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Alexander Haase: „Es ist ein bisschen surreal“

Interview mit Co-Trainer der Handball-Nationalmannschaft Alexander Haase: „Es ist ein bisschen surreal“

Seit Ende 2014 ist der Potsdamer Alexander Haase Co-Trainer der Handball-Nationalmannschaft, Ende Januar feierte er mit dem Team einen Sensationserfolg bei der EM in Polen. Im Interview verrät er, warum gerade er die EM-Schale in seinem Zimmer aufbewahrte, wann er sich sicher war, dass Deutschland das Finale gewinnt und ob es beim VfL Potsdam Neuzugänge gibt.

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Schon den Finaleinzug feierten die Co-Trainer Alexander Haase (l.) und Axel Kromer (r.) mit Trainer Dagur Sigurdsson frenetisch.

Quelle: Privat

Potsdam. Er gehörte zu den Architekten des Sensationserfolgs der Handball-Nationalmannschaft: Alexander Haase, Co-Trainer von Nationaltrainer Dagur Sigurdsson und Sportlicher Leiter beim Drittligisten VfL Potsdam, spricht im Interview über die Nacht mit der EM-Schale im Bett, die Vorfreude auf die Olympischen Spiele und mögliche Zugänge beim VfL Potsdam, der am Sonntag (16 Uhr, MBS-Arena) nach dreiwöchiger Spielpause den TSV Altenholz empfängt.

Herr Haase, sind Sie froh, dass Sie Matthias Reim nicht mehr hören müssen, dessen Lieder vor den EM-Spielen in der Kabine liefen?

Alexander Haase: Ich glaube, ich wusste gar nicht, dass es Matthias Reim ist. In der Regel ist eben ein Spieler für die Musik in der Kabine verantwortlich, damit muss man dann als Trainer leben (lacht).

Keeper Carsten Lichtlein hat verraten, dass die EM-Schale bei Ihnen übernachtete. Wie kam es dazu?

Haase: Uwe Gensheimer hat mir bei der Siegesfeier beim Italiener die Schale mit den Worten in die Hand gedrückt: „Ich glaube, dass es besser ist, wenn du auf die Schale aufpasst und nicht ich.“ Die Jungs sind dann in einen Club losgezogen. Und ich habe mir gedacht, wenn ich mich um die Schale kümmere, dann richtig.

Ab welcher Minute des Finals haben Sie realisiert, dass es für den EM-Titel reicht?

Haase: Es war in der 53. Minute, wir waren neun Tore vorne. Ich kann mich deshalb so gut daran erinnern, weil mir später jemand die Fernsehaufzeichnung gezeigt hat. Oliver Roggisch regte sich darin über irgendetwas auf und ich beruhigte ihn sinngemäß mit den Worten: Mein Freund, schau bitte auf den Spielstand. Wir sind neun Tore vorne und es sind noch sieben Minuten zu spielen. Wir haben dann beide die Fäuste gegeneinander geschlagen und gesagt, wir fahren nach Rio.

Sie haben in diesem Moment schon an die Olympischen Spiele gedacht?

Haase: Wenn man Sportler ist oder später Trainer wird, dann ist es nicht nur das Ziel, Europameister zu werden, dann willst du irgendwann zu den Olympischen Spielen. Mein Papa war 1968 bei den Olympischen Spielen, mit der 4x100-Meter-Staffel ist er Fünfter geworden. Wenn man mit Leistungssport groß wird und dabeibleibt, dann ist das einfach das Ziel schlechthin.

Konnten Sie sich in der vergangenen Woche etwas erholen?

Haase: Ein bisschen, ich war mit meiner Familie einen Tag in der Therme, habe nur ein Interview gegeben und war auf der Geschäftsstelle des VfL. Aber am Freitag war schon wieder das Allstar-Game, am Samstag der Ball des Sports.

Und seit Montag hat Sie auch der Schulalltag als Lehrer wieder.

Haase: Es ist ein bisschen surreal. Aber andererseits auch wieder schön, dass ein bisschen Alltag einkehrt. Auch den Jungs hilft das sicherlich, wieder Spiele in der Bundesliga zu machen. Ein ewiger Rausch geht ja auch nicht. Wobei schon klar ist – und ich weiß nicht, ob das gelingt –, dass man den Erfolg auch genießen muss. Dafür war die Arbeit von uns allen einfach zu hart.

Wie wurden Sie in der Schule empfangen?

Haase: Viele, die mich getroffen haben, haben mir gratuliert. Die Schüler haben auch zwei, drei Fragen gestellt. Aber wir sind hier ja an einer Sportschule, da gehören sportliche Erfolge natürlich dazu.

In der 3. Liga ist Potsdam Dritter, am Sonntag kommt Altenholz. Was ist noch drin in dieser Saison?

Haase: Ich glaube, dass es sehr schwer wird, den Tabellenführer Dessau noch zu überholen, dafür ist er zu gefestigt. Aber wir müssen alles dafür tun, dass wir noch Zweiter werden, falls es eine mögliche Relegation gibt.

Warum haben Sie dann mit Philipp Reuter den besten Torjäger (99 Tore) in der Winterpause verkauft?

Haase: Philipp Reuter hatte bereits angekündigt, dass er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird, obwohl wir ihn gerne gehalten hätten. Und dann kam die Anfrage. Wir wollten ihm diese Chance nicht verwehren. Einen großen Vorteil hat es auf jeden Fall: Yannik Münchberger, der schon zur Junioren-Nationalmannschaft eingeladen wurde, steht jetzt in fast allen wichtigen Momenten auf der Platte. Er hat die Chance, Erfahrungen zu sammeln, die er sonst vielleicht nicht hätte sammeln können. Und ich denke, dass wir auch bei der EM gesehen haben, dass der Ausfall eines Spielers durchaus dafür sorgen kann, dass das Team noch enger zusammenrückt.

Wird in der Transferzeit bis zum 15. Februar noch etwas passieren?

Haase: Da bin ich mir ziemlich sicher.

Seit fünf Jahren an Dagur Sigurdssons Seite

Alexander Haase wurde am 13. Mai 1976 in Potsdam geboren.

Seit 1993 ist er Mitglied beim Handball-Drittligisten VfL Potsdam.

Er war sowohl Spieler als auch Trainer der ersten Mannschaft des Vereins.

2006 stieg der ehemalige Linksaußen der Adler als Coach mit dem Team in die 2. Bundesliga auf.

Vier Jahre lang, 2009 bis 2013, war er Co-Trainer von Dagur Sigurdsson beim Bundesligisten Füchse Berlin.

Anschließend kehrte Haase aus persönlichen Gründen als Sportlicher Leiter zum VfL Potsdam zurück.

2014 wurde er gemeinsam mit Axel Kromer Co-Trainer von Dagur Sigurdsson des Handball-Nationalteams, mit dem er 2016 Europameister wurde.


Haase ist Lehrer an der Sportschule Potsdam für Sport und Politische Bildung. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Neben dem Handball galt auch dem Fußball seine Leidenschaft.

Er ist Gründungsmitglied der Potsdamer Kickers und noch heute mit 136 Toren in 116 Spielen Rekordtorschütze der ersten Mannschaft.


Von Stephan Henke

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