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Champion in der Warteschleife

Jennifer Zietz über ihre Rückkehr zu Turbine Potsdam Champion in der Warteschleife

Jennifer Zietz hat sich nach der schweren Kreuzbandverletzung im rechten Knie in die Mannschaft von Turbine Potsdam zurückgekämpft. Vor dem Achtelfinal-Hinspiel am Sonntag in der Champions League gegen Olympique Lyon spricht sie über den schweren Weg zurück.

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Jennifer Zietz hat mit Turbine Potsdam schon die Champions League gewonnen.

Quelle: dpa

Potsdam. Der Blick von Jennifer Zietz verrät Enttäuschung. Doch die Spielerin des 1. FFC Turbine Potsdam will sich nichts anmerken lassen und versucht, die positiven Erlebnisse der letzten Monate in den Vordergrund zu rücken. "Es ist ein schönes Gefühl, wenn du weißt, dass du zurück in der Mannschaft bist", sagt Zietz vor dem Achtelfinal-Hinspiel am Sonntag in der Champions League gegen Olympique Lyon (16 Uhr). Sie nippt an ihrem Kaffee. "Alle haben in der Vorbereitung gejammert, weil das Training so hart war. Ich war froh, dass ich wieder bei meinem Team sein konnte."

Das Urgestein hat sich nach der schweren Kreuzbandverletzung im rechten Knie zurückgekämpft. Nach einem langen Leidensweg. Nicht alle hätten ihr diese Ausdauer zugetraut. Fast ein Jahr lang musste Zietz, die schon seit 1998 bei Turbine spielt, einsam im Kraftraum für die Rückkehr klotzen. "Die Zeit nach der Operation war sehr hart. Wenn du in der Reha zurückgeworfen wirst und dadurch auch mal einen Schritt zurück statt nach vorn gehen musst, dann ist es schwer, stark zu bleiben." Die Familie gab ihr aber Kraft. Doch Zietz stellt auch klar: "An bestimmten Tagen stehst du da, und fragst dich, warum machst du das alles. Wenn du verletzt bist, sagen alle, du bist nicht allein. Doch: Du bist allein. Du musst dich allein wieder zurückkämpfen."

Jennifer Zietz hat versucht, so schnell wie möglich wieder auf dem Platz zu stehen. Denn sie lebt Turbine wie keine andere. Jahrelang trug die 30 Jahre alte Defensivspezialistin die Kapitänsbinde, führte die "Torbienen" 2010 sogar zum Gewinn der Champions League und gewann fünf Jahre zuvor mit dem Team den Uefa-Cup. Die Studentin für Sportwissenschaften, die im nächsten Sommer den Abschluss machen möchte, sicherte sich sechsmal die Meisterschaft und dreimal den DFB-Pokal. Zietz räumte mit Potsdam ab, was abzuräumen war.

Seit dieser Saison ist Zietz wieder zurück. "Ich freue mich besonders auf die Begegnungen zu Hause im Karl-Liebknecht-Stadion. Wenn uns die Fans bei großen Spielen tragen", so "Jenny". Die Vorfreude auf das Prestigeduell gegen die Französinnen ist groß. "Lyon wird nicht auf einzelne Spielerinnen treffen, sondern auf eine blaue Wand", sagt die 15-fache deutsche Nationalspielerin. "Lyon ist sehr gut besetzt. Das weiß jeder, der etwas vom Frauenfußball versteht. Wir können nur über unsere mannschaftliche Geschlossenheit kommen. Vielleicht kennt man unsere Namen nicht. Das hat aber nichts zu heißen." An einem Tag sei alles möglich. "Wir müssen über eine Stufe treten und sagen: Ich will. Dann klappt’s." Das wird Zietz ihren Teamkolleginnen auch noch einmal sagen. Denn sie weiß, wie es sich anfühlt, die Krone Europas aufgesetzt zu bekommen. "Wenn uns bewusst ist, wie stark wir sind, wenn wir zusammenspielen, dann tritt Lyon gegen eine Mauer. Wenn jeder das abruft, was ihn auszeichnet, dann können wir Lyon ärgern."

Ob Turbine-Trainer Bernd Schröder sie am Sonntag in die Anfangsformation beruft, will Zietz nicht voraussagen. "Vom Gefühl her, eher nicht. Dass ich damit nicht zufrieden bin, brauche ich wohl nicht zu sagen. Ich möchte spielen." Eine Sonderstellung wolle sie aber nicht. "Fußball ist ein Mannschaftssport. Individuelle Situationen spielen keine Rolle. Wer mich kennt, der weiß, dass man sich immer auf mich verlassen kann." Die Zeit im Turbine-Trikot sei noch nicht vorbei. "Ich bin nicht zu alt", sagt die gebürtige Rostockerin, deren Vertrag im Sommer ausläuft. "Ich fühle mich fit und gesund. Das Knie hält. Ich will noch zwei, drei Jahre spielen."

Die Europameisterin von 2009 will der Mannschaft auch mit Ratschlägen zur Seite stehen. Nicht selten kommen die jungen Spielerinnen zu ihr und fragen nach ihrer Meinung. "Ich stehe morgens noch auf und habe gute Laune, wenn ich ins Training gehe. Dann weiß ich, dass ich bei der Mannschaft sein kann." Und nur das zählt für Zietz. Gerade nach den qualvollen Monaten allein.

Von Sebastian Morgner

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