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Auf der Suche nach einem neuen Henry Maske

Boxen in Brandenburg Auf der Suche nach einem neuen Henry Maske

Der Boxsport in Brandenburg steht vor einem nächsten großen Erfolg. Motor Babelsberg kann am Wochenende deutscher Mannschaftsmeister werden. Doch wie sieht es aus, mit dem Boxen im Land eines Henry Maske?

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Atdhe Gashi (r.) will mit Motor Babelsberg deutscher Meister werden.

Quelle: Foto: Detlev Scheerbarth

Potsdam. Boxen im Land Brandenburg? Keine Frage: Henry Maske löste Anfang der 1990er Jahre einen wahren Box-Boom deutschlandweit aus. Doch was blieb im Schatten der großen Profikämpfe von Maske und Axel Schulz im Amateursport zwischen Lausitz und Prignitz hängen? Lothar Heine, der Präsident des Amateur-Box-Verbandes Land Brandenburg (ABVLB), sagt: „Anfang der 1990er Jahre profitierten wir noch vom Potenzial des DDR-Leistungssports. Brandenburger Boxer holten 1992 bei Olympia in Barcelona Gold, Silber und Bronze – heute kann ganz Deutschland von solch einer Bilanz bei Olympia 2016 nur träumen.“

Auch die damaligen Olympia-Medaillengewinner Torsten May (Gold) und Marco Rudolph (Silber) wurden noch in der Maske-Ära Profis. „Dieser Aderlass betraf aber nicht nur die Sportler, sondern auch die Trainer wie Dietmar Schnieber in Cottbus oder Manfred Wolke in Frankfurt (Oder)“, beklagt Heine, außerdem sei die demografische Entwicklung gegen den Boxsport gelaufen. Der Wegzug vor allem junger Leute traf auch die vielen kleinen Boxvereine, die auf der Suche nach Sponsoren um ihre Existenz kämpften. Trotzdem holte sich der Boxring Land Brandenburg 1992, 1994 und 1995 die deutsche Mannschaftsmeisterschaft bei den Amateuren.

Sechs Stützpunkte im Land

2016 schickt sich mit Motor Babelsberg wieder eine Mannschaft an, nach dem Titel zu greifen. Am Sonnabend (18 Uhr, Autohaus ASL Lichtblau) steht in Potsdam das entscheidende Duell gegen den Nordhäuser SV an. Beide Staffeln führen mit je 8:2 Punkten die Vierer-Tabelle an. Heine, der ehemalige Box-Trainer ist Leiter Trainingswissenschaften am Olympiastützpunkt Brandenburg, meint: „Trainer Ralph Mantau leistet bei Motor hervorragende Arbeit. Wenngleich auch Ausländer in seinem Bundesligateam boxen, so hat das natürlich nach außen eine positive Wirkung. Außerdem bringt er immer wieder Talente für die Sportschulen hervor.“ Der 64 Jahre alte Brandenburger Boxsportchef ist überzeugt davon: „Die Spitzenentwicklung ist nur über die Stützpunkte möglich.“ Die sechs Landesstützpunkte bestehen in Cottbus, Frankfurt (Oder), Potsdam, Spremberg, Schwedt und Fürstenwalde, in Frankfurt(Oder) gibt es einen Bundesstützpunkt. Aber bei Olympia in Rio wird kein Brandenburger Boxer dabei sein, auch Leichtgewichtler Atdhe Gashi von Motor Babelsberg wohl nicht. Heine geht nicht gleich K.o., sondern setzt auf die Zukunft: „Wir haben sechs Talente, denen ich mit Blick auf 2020 Olympia zutraue.“ Brandenburg ist also auf der Suche nach einem neuen Maske, der schließlich 1988 auch Olympiasieger war.

1212 Mitglieder in 37 Vereinen

Erfreut hat den Präsidenten, der seit 2002 den aktuell 1212 Mitglieder in 37 Vereinen zählenden Verband führt, auch die positive Entwicklung der Teilnehmerzahlen bei den jüngsten Landesmeisterschaften. „Es fehlt zwar noch an der Spitze, aber in den Vereinen ob in Cottbus, Frankfurt oder Schwedt gibt es Zulauf auch durch junge Leute mit Migrationshintergrund. Auch Flüchtlinge schließen sich zunehmend Boxvereinen an. „Da können wir einen wichtigen Beitrag bei der Integration leisten“, glaubt Heine und drückt nun erst einmal die Daumen, damit Motor Babelsberg deutscher Mannschaftsmeister wird.

Von Peter Stein

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