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Bob-Cheftrainer Langen verlässt deutschen Verband

Bob Bob-Cheftrainer Langen verlässt deutschen Verband

Die Ära von Christoph Langen im deutschen Bobsport ist vorbei. Trotz WM- und EM-Titeln seiner Schützlinge bleibt das medaillenlose Abschneiden in Sotschi als Olympia-Bilanz hängen.

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Christoph Langen verlässt den Bob- und Schlittenverband für Deutschland und geht in die Schweiz.

Quelle: Tobias Hase

Berchtesgaden. Olympiasieger Christoph Langen tritt nach internen Querelen überraschend als Cheftrainer der Bobfahrer ab. "Leider hatte er nicht überall so viel Rückendeckung", sagte Top-Funktionär Thomas Schwab der Deutschen Presse-Agentur.

Der Generalsekretär und Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) kündigte an, den Nachfolger bei der bis zum 6. April laufenden Trainerrats-Sitzung in Berchtesgaden finden zu wollen. Als neuer Chefcoach wird nach dpa-Informationen Rene Spies gehandelt. Der 42-Jährige hat bereits seit 2012 als Bundestrainer an Langens Seite gearbeitet.

Langen war in der vergangenen Woche als Berufssoldat in Pension gegangen. Er war von der Bundeswehr freigestellt und vom Verband teilweise finanziert worden. Nun hätte er vom BSD voll bezahlt werden müssen. "An finanziellen Dingen ist es nicht gescheitert. Zwischen BSD und Christoph passt nicht viel dazwischen, er hat enorm viel für den Verband geleistet", betonte Schwab. Die fehlende Unterstützung habe sich aber "auch auf seinen Gesundheitszustand ausgewirkt". Langen wird künftig als Nachwuchstrainer in der Schweiz arbeiten.

Damit wird der 54-Jährige auch die Schmach von Sotschi nicht tilgen können. In elf Monaten steigt in der Olympia-Stadt von 2014 die Bob-WM. Langen setzte vor allem der Dauerstreit mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin (FES) zu sehr zu. Laut Schwab hatte sich die Situation wieder zugespitzt, die FES drohte sogar mit einem Ausstieg aus der Bobentwicklung und forderte eine Rückkehr von Matthias Höpfner - Leiter der AG Technik - ins Weltcup-Team.

Sturkopf Langen, der früher seine Bobs selbst baute, und gegen seinen Oberhofer Dauerrivalen André Lange praktisch auch gegen die FES schraubte, nutzte die Partnerschaft mit der staatlich geförderten Materialschmiede nicht optimal aus. Vor allem mit FES-Cheftechniker Michael Nitsch lag er nie auf einer Wellenlänge.

"Einen Diplomaten werden wir aus Christoph nicht mehr machen", sagte Schwab, der oft genug für seinen ehrgeizigen Cheftrainer den Kopf hinhalten musste. Auch bei der mit zwei WM-Titeln und zwei Silbermedaillen sehr erfolgreichen WM in Innsbruck/Igls im Februar kritisierte Langen öffentlich die Materialprobleme - trotz eines eigens eingeführten Ethik-Codes.

Zudem prophezeite Langen ein erneutes Debakel bei der WM 2017 in Sotschi. "Wenn wir uns materialtechnisch bis dahin nicht weiter entwickeln, dann fürchte ich, dass sie dort bessere Tendenzen haben als wir", meinte er und verwies auf die seiner Meinung nach schnelleren Schlitten der US-Amerikaner, der Russen, der Schweizer, des Österreichers Benjamin Maier und des Südkoreaners Yunjong Won.

Langen hat viel erreicht seit 2010. Er gilt als Frauen-Versteher, einte sogar die oftmals zickig untereinander agierenden Bobpilotinnen um Turin-Olympiasiegerin Sandra Kiriasis. Zudem führte er die bislang startschwachen Frauen durch gezieltes Training bis zum WM-Sieg von Anja Schneiderheinze/Annika Drazek und schaffte den Generationswechsel. Auch bei den Männern sorgte er mit klugen und teamübergreifenden Anschieber-Rotationen für ein neues Wir-Gefühl und eine unberechenbare Breite an deutschen Siegfahrern um Weltmeister Francesco Friedrich und Gesamtweltcupsieger Maximilian Arndt.

dpa

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