. Das heißt, er steht mit einem Fuß auf dem Dorn des Hinterrades und fährt nur auf dem Hinterrad rückwärts. „Das bringt gut Punkte.“ Vier Mal wöchentlich übt Bodt unter der Regie von Trainerin Kerstin Hanschke. Für den „Dornstandsteiger rückwärts“ wird er sich hin und wieder überwinden müssen. „Klar hat man mal Schiss, aber man lernt, wie man fällt“, sagt er. Außerdem sei er „noch nie so gefallen, dass ich gesagt habe, ich will nicht mehr. Ich habe immer wieder geübt, ich habe da meinen Ehrgeiz. Und die blauen Flecken gehören halt dazu.“

Klassenkameraden sind begeistert

Der Ehrgeiz ist so groß, dass sich der Turner auf zwei Rädern nicht von Klischees und Vorbehalten beeindrucken lässt. „Viele können sich unter Kunstradfahren nichts vorstellen. Sie sprechen etwas abfällig von Radfahren oder Einrad.“ Auch Bodts Klassenkameraden verdrehten ein wenig die Augen, wenn er von seinen Wettkämpfen erzählte.

30 Übungen in fünf Minuten

Kunstradfahrer fahren innerhalb eines definierten Feldes und zeigen in fünf Minuten 30 Übungen.

Die Sportart ist nicht olympisch. Ein Kunstfahrrad kostet knapp 2500 Euro. Die Räder, die eine 1-1-Übersetzung haben, sodass man auch rückwärtsfahren kann, sind mit Luftreifen ausgestattet.

 

SV 05 Rehbrücke ist einer von neun Kunstrad-Vereinen in Brandenburg, der Sport wird auch in Werder und an der Uni Potsdam angeboten.

Der Verein zählt rund 370 Mitglieder, davon 190 Kinder und Jugendliche. Die Abteilung Kunstradfahren hat etwa 20 aktive Mitglieder, davon zwölf im Alter von sieben bis 22 Jahren.

Bei der ostdeutschen Meisterschaft , die kürzlich in Berlin stattfand, war der Verein mit fünf Sportlern vertreten.

Clemens Bodt gewann in der U 19, Denis Dornbusch bei den Frauen. Eileen Hanschke wurde in der U 19 Zweite. Ansgar vom Lehn (U 11) und Tom Steinkamm (U 15) wurden Dritte.

Borussia Werder holte bei der ostdeutschen Meisterschaft im Vierer-Kunstradfahren der weiblichen U 19 Bronze. Im Zweier-Kunstradfahren der Frauen gewann der USV Potsdam den Titel.

Kürzlich ist er jedoch beim Sommerfest seiner Schule erstmals vor den Mitschülern aufgetreten. Mit Erfolg. „Viele waren total beeindruckt.“ Seine bis dato kritischen Kumpel klopften ihm auf die Schulter. „Respekt!“ Sein Klassenlehrer nannte die Vorführung den Höhepunkt des Festes. Die Schulterklopfer könnten noch mehr werden, wenn Bodt tatsächlich einmal bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft starten sollte. „Das wäre cool.“

Von Ronny Müller

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