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Antje Rávic Strubel hält sich auf Rollskiern fit

Babelsberg Antje Rávic Strubel hält sich auf Rollskiern fit

Beim Skifahren auf Asphalt nimmt die Potsdamer Schriftstellerin Antje Rávic Strubel Reißaus von der Arbeit am Computer. Unterwegs hat sie die besten Ideen.

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Für die MAZ fuhr Antje Rávic Strubel durch den Babelsberger Park. Meist ist sie auf Havelradweg oder Flämingskate unterwegs.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Antje Rávic Strubel vermisst den Schnee. Doch vom Skilaufen lässt sich die Schriftstellerin aus Potsdam nicht abhalten. Mit Helm und Knieschonern rauscht sie auf ihren Rollskiern über den asphaltierten Weg des Babelsberger Parks und strahlt. „Ich brauche Sport als Ausgleich, um den Kopf zu lüften“, sagt Antje Strubel. Mindestens alle zwei Tage nimmt sie Reißaus vom Computer. „Beim Sport habe ich Einfälle, die ich am Schreibtisch nicht hätte.“

Mit der „Gebrauchsanweisung fürs Skifahren“ hat sie laut Verlag eine „literarische Liebeserklärung ganz in Weiß“ abgegeben. „Seit ich als Kleinkind das erste Mal auf den Brettern stand, durchzieht mich der tiefe Glaube an das Göttliche, das im Geräusch gleitender Laufsohlen, im Knarzen von Stöcken in frisch gespurter Loipe oder im Zischen des Schnees beim geglückten Bremsmanöver am Ende einer Sturzflugpiste aufklingt.“

Die Tochter eines ehemaligen Sportlehrers hat die Lust auf Schnee von ihren Eltern. „Wir sind jedes Jahr in den Winterurlaub gefahren.“ Früher wollte Antje Strubel sogar Skilehrerin werden. Aber das wäre mit dem Abschied aus der märkischen Heimat verbunden gewesen. Mit ihren Rollskiern kann sie Heimat und Langlauf auch im Sommer verbinden. Egal ob Skating oder klassischer Langlauf – auf den Rollen ist das kein Problem.

Die Spaziergänger im Babelsberger Park schauen neugierig. Inline-Skater sind bekannt. Rollski-Fahrer offenbar noch nicht. Antje Strubel räumt ein, dass es selbst für sie skurril sei, an grünen Wiesen oder einem blühenden Rapsfeld vorbeizugleiten. Am liebsten ist sie auf dem Havelradweg oder der Flämingskate unterwegs. 25 bis 30 Kilometer pro Tour.

Im vergangenen Jahr hatte sie ein Stipendium als Stadtschreiberin in Rheinsberg. Fast jeden Tag sei sie Rollski gefahren. „Es liegt doch gar kein Schnee“ – sie hat nicht gezählt, wie oft sie das von Passanten gehört hat. Antje Strubel räumt ein: „Durch den Schnee zu gleiten, ist noch etwas anderes.“ Doch Rollskier sind ein guter Ersatz. Künftig werden viel mehr Sportler damit unterwegs sein, glaubt sie. „Durch den Klimawandel gibt es einfach weniger Schnee.“

Die größte Herausforderung auf Skiern war der Wasalauf in Schweden. Antje Strubel absolvierte die 90 Kilometer in etwa neun Stunden. „Es war anstrengender als gedacht“, sagt die einstige Sportstudentin. Und in ihrem Buch erinnert sie sich: „Bei Kilometer achtzig froren meine Zehen ab, obwohl ich noch mal alle Kraft in diese letzten Kilometer powerte, angetrieben von einem Läufer, der sich an mich drangehängt hatte. Ich hörte sein Keuchen hinter mir. Er saß mir im Nacken. Ich wollte nicht, dass er mich überholte, das wäre eine Frage von Leben und Tod. Wäre er schneller gewesen, hätten mich alle Kräfte verlassen, und ich wäre kurz vorm Ziel abgekämpft in den Schnee gestürzt.“

Skifahren ist nicht die einzige sportliche Leidenschaft von Antje Strubel. Die frühere Leichtathletin und Handballerin paddelt gerne. Früher arbeitete sie im Sommer in Schweden als Kanu-Scout. Sie leitete Reisegruppen auf mehrtägigen Kanu-Expeditionen an. Die Touren glichen einem Survivalcamp mit Feuermachen und Selbstverpflegung. Heute paddelt sie auf der Nuthe oder der Havel.

Wenn der Herbst kommt, wächst derweil wieder die Lust auf die Berge und den Wintersport. Mit einer Handy-App ist Antje Strubel ständig über die aktuellen Schneehöhen in ihren Lieblingsskigebieten informiert. Vielleicht lässt sie die Erfahrungen beim Skifahren in ihren nächsten Roman einfließen.

Von Ronny Müller

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