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Beckenbauer im Interview: "Meine Schuldigkeit getan"

Fußball Beckenbauer im Interview: "Meine Schuldigkeit getan"

Franz Beckenbauer hat in der WM-Affäre ein weiteres Interview gegeben. Auch dem TV-Sender Sky sagte er: "Wir haben nichts Schlechtes getan." Der Kaiser drängt zurück in die Öffentlichkeit.

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Franz Beckenbauer äußerte sich bei seinem Haussender «Sky» zur WM-Affäre. Foto: Andreas Gebert

Frankfurt/Main. Franz Beckenbauer ist sich sicher: "Wenn da schwarze Kassen gewesen wären oder Bestechungsversuche gewesen wären, das hätte ich mitbekommen."

Zwei Tage nach seinem großen Interview in der "Süddeutschen Zeitung" hat sich der Kaiser nun auch noch einmal bei seinem Haussender Sky zu der Affäre um die WM 2006 geäußert. Der Tenor war erneut: Ich weiß nicht, wohin die ominösen Gelder damals geflossen sind. Ich habe alles Mögliche unterschrieben, ohne genau zu wissen, was da drinstand. Aber die WM war auf keinen Fall gekauft. "Wir haben nichts Schlechtes getan", betonte er.

Mehr als fünf Wochen nach dem Aufkommen des Skandals um nach wie vor ungeklärte Geldflüsse vor der WM im eigenen Land wird aber zumindest so etwas wie eine Strategie der großen Schlüsselfigur Beckenbauer sichtbar. Ein, zwei Interviews sollen ihm die Deutungshoheit über den Fall zurückbringen, danach sagt der 70-Jährige noch einmal vor den Ermittlern der Kanzlei Freshfields aus, die der Deutsche Fußball-Bund mit der Untersuchung der Affäre beauftragt hat.

Am Ende steht die Rückkehr in die Normalität bzw. Öffentlichkeit. Am Dienstagabend war Beckenbauer zum ersten Mal wieder als Sky-Experte bei einem Champions-League-Spieltag im Einsatz - und wurde beim Betreten des Studios von den Zuschauern mit langem Applaus begrüßt. "Ich freue mich, dass ich endlich einmal wieder hier bin und mit vernünftigen Menschen über Fußball sprechen kann", sagte Beckenbauer. Am Mittwoch soll er in München mit Boris Becker und Christian Neureuther ein Zentrum für Sportmedizin im Isar-Klinikum eröffnen.

Gegenüber Sky zeichnete der Chef des damaligen WM-Organisationskomitees noch einmal das Bild eines Vorgesetzten, der alles unterschreibt, was Vertraute ihm vorlegen. "Das offizielle Bewerbungspapier für die WM, das Bid-Buch an die FIFA, umfasste 1212 Seiten. Ich kann Ihnen sagen: Ich habe keine einzige davon gelesen. Ich habe das nur getragen, das war schwer genug", meinte er.

Neu war in dem am Montagabend ausgestrahlten Interview höchstens der Versuch, die WM-Bewerbung in den Kontext einer angeblich "völlig anderen Zeit" einzuordnen. "Heute gibt es andere Maßstäbe", sagte Beckenbauer. "Es gab damals noch keine Ethikkommission. Man hat damals noch die Mitglieder des Exekutivkomitees direkt kontaktieren können", meinte er. "Es war die Zeit von 1998 bis 2000. Es war kein Geld da. Die Verbände und Vereine mussten mit dem Nötigsten auskommen. Heute ist das anders. Da gibt es andere Fernsehverträge, auch die Sponsoren- und Ausrüsterverträge sind gestiegen."

Beckenbauer erzählte das, weil die ominösen 6,7 Millionen Euro seiner Schilderung nach "einzig und allein dafür da waren, um die 250 Millionen Schweizer Franken Finanzzuschuss von der FIFA zu bekommen. Um die Weltmeisterschaft überhaupt ausrichten zu können".

Die 6,7 Millionen stehen im Zentrum der gesamten Affäre. Der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwies sie im Auftrag der deutschen WM-Macher an die FIFA - und erhielt sie 2005 bewusst falsch deklariert vom Organisationskomitee zurück.

Dass das Geld nur der Sicherung des Finanzzuschusses galt, ist die Version von Beckenbauer und dem zurückgetretenen DFB-Chef Wolfgang Niersbach. "Spiegel"-Recherchen ließen gleich zu Beginn der WM-Affäre darauf schließen, dass damit womöglich vier Stimmen aus Asien für den WM-Zuschlag gekauft wurden. Eine weitere Theorie ist, dass mit den 6,7 Millionen Euro eine schwarze Kasse beim Weltverband FIFA gefüllt wurde. "Ich habe sie nicht überwiesen. Ich weiß nicht, an wen sie geflossen sind", sagte Beckenbauer. "Aber ich gehe mal davon aus, dass sie an die Finanzkommission der FIFA geflossen sind, weil es ja eine Forderung der Finanzkommission war. Eine schwarze Kasse der FIFA - das weiß ich nicht, aber das kann ich mir nicht vorstellen."

Nach den Interviews von "SZ" und Sky ergibt sich das Bild eines WM-OK-Chefs, der nicht mehr genau weiß oder wissen will, was er damals alles unterschrieben hat. Der aber nach eigenen Angaben bereit war, alles dafür zu tun, um diese WM nach Deutschland zu holen. Und der sich dafür auch wie selbstverständlich mit einem offensichtlich korrupten System des Gebens und Nehmens eingelassen hat, das rund um die Vergabe von Weltmeisterschaften existiert.

Wenn Beckenbauer nun noch einmal vor den Freshfields-Ermittlern aussagt, dann geht es im Kern um den von ihm unterschriebenen Vertragsentwurf mit dem inzwischen lebenslang gesperrten FIFA- Funktionär Jack Warner. Dieser Vertrag ist in den Archiven des DFB aufgetaucht und auf den 2. Juli 2000 datiert - genau vier Tage vor der Entscheidung über die Vergabe der WM 2006. Er sei "über einige Stunden" befragt worden, sagte Beckenbauer am Dienstagabend, ohne auf inhaltliche Details einzugehen. "Ich habe die Fragen alle beantwortet und meine Schuldigkeit getan", sagte er.

"Es gibt kein Papier Jack Warner/Beckenbauer. Sondern es gibt eine Vereinbarung zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und dem Verband CONCACAF für die Karibik, Mittelamerika und Nordamerika", hatte Beckenbauer schon zuvor erklärt. Das einzige, was ihn daran störe, sei das Datum. "Da könnte man den Verdacht einer Bestechung oder des Stimmenkaufs vielleicht annehmen. Aber das war nicht so. Jack Warner wurde zu unserem Freund - aber erst später. Damals hat er uns klipp und klar gesagt: Ihr kriegt meine Stimme nicht."

Beckenbauer hat nach eigenen Angaben "ein reines Gewissen". Er sagt aber auch: "Es kann sein, dass noch irgendein Zauberer was heraus zaubert aus einem Papierkorb oder aus einem Safe oder aus einem Aktenschrank, ich weiß es nicht. Aber ich glaube, langsam reicht's."

dpa

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