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Bundesstützpunkt Schwimmen in Potsdam gescheitert

Kritik an Personalentscheidungen Bundesstützpunkt Schwimmen in Potsdam gescheitert

Überraschende Wende: Der Bundesstützpunkt Schwimmen in Potsdam ist gescheitert. Der Landesschwimmverband Brandenburg hat nach MAZ-Informationen das Angebot des Deutschen Schwimmverbandes abgelehnt. Die Brandenburger sind mit Personalentscheidungen nicht einverstanden. Beim DSV herrscht darüber Unverständnis.

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Quelle: imago

Potsdam. Das schlägt Wellen. Der Landesschwimmverband Brandenburg (LSV) hat am Mittwoch das Angebot des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), in Potsdam einen Bundesstützpunkt mit dem Bundesstützpunkttrainer Jörg Hoffmann zu installieren, abgelehnt. Sylvia Madeja, die Präsidentin des Landesschwimmverbandes Brandenburg, begründet das in einem der MAZ vorliegenden Schreiben: „In nicht zu akzeptierender Weise wird versucht, Personalentscheidungen ausschließlich durch den DSV zu treffen. Damit erklären sich der Landesschwimmverband Brandenburg, der Olympiastützpunkt Brandenburg und weitere Partner nicht einverstanden. Insofern kann den vorliegenden Papieren des DSV aktuell nicht zugestimmt werden.“

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Personalentscheidungen sollen einvernehmlich getroffen werden

Weiter heißt es: „Im Land Brandenburg wird eine klare Regelung hinsichtlich der Richtlinienkompetenz an den Bundesstützpunkten für zwingend erforderlich gehalten. Eine erfolgreiche Umsetzung ist allerdings nur möglich, wenn sich der Spitzenverband und der Landesverband hinsichtlich der Personalentscheidungen partnerschaftlich und einvernehmlich verständigen. Alle Partner im Land Brandenburg bedauern, dass der Chefbundestrainer Henning Lambertz gegenwärtig dazu noch nicht bereit ist. Das MBJS hat sich in dieser Angelegenheit, nach mehreren Gesprächen mit den verantwortlichen Vertretern des DSV, schriftlich am 15.02.2017, an die Präsidentin des DSV gewandt.“

Unverständnis beim DSV

Auf einer Welle

Auf einer Welle: Jörg Hoffmann (l.) und Henning Lambertz.

Quelle: imago

Lambertz hatte bis zum 29. März eine Frist für die Kooperationspartner gesetzt. Er hatte gegenüber der MATZ unmissverständlich erklärt: „Den Bundesstützpunkt Schwimmen in Potsdam wird es nur mit dem Bundesstützpunkttrainer Jörg Hoffmann geben oder gar nicht.“ Lambertz betont: „Das ist mir an den anderen Bundesstützpunkten in Essen, Heidelberg, Hamburg und Berlin nicht passiert. Überall war man froh, dass der DSV einen geeigneten Kandidaten gefunden hat. Nur in Brandenburg, wo der Kandidat noch dazu aus den eigenen Reihen kommt, werden Forderungen gestellt.“ Immerhin geht es bei einem Bundesstützpunkt um eine jährliche Förderung des Bundes um 300.000 Euro inklusive zehn Trainerstellen.

Madeja kritisiert die Vorgehensweise des DSV

Sylvia Madeja stellt dazu klar: „Die Trainer werden schon jetzt vom Land Brandenburg bezahlt.“ Dabei handelt es sich um vier Lehrertrainer, vier Landestrainer, einen Projekttrainer, außerdem beteiligt sich das Land zu 50 Prozent an der Finanzierung von Stützpunkttrainer Hoffmann. Die seit 2013 amtierende LSV-Präsidentin sagt: „Wir lassen uns als Landesverband nicht vom DSV erpressen. Ich gehe nicht davon aus, dass der Bundesstützpunkt Potsdam damit hundertprozentig ins Wasser gefallen ist. Ich hoffe weiter auf eine Lösung.“ Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird erst Anfang Juli mit dem Bundesinnenministerium über die Anerkennung als Bundesstützpunkt entscheiden.

Auf die Frage, was sie gegen den möglichen Bundesstützpunkttrainer Jörg Hoffmann habe, antwortete Sylvia Madeja: „Ich habe nichts gegen Jörg Hoffmann, aber gegen die Vorgehensweise des DSV.“ Karl-Hans Pezold, Referatsleiter beim Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg (MBJS), sagt: „Ich bedaure, dass die angestrebte Mediation zwischen DSV und Landesverband nicht zustande kam. Der DSV kann nicht einfach über die Köpfe der gewählten Vertreter des Landesverbandes hinweg entscheiden.“

Misstrauensvotum bereits gestellt

Im LSV-Präsidium fiel die Entscheidung nicht einstimmig. Vizepräsident Andreas Ehrl hatte sich für Hoffmann ausgesprochen. Auch Andreas Gerlach, Vorstandsvorsitzender im Landessportbund, bekräftigt: „Ich bedaure sehr, dass sich DSV und LSV nicht einigen konnten. Ich halte Jörg Hoffmann für den geeigneten Bundesstützpunkttrainer. Seine Kompetenz ist allgemein anerkannt. Die Diskussion weitet sich zu einem erheblichen Imageschaden für das Land Brandenburg aus.“ Merkwürdig auch, dass sich Madeja in ihrem Schreiben auf den Olympiastützpunkt Brandenburg beruft, dessen Leiter Wilfried Lausch aber vorige Woche gegenüber der MAZ geäußert hatte: „Wer Bundesstützpunkttrainer wird, habe ich nicht zu entscheiden. Wenn sich der DSV festgelegt hat, dann ist es so.“

Michael Prenz, Vorsitzender des knapp 1000 Mitglieder starken 1. Potsdamer Schwimmvereins, stellt mit dem Vereinsvorstand den Antrag für ein Misstrauensvotum gegen Sylvia Madeja und LSV-Vizepräsident Norbert Warnatzsch und fordert deren Abwahl auf einem außerordentlichen Verbandstag.

Auch der 47 Jahre alte Ex-Weltmeister Hoffmann ist enttäuscht: „Hier wird 25 Jahre Arbeit der Leute, auch vieler Ehrenamtler, für den Schwimmsport in Potsdam in den Dreck gezogen. Die Chance Bundesstützpunkt bekommen wir nicht noch mal.“

Von Peter Stein

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