Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Tränen zum Abschied: Aus für Judo-Damen

Dynamo Brandenburg zieht sich zurück Tränen zum Abschied: Aus für Judo-Damen

Der vierfache deutsche Mannschafts-Meister Dynamo Brandenburg tritt im kommenden Jahr nicht mehr in der Bundesliga an. Nach 22 Jahren zieht sich das Team nun zurück. Die Trainerin Sandra Köppen-Zuckschwerdt erklärt in der MAZ die Gründe dafür und blickt auf eine bewegende Zeit zurück.

Voriger Artikel
VfB-Manager Dutt gibt Trainer Zorniger Jobgarantie
Nächster Artikel
Cottbuser Sprinter Maximilian Levy startet dreifach bei der EM

Stephanie Steinmetz (hinten) gehört zu den etablierten Kämpferinnen bei Dynamo Brandenburg.

Quelle: foto: marcus alert

Brandenburg/Havel. Sandra Köppen-Zuckschwerdt ist melancholisch. „Mein Herz weint“, sagt die 40-jährige Judo-Trainerin. Nach 22 Jahren in der Bundesliga wird die PSG Dynamo Brandenburg ihre Frauen-Mannschaft noch in diesem Jahr vom Wettkampfgeschehen abmelden. „Das ist für uns ganz schwer, das ist richtig traurig“, erzählt Köppen-Zuckschwerdt, die den Verein mit ihrem Mann Wolfgang Zuckschwerdt zu vier deutschen Meistertiteln geführt hat.

Höhepunkt war sicherlich der Triumph 2009: Im wahrscheinlich spannendsten Kampf der Bundesliga-Geschichte gewann Brandenburg in eigener Halle das dramatische Finale gegen Titelverteidiger UJKC Potsdam mit 5:4 nach Verlängerung. Köppen-Zuckschwerdt: „Das war gigantisch, das kann keiner mehr toppen.“

Solche Erinnerungen lindern ein wenig den Schmerz. Als sich die einstige Weltklasse-Judoka kürzlich von der Mannschaft verabschiedete, seien dennoch Tränen geflossen. Die Entscheidung steht aber – das Team wird aufgelöst.

20.000 Euro für neue Matte

Die Palette der Gründe ist vielfarbig. Dynamo hätte sich auf Erlass des Deutschen Judo-Bundes (DJB) eine neue Wettkampfmatte zulegen müssen. Die alte rot-grüne Unterlage sei nicht mehr zulässig, so Köppen-Zuckschwerdt. „Wir hätten uns eine gelb-blaue kaufen müssen.“ Kostenpunkt: 20 000 Euro. Dieser Boden sei laut Verband fernsehtauglicher. Der DJB hat die Fernsehrechte allerdings verkauft, so dass lokale und regionale Sender aus finanziellen Gründen wohl eh Abstand genommen hätten. Außerdem hätte Dynamo die Sponsoren des DJB in den Mittelpunkt stellen sollen. „Wir hätten also weniger Platz für eigene Sponsoren gehabt“, sagt Köppen-Zuckschwerdt. „Das ist nicht nachvollziehbar.“

Athleten wollen mehr Geld

Ebenso kann sie nicht verstehen, dass zu viele Bundesliga-Termine mit Verbandsmaßnahmen, etwa Trainingslagern, kollidieren. „Wir hatten 22 Kämpferinnen auf der Liste. Wenn man es nicht schafft, neun am Kampftag auf die Matte zu stellen, kommt man ins Grübeln.“ Auch die finanzielle Belastung sei immer größer geworden. Kann ein Verein eine Gewichtsklasse nicht besetzen oder hat eine Kämpferin ein falsches Rückenschild, gibt es eine empfindliche Strafe vom Verband. „Dafür müssen wir 2000 Euro im Jahr einplanen, das ist Abzocke.“ Auch die Sportler halten immer öfter die Hand auf. „Die Spitzenathleten werden nicht genügend unterstützt, also wollen sie sich in der Bundesliga etwas dazuverdienen“, sagt Köppen-Zuckschwerdt. Doch zu übertriebenen Zahlungen sei sie nicht bereit.

Deshalb seien Anspruch und Wirklichkeit beim Vorrundenfünften der Gruppe Nord zu weit auseinandergedriftet. „Wir hatten Ziele, das war immer eine Medaille. Dafür stehe ich zum Beispiel bei den Sponsoren gerade“, erklärt Köppen-Zuckschwerdt. Da eine Kampfgemeinschaft mit dem UJKC Potsdam nicht zustande kam, zog Dynamo die Reißleine und wird künftig nur noch bei Einzel-Turnieren vertreten sein. Der dreifache deutsche Meister aus Potsdam hatte das Damen-Team bereits 2010 abgemeldet. Damit gibt es in Brandenburg keine Frauenmannschaft mehr in der Judo-Bundesliga.

Von Ronny Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport
MAZ Sportbuzzer