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Alle Züge im Kopf

Schach Alle Züge im Kopf

Mirko Eichstaedt war im Jahr 2015 extrem erfolgreich. Der Zwölftklässler wurde deutscher Meister der Sehbehinderten im Schach. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft holte er Bronze. Jeden Tag über er ein bis zwei Stunden. Bei Spielen hat er die Position der Figuren fast immer im Kopf. Und das alles, weil sein Opa nicht mehr so mobil war.

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Mirko Eichstaedt ist deutscher Meister.

Quelle: privat

Potsdam. Mirko Eichstaedt hätte als Knirps gern mit seinem Opa im Garten herumgetollt. Doch der Großvater war nicht mehr so mobil – aber clever. Er brachte dem Enkel Schach bei. Das königliche Spiel fesselte den heute 18-Jährigen, der mit einer schweren Sehbehinderung auf die Welt kam. Da er als Kind zudem eine Netzhautablösung erlitt, ist er links komplett erblindet. Rechts hat er eine Sehstärke von nur 15 Prozent.

Dritter der Junioren-Weltmeisterschaft

Die Schach-Leidenschaft beeinträchtigt das nicht. Mirko Eichstaedt wurde 2015 deutscher Schach-Meister des Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Podgorica (Montenegro) wurde er Dritter. Bei der EM belegte er einen Mittelfeldplatz. „Der dritte Platz bei der WM ist mit Abstand der größte Erfolg“, erzählt Eichstaedt, der mit seiner Familie in Stücken wohnt. Mit der U20-Mannschaft des USV Potsdam belegte er Ende Dezember bei der deutschen Meisterschaft Platz vier. „Wir haben Bronze nur knapp verpasst. Aber das war ein super Ergebnis, wir waren nur Zehnter in der Setzliste.“ Es war außerdem die beste Platzierung einer Brandenburger Mannschaft seit Jahrzehnten.

Jüngster Teilnehmer

Bemerkenswert ist jedoch auch der Titel bei der deutschen Meisterschaft. Denn in Bad Meinberg war Eichstaedt mit Abstand der jüngste Teilnehmer. Doch den Erfahrungsrückstand glich er mit Fleiß aus. Bis zu fünf Stunden habe er sich auf jeden Gegner vorbereitet. Er analysierte in Datenbanken, welche Systeme die Kontrahenten spielen und überlegte sich Gegen-Strategien.

Beim Sehbehinderten-Schach hat jeder Spieler ein Brett. Die Züge werden angesagt und auf beiden Brettern vollzogen. „Damit wird sichergestellt, dass man sich nicht ins Gehege kommt.“ Denn viele Spieler erfühlen die Position der Figuren. „Ich nehme das Brett optisch wahr, aber ich bin nicht drauf angewiesen“, erzählt der Zwölftklässler des Potsdamer Leibniz-Gymnasiums. „Ich schaffe es auch, Spiele zu Ende zu bringen, ohne aufs Brett zu gucken“, sagt Eichstaedt, der mit seinem Team bei der Landesschulmeisterschaft den Titel holte. In der Regel hat Eichstaedt die Position von Springern, Läufern oder Bauern im Kopf. „Aber es ist praktischer, wenn man mal draufschauen kann.“ Grundsätzlich sei die Leistung der blinden Schachspieler noch höher einzuschätzen. „Viele können das Brett nur fühlen.“

Ziel ist der Fide-Meister-Titel

Mirko Eichstaedt, der nach dem Abi Mathematik studieren möchte, trainiert jeden Tag ein bis zwei Stunden. „Das ist mit Abstand Hobby Nummer eins“, sagt der Akkordeonspieler. Schließlich will er 2016 seinen Titel verteidigen und irgendwann einen Fide-Meister-Titel tragen. Für diese Auszeichnung des Weltschachbundes braucht er eine ELO-Zahl von 2300, die die international erlangte Spielstärke beschreibt. Derzeit steht er bei 2209. Seine Eltern können ihn dabei zumindest direkt am Brett kaum unterstützen. Sie spielen nur selten gegen den Sohn – sie haben nämlich keine Chance.

Von Ronny Müller

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