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Das besondere Laufereignis über 100 Meilen

Mauerweglauf Das besondere Laufereignis über 100 Meilen

Am Sonnabend fällt um 6 Uhr morgens in Berlin der Startschuss für den 4. Mauerweglauf über 100 Meilen. Die 160,9 Kilometer führen auf dem ehemaligen „Todesstreifen“ entlang der früheren Grenze um Westberlin. Auch Brandenburger Läufer sind dabei.

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Horst Milde (l.) gibt den Startschuss und Organisator Hajo Palm

Quelle: .Foto: Verein

Berlin. Werner Hanke ist bereit. Wenn Berlins „Mister Marathon“ Horst Milde am Samstag um 6 Uhr im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin den Startschuss für den 4. Mauerweglauf gibt, ist der 64-Jährige aus Geltow (Potsdam-Mittelmark) unter dem Rekordfeld von 341 Einzelläufern, die die 100 Meilen (160,9 Kilometer) auf dem ehemaligen Postenweg der DDR-Grenzsoldaten um Westberlin bestreiten. Mit den Zweier-, Vierer- und Zehnerstaffeln werden es über 650 Sportler sein. Schirmherr ist der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann.

Stellvertretend für die mindestens 138 Menschen, die an der Grenze zwischen 1961 und 1989 ihr Leben ließen, erhalten die Finisher eine Medaille mit dem Konterfei von Marienetta Jirkowsky. Die damals 18-Jährige kam am 22. November 1980 bei einem Fluchtversuch zwischen Hohen Neuendorf und Berlin-Frohnau ums Leben. Sie wurde von Gewehrkugeln der DDR-Grenztruppen getroffen. Ihr Verlobter und ein gemeinsamer Freund überwanden unverletzt die Grenze.

Alle Teilnehmer erhalten mit den Startunterlagen auch kleine Kärtchen. Auf diesen kann jeder Läufer seine Gedanken oder einfach auch nur eine persönliche Botschaft hinterlassen. Die Kärtchen können dann bei km 24,5 – an der Gedenkstele für Marinetta Jirkowsky – abgegeben werden. Alle Botschaften werden auf einer Tafel gesammelt und später bei der Siegerehrung ausgestellt.

Horst Milde, der den Berlin-Marathon erfand und Ehrenmitglied der LG Mauerweg Berlin ist, zeigt sich fasziniert von der Idee der 100 Meilen auf dem früheren Grenzstreifen. Der 76-Jährige sagte: „Nichts ist wichtiger als die Erinnerung an die Vergangenheit. Von den jungen Menschen weiß ja kaum noch jemand, dass es hier mal eine Mauer gab. Insofern ist es eigentlich ein Muss, dass es diesen Lauf gibt. Und ich kann mir vorstellen, dass diese Veranstaltung weiter an Popularität gewinnen wird, auch wenn nicht jeder in der Lage sein wird, eine Distanz von 100 Meilen zu laufen.“

Neben deutschen Läufern gehen Aktive aus 25 Ländern, darunter Japaner und Inder, auf die Ultradistanz. Den Streckenrekord stellte im Vorjahr der Brite Mark Perkins in 13:06:52 Stunden auf.

An solche Rekorde denkt Werner Hanke, der von Lauffreunden seines Vereins LWV Potsdam-Nu-thetal auf dem Fahrrad begleitet wird, nicht. „Ich will die Distanz schaffen. Ob mir das in 24 Stunden gelingt, wird man sehen“, meinte Hanke. Er fühlt sich nach einem 100-km-Lauf auf dem Rennsteig in Thüringen und einem 24-Stunden-Lauf jedenfalls einigermaßen gut vorbereitet. Er ist das erste Mal beim Mauerweglauf dabei. „Die Ultradistanz ist natürlich sehr reizvoll“, sagte er und kann sich mit dem Gedenken an das Leid der deutschen Teilung identifizieren.

Von Peter Stein

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