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Brandenburger prägen das Handball-Märchen

Handball-EM in Polen Brandenburger prägen das Handball-Märchen

Tobias Reichmann, Fabian Wiede und Co-Trainer Alexander Haase haben entscheidenden Anteil am bisherigen Erfolg der deutschen Handballer bei der EM in Polen. Die drei Brandenburger prägen das Handball-Märchen: Reichmann ist der beste Werfer des Teams, Wiede absoluter Stammspieler und Haase der akribische Analytiker hinter Dagur Sigurdsson.

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Fabian Wiede aus Bad Belzig warf bislang 17 Tore bei der EM.

Quelle: dpa

Potsdam. Die deutschen Handballer schreiben derzeit bei der Europameisterschaft in Polen ein Märchen. Am Mittwoch zog das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson durch einen 25:23-Sieg gegen Topfavorit Dänemark ins Halbfinale ein. Mittendrin: Drei Brandenburger, die einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Nationalmannschaft haben.

Tobias Reichmann, Rangsdorf

„Mister Siebenmeter“ bei der deutschen Nationalmannschaft. Der Rechtsaußen verwandelte 19 von 20 Siebenmetern – eine Weltklasse-Quote. „Ich bin selbst überrascht, wie gut das hier bei der EM funktioniert“, sagt Reichmann, der in Berlin geboren wurde, in Rangsdorf (Teltow-Fläming) aufwuchs und die Cottbuser Sportschule besuchte. Beim polnischen Meister KS Kielce hat er seit eineinhalb Jahren keinen einzigen Siebenmeter geworfen, durch die Verletzung von Kapitän Uwe Gensheimer ist er die Nummer eins beim Siebenmeter.

Tobias Reichmann verwandelte 19 von 20 Siebenmetern – eine Weltklasse-Quote

Tobias Reichmann verwandelte 19 von 20 Siebenmetern – eine Weltklasse-Quote.

Quelle: DPA

Seinen wohl bislang wichtigsten verwandelte er beim Stand von 23:23 im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Dänemark am Mittwoch. „Ich habe keine Ahnung, wie es zu dem Zeitpunkt stand. Ich bin an diesen Siebenmeter so rangegangen wie an jeden anderen auch. Ich bin einfach nur glücklich, dass der reingegangen ist“, sagt er.

Reichmann, der mit dem THW Kiel sowohl deutscher Meister als auch Champions-League-Sieger wurde, ist mit 33 Toren mit Abstand der beste Werfer des deutschen Teams. „Tobias ist ein Weltklasse-Spieler. Ich kenne niemanden in der Handballwelt, der so hoch springen kann“, sagt DHB-Teammanager Oliver Roggisch über Reichmann. Sowohl gegen Schweden (9 Tore) als auch gegen Slowenien (5) war Reichmann bester DHB-Torschütze.

Fabian Wiede, Bad Belzig

Nicht minder torgefährlich ist bei dieser EM auch Fabian Wiede. Der 21-Jährige von Bundesligist Füchse Berlin warf gegen Dänemark seine Turniertore 13 bis 17, darunter der letzte Treffer zum 25:23-Endstand. „Beide machen ihre Sache hervorragend, glänzen als Vollstrecker, sind aber auch insgesamt wichtige Eckpfeiler des Teams. Beide spielen eine ganz starke EM“, sagt Nationalmannschafts-Co-Trainer Alexander Haase über die beiden Brandenburger.

Der rechte Rückraumspieler hatte bislang knapp dreieinhalb Stunden Einsatzzeit und gehört bei seinem ersten großen Turnier gleich zu den Stammspielern der DHB-Auswahl. Gegen Ungarn war Wiede (6) bester Werfer des deutschen Teams – damit waren in drei von sechs Spielen Wiede oder Reichmann am häufigsten erfolgreich.

Alexander Haase, Potsdam

Der akribische Analytiker hinter Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Haase ist schon längere Zeit ein enger Vertrauter des Isländers, bis 2013 war er bereits Sigurdssons Co-Trainer bei den Füchsen Berlin. Kurz vor der Weltmeisterschaft in Katar 2015 wurde Haase, gemeinsam mit Axel Kromer, Co-Trainer der Nationalmannschaft. Beim Sieg gegen Schweden überzeugten beide Sigurdsson von einem Taktik-Wechsel – mit Erfolg. Und schon vor dem Dänemark-Spiel kündigte der Potsdamer an, dass sie einen speziellen Plan ausgetüftelt haben. „Der stetige Wechsel des Abwehrsystems war ein Teil davon. Wir wussten, dass wir unsere Chance bekommen werden. Wir wollten dann einfach bereit sein. Und das waren wir“, sagt der 39-Jährige.

Alexander Haase (l) ist seit Ende 2014 Co-Trainer von Bundestrainer Dagur Sigurdsson

Alexander Haase (l.) ist seit Ende 2014 Co-Trainer von Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Quelle: Felix Koenig

Norwegen, am heutigen Freitag (18.30 Uhr, ZDF) Gegner im Halbfinale, hat er auf dem Zettel. „Norwegen spielt ein überragendes Turnier, hat Polen, Frankreich und Kroatien geschlagen. Sie haben einen ähnlichen Lauf wie wir. Wir glauben aber auch hier an unsere Chance“, erklärt Haase, der auch sportlicher Leiter des Drittligisten 1. VfL Potsdam ist. Haase: „Der Hunger ist noch nicht gestillt.“

Bundesliga: Jugendkonzept Grund für Aufschwung bei EM

Der Liga-Verband der Handball-Bundesliga (HBL) sieht nach dem überraschenden Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins EM-Halbfinale das Jugendkonzept als einen der wichtigsten Gründe für den Erfolg.

„Wir müssen der Bundesliga ein Kompliment machen, was da in den vergangenen Jahren passiert ist. Das Jugendkonzept wirkt sich aus. Es ist zwar noch fragil, bringt aber eine Vielzahl an Talenten hervor“, sagte HBL-Präsident Uwe Schwenker am Donnerstag.

Großen Anteil am Erfolg wird dem Aufbau der Leistungszentren bei den Spitzenvereinen zugeschrieben. Derzeit gibt es 16 davon.

Nach dem bisherigen Erfolg haben die deutschen Handballer bei der EM in Polen zwei neue Ziele.

Mit einer Medaille wäre auch die direkte Qualifikation für die WM 2017 in Frankreich gesichert. Damit würde die deutsche Mannschaft die Playoffs zwischen dem 10. und 16. Juni umgehen.

Sollte Deutschland sogar den Titel holen, wäre das Team bei den Olympischen Spielen im Rio dabei. Nach derzeitigem Stand muss die DHB-Auswahl noch ein Qualifikations-Turnier bestreiten.

Von Stephan Henke

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