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Der Davis Cup ist zurück in Berlin

Tennis Der Davis Cup ist zurück in Berlin

Erstmals seit 25 Jahren tritt die Tennis-Nationalmannschaft der Herren wieder im Grunewald an. Gegen Polen muss ein Sieg her, um in der Weltgruppe zu bleiben.

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Das deutsche Team (v.l.): Jan-Lennard Struff, Daniel Masur, Teamchef Michael Kohlmann, Florian Mayer und Daniel Brands.

Quelle: Imago

Berlin. Auf dem Center Court drängelten sich die Zuschauer. Tennis-Profi Hans-Jürgen Pohmann spielte nicht schlecht, doch der neun Jahre jüngere Björn Borg war noch ein bisschen besser. „Ich habe in vier Sätzen verloren“, erinnert sich Pohmann an ein Davis-Cup-Spiel in den 1970er Jahren auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß Berlin am Hundekehlesee. „Björn Borg überstrahlte alles“, sagt der 69-jährige Berliner Pohmann über den einstigen Weltranglistenersten aus Schweden.

Der Glanz von damals ist längst verblasst. Seit 25 Jahren fand auf der Anlage im Grunewald kein Davis-Cup-Spiel mehr statt. Doch von Freitag bis Sonntag kehrt der wichtigste Teamwettbewerb im Herrentennis nach Berlin zurück. Deutschland spielt gegen Polen und muss den ersten Abstieg aus der Davis-Cup-Weltgruppe der besten 16 Nationen seit 2003 verhindern.

Tradition pur

Das Stadion ist wohl der traditionsreichste Tennisplatz Deutschlands. Seit 1907 ist der LTTC Rot-Weiß dort beheimatet, einst gaben sich die Tennis-Weltstars die Ehre. „28 Mal war der Davis Cup dort zu Gast, das ist Weltrekord. Es ist wunderbar, dass die Tradition wieder da ist“, sagt Pohmann. 1996 war ein neues Stadion gebaut worden, das am Wochenende bis zu 4200 Zuschauer fasst. Die German Open der Damen waren der jährliche Höhepunkt. Bis 2008. Seitdem dümpelt das heutige Steffi-Graf-Stadion vor sich hin. Für den Davis Cup ist es aber aufpoliert worden. „Wir haben ein gut präpariertes Stadion, es ist absolut in Ordnung“, betont Pohmann, der für den Deutschen Tennis-Bund als Pressesprecher arbeitet. Als Profi hatte er es bis auf Platz 30 der Weltrangliste geschafft, gewann Grand-Prix-Turniere in Berlin und Düsseldorf. Im Doppel erreichte er sowohl in Wimbledon als auch in Paris das Halbfinale. Nach dem Karriereende wurde Pohmann Journalist. Bis zu seinem Ruhestand 2012 war er Sportchef des Rundfunks Berlin Brandenburg. Ausruhen will er sich aber nicht. „Das ist für mich eine wunderbare Aufgabe. Tennis und Medien zu verbinden macht mir Spaß.“

Viele Absagen

In seiner Funktion muss Pohmann auch die Streitigkeiten der vergangenen Wochen erklären und moderieren. Mehrere eingeladene Spieler hatten Kapitän Michael Kohlmann abgesagt. Philipp Kohlschreiber und das Top-Talent Alexander Zverev werben in Berlin auf Plakaten für das Davis-Cup-Spiel. Aufschlagen werden sie aber nicht. Kohlschreiber ist verletzt. Zverev hatte nach seinem Zweitrunden-Aus bei den US Open für die Partie abgesagt. Laut Deutschem Tennis Bund (DTB) passen dem 19 Jahre alten Hamburger der Wechsel von Hartplatz auf Sand und der Termin nicht in die Planung. Dustin Brown, der ältere Zverev-Bruder Mischa und Tobias Kamke haben ebenfalls abgesagt. Brown spielt stattdessen ein zweitklassiges Turnier in Stettin. Deshalb schmollt der DTB. Brown, Mischa Zverev und Kamke sollen 2017 nicht im Davis Cup berücksichtigt werden. Teamchef Michael Kohlmann ist dann weiterhin dabei, der 43-Jährige wird seinen Vertrag unabhängig vom Ausgang des Relegationsspiels für 2017 verlängern.

Hans-Jürgen Pohmann ist optimistisch, dass Deutschland trotz der personellen Querelen seiner Favoritenrolle gerecht wird. „Die Jungs konzentrieren sich nur auf das Spiel. Alles andere blenden sie sehr gut aus.“ Florian Mayer, der als Führungsspieler die Weichen auf Sieg stellen soll, sieht gute Chancen auf einen Verbleib in der Weltliga. „Ich werde versuchen, 100 Prozent zu geben und das Team mitzureißen. Motivieren muss man hier keinen. Jeder, der hier spielt, ist top vorbereitet“, sagt der 32-jährige Bayreuther. Das gilt auch für Hans-Jürgen Pohmann.

Von Ronny Müller

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