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DOSB will tiefgreifende Leistungssportreform

Sportpolitik DOSB will tiefgreifende Leistungssportreform

Seit einem Jahr wird emsig an der Leistungssportreform gearbeitet, mit der der Abwärtstrend bei Olympischen Spielen gestoppt werden soll. DOSB-Sportchef Schimmelpfennig spricht von einem "wirklichen Wurf". Zunächst will man aber in Rio nicht weiter abstürzen.

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Dirk Schimmelpfennig ist Vorstand Leistungssport im DOSB.

Quelle: Bernd Thissen

Düsseldorf. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Bundesinnenministerium arbeiten seit einem Jahr intensiv an einem Konzept, mit dem die Rückkehr in die Weltspitze gelingt. Präsentiert wird das Reformwerk im vierten Quartal des Jahres.

Erst soll der Abwärtstrend bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gestoppt, danach mit der Leistungssportreform die Trendwende geschafft werden. "Viele nehmen es so wahr, dass jetzt die Chance besteht, einen großen Schritt zu tun", sagte Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport im DOSB, der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn der DOSB-Präsident und der Bundesinnenminister so eine Reform initiieren, erwartet man, dass es einen wirklichen Wurf und eine große Veränderung gibt."

Schließlich ist die olympische Erfolgsbilanz des deutschen Sports drastisch rückläufig. Seit den Sommerspielen 1992 hat sich die Zahl der gewonnenen Medaillen fast halbiert: In Barcelona holten die deutsche Athleten 82 Edelplaketten, 2012 in London waren es nur noch 44.

"Wir werden realistisch nach Rio gehen und wissen, dass unser Ziel sehr ehrgeizig ist, die Medaillenbilanz von London zu bestätigen oder bestenfalls zu verbessern", erklärte Schimmelpfennig. "Ich sehe die Wahrscheinlichkeit genauso groß, das Ziel zu erreichen wie es zu verpassen. Das muss man realistisch sagen."

Wie notwendig es ist, verkrustete Strukturen, veraltete Fördersysteme und überholte Trainings- und Personalkonzepte über Bord zu werfen, zeigten gerade die Fechter, die einst zu den Erfolgsgaranten zählten. 1988 steuerten sie sieben Medaillen zur Olympia-Bilanz bei, 1992 zweimal Gold und einmal Silber in den Mannschaftswettbewerben. Für Rio qualifizierte sich kein Team mehr, nur eine Handvoll Fechter hat noch eine Olympia-Startchance im Einzel.

"Viele, die über die Reform diskutieren, konzentrieren sich auf ihr ureigenes Segment und hoffen, dass entweder nichts passiert oder nur das umgesetzt wird, was den eigenen Vorstellungen entspricht", warnte DOSB-Chef Alfons Hörmann, manche Spitzenverbände könnten denken, es würde nur viel geredet. "Da wird es an zahlreichen Stellen zu Veränderungen kommen, die tiefgreifender sind. Es werden entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft sein."

Dabei werde man dem einen oder anderen Konflikt nicht aus dem Weg gehen. "Wenn ein Verband nicht willens und in der Lage ist, die dringend notwendigen Dinge mit uns gemeinsam umzusetzen, muss man an der einen oder anderen Stelle mal aktiv nachhelfen", ergänzte Hörmann. Man wolle gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen, wie sich Deutschland in der Weltspitze positionieren könne. "An einem leistungssportlichen Niedergang hat ja auch in den Fachverbänden keiner Interesse."

Eine hohe Priorität hat die Reform für Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der an jeder Sitzung des Lenkungsausschusses von BMI, DOSB und Spitzenverbänden teilnimmt. "Es war von Anfang an so vorgesehen, dass wir auch über die gemeinsame körperliche Präsenz und den geistigen Input demonstrieren, wie wichtig dieses strategische Thema ist", sagte Hörmann.

Dass die Wende mit der Reform nicht von einem auf den anderen Tag gelingen wird, ist auch ihm klar. "Wir wollen es so zügig wie möglich angehen, aber je tiefgreifender die Reformen sind, desto eher müssen wir vielleicht manche Themen noch bis 2017 oder 2018 laufen lassen", prognostizierte Hörmann. Es gehe nicht darum, "etwas aus dem Hut zu zaubern und mit der Brechstange umzusetzen", sondern die Reform auf ein vernünftiges und dauerhaft zukunftsträchtiges Gleis zu bringen.

dpa

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