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Der Ruderverein Rheinsberg kann auf über 100-jährige Geschichte zurückblicken

MAZ-Serie: Mein Verein Der Ruderverein Rheinsberg kann auf über 100-jährige Geschichte zurückblicken

In der MAZ-Serie „Mein Verein“ stellen wir diesmal den Ruderverein Rheinsberg vor. Der Verein wurde bereits 1910 gegründet und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

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Das Revier des Vereins: ein Achter auf dem Grienericksee vor Schloss Rheinsberg.

Quelle: Foto: Verein

Rheinsberg. Um dieses Revier werden die Sportfreunde vom Ruderverein Rheinsberg 1910 (Ostpriginitz-Ruppin) von ihren Gästen immer beneidet. Am malerisch gelegenen Grienericksee vor der majestätischen Kulisse von Schloss Rheinsberg ab- und sich in die Riemen zu legen, das hat schon was. Deshalb beherbergt der Ruderverein auch immer wieder Gäste aus nah und fern. „Wir sind ein gastfreundlicher Verein“, erzählt der Vorsitzende Jens-Uwe Müller, der dieses Ehrenamt seit 2010 inne hat.

Das war ein besonderes Jahr, feierte doch der Verein sein 100-jähriges Jubiläum. In der Chronik ist historisch belegt, dass der Ruderklub Rheinsberg mit Erfolg an einer Regatta in Fürstenberg teilgenommen hat. Das Boot mit Namen „Sturmvogel“ war ein Doppelzweier mit Steuermann. Nach einem ersten Aufschwung in den 1920er Jahren kam das Vereinsleben im Zweiten Weltkrieg zum Erliegen, das gesamte Bootsmaterial ging verloren. In den 1960er Jahren wurde verstärkt der Nachwuchs gefördert in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Rau-Schule. Lehrer Eberhard Nusch, ein ehemaliger DDR-Meister, organisierte die Schulsportgemeinschaft. Ab 1970 hieß der Verein Dynamo Rheinsberg. Rund 100 Kinder und Jugendliche trainierten im Verein und nahmen mit Erfolg an Wettkämpfen wie Bezirksmeisterschaften oder Spartakiaden teil. Elke Steffen gehörte 1976 sogar zum Olympiakader.

1999 wurde ein neues Bootshaus eingeweiht

Nach der Wende wurde der alte Name Ruderverein Rheinsberg 1910 wiederbelebt, Eberhard Nusch wurde Vorsitzender. Die Existenzfrage stellte sich plötzlich, als der Verein 1997 sein Domizil auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerks wegen Rückübertragungsansprüchen räumen musste. Nusch und seine Mitstreiter verzagten nicht, fast in der Nachbarschaft fand sich ein neues Grundstück und bis 1999 wurde ein neues Bootshaus, ein Fertigteilbau, in Eigenregie errichtet. Da Rheinsberg 2005 seine gymnasiale Oberstufe verlor, fehlte der Nachwuchs. „Trotzdem kümmert sich der Verein weiter um die Kinder- und Jugendarbeit“, sagt Müller.

Der Vorsitzende, der im Boots- haus gleichzeitig als Hausmeister oder „Mädchen für alles“ fungiert, lobt die familiäre Atmosphäre, die sich auch in den Vereinsaktivitäten niederschlägt. Die Rheinsberger sind bei Regatten in ganz Deutschland aktiv, besonders im Wanderrudern. Zu den alljährlichen Höhepunkten zählen die Neujahrsfahrt, die Sonnenwendfeier oder das Hafenfest. Dort veranstalten die Rheinsberger auf einer 500 Meter langen Distanz direkt vor dem Schloss eine Kurzstreckenregatta.

Fernduell mit Lüdinghausen am Tag der Deutschen Einheit

Zu einer schönen Tradition hat sich das sogenannte 1000-Kilometer-Rudern entwickelt. Denn bereits am 3. Oktober 1990 wurde ein Partnerschaftsvertrag mit dem Ruderverein Lüdinghausen in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen. Seitdem findet alljährlich am Tag der Deutschen Einheit ein Fernwettkampf statt. „Dabei geht es darum“, so Müller, „dass jeder Verein möglichst viele Boote mobilisieren kann, die möglichst viele Kilometer zurücklegen. Diese werden am Ende addiert.“ Natürlich gebe es auch gegenseitige Besuche.

Beliebt bei den Rheinsbergern ist auch der Wettbewerb Hamburger Staffelrudern. Dabei wechseln sich zwei Boote auf einem 3,5 Kilometer langen Rundkurs ab. Sieger ist, wer dabei zwischen 10 und 19 Uhr die meisten Runden schafft. Weil die Hamburger Veranstalter gerade ein neues Bootshaus bauen, fand die Regatta heuer in Berlin statt.

Gäste sind immer willkommen

Weil bei den Rudersportlern von je her Geselligkeit und Kameradschaft gepflegt werden, bereichern diverse andere Events den Jahreskalender. Der Vereinsvorsitzende berichtet von Kegelabenden oder einem Ausflug zur Hanse-Sail nach Rostock. „Da haben wir uns einfach in eine Kogge eingemietet und sind mitgesegelt“, erzählt Müller, der sich ansonsten immer wieder über Gäste freut, die sich sogar einen Bungalow auf dem Vereinsgelände mieten und natürlich ein Ruderboot ausleihen können, um dann ein paar Runden über den Grienericksee zu drehen. Die wahrhaft majestätische Kulisse von Schloss Rheinsberg – einst residierte hier der Kronprinz Friedrich – hat ihre Anziehungskraft bis heute nicht verloren.

Von Peter Stein

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