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Die Kugelstoß-Ikone feiert mit Werner Günthör

Udo Beyer wird 60 Die Kugelstoß-Ikone feiert mit Werner Günthör

Einst waren sie Konkurrenten, seit langem sind sie Freunde. Wenn Potsdams Kugelstoß-Legende Udo Beyer am Sonntag den 60. Geburtstag feiert, kommt auch der Schweizer Werner Günthör zum Gratulieren.

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Der Mann mit der 7,25 Kilogramm schweren Eisenkugel: Udo Beyer.

Quelle: Fotos: Imago

Potsdam. „Lieber Udo, die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft ein Geheimnis, aber jeder Augenblick ist ein Geschenk. In sportlicher Hinsicht durften wir in der Vergangenheit gemeinsam viele aufregende und spannende Momente erleben. In der Zukunft pflegen und genießen wir in entspannter Atmosphäre die freundschaftlichen Begegnungen, sei es in Deutschland oder in der Schweiz. Und den Augenblick genießen wir am kommenden Sonntag an Deinem Geburtstagsfest.“ Mit diesem Geburtstagsgruß wendet sich Werner Günthör an seinen langjährigen Freund Udo Beyer. Die Potsdamer Kugelstoß-Legende, ohne Zweifel noch immer einer der populärsten Sportler hierzulande, wird am Sonntag 60 Jahre alt. „Uns Udo“ war beliebt wie kein zweiter DDR-Leichtathlet. Der Olympiasieger im Kugelstoßen von 1976 führte die Nationalmannschaft über ein Jahrzehnt lang als Kapitän. Noch heute wird er von den Menschen auf der Straße erkannt – und muss sich wie jüngst bei der Eröffnung einer Fotoausstellung zum „Walk of Fame“ des Potsdamer Sports in den Bahnhofspassagen von Passanten fragen lassen: „Essen Sie immer noch so viele Schnitzel?“

Gemeinsamer Aufritt im DDR-Fernsehen

Beyer, Inhaber eines Reisebüros und längst Opa, kann auf seine sympathische Art damit umgehen. Mehr als seine Erfolge beeindruckte auch Werner Günthör die menschliche Größe seines einstigen Konkurrenten. Der Schweizer, unter anderem dreimal in Folge Weltmeister im Kugelstoßen, sagt über den Beginn der Freundschaft in den 1980er Jahren: „Udo war mein Vorbild, weil er schon mit meinem damaligen Trainer Jean-Pierre Egger Wettkämpfe bestritten hatte. Wir haben uns auf Anhieb verstanden.“ Günthör war bekannt, dass es den DDR-Sportlern verboten war, mit Athleten aus dem Westen in Kontakt zu treten. „Ich habe das akzeptiert, wir handelten entsprechend vorsichtig. Aber während der Wettkämpfe konnten wir relativ ungestört plaudern.“ Günthör wurde dann auch der erste Sportler aus dem sogenannten kapitalistischen Ausland, der im DDR-Fernsehen auftrat, in einer Runde mit Beyer und dem Berliner Ulf Timmermann, der 1988 ebenfalls Olympiasieger im Kugelstoßen wurde. Während Topfavorit Günthör in Seoul noch Olympia-Bronze rettete, musste sich Beyer mit Rang vier begnügen. Danach trat der Major der Nationalen Volksarmee beim damaligen Armeesportklub (ASK) Potsdam zurück.

Udo Beyer ist Gast bei Günthörs Hochzeit

Ein Jahr später fiel die Mauer, Beyer hatte die Kugel wieder in die Hand genommen und versuchte sich am Comeback. Einer der ersten Anrufe nach dem Mauerfall kam von Günthör, der heute in Erlach im Kanton Bern am Bielersee wohnt und in Magglingen am Schweizer Bundesamt für Sport arbeitet. Beyers lockere Replik an den Eidgenossen: „Wenn du die Mauer noch sehen willst, musst du dich beeilen.“ Und Beyer konnte ohne das Stellen eines Reiseantrags seinen Freund bei dessen Hochzeit besuchen und damit eine schon bei Olympia 1988 ausgesprochene Einladung einlösen. Günthör erzählt: „Ich habe Udo damals gesagt: ’Wenn ich einmal heirate, möchte ich dich einladen.’ Die Geschichte war auf unserer Seite.“

Richtig rund machten die Kumpelei die Frauen Rosi (von Udo) und Nadja, die sich nach Beyers Urteil gleich super verstanden haben. „Unsere Frauen sind ja pflegeleicht. Ich habe nicht viele Freundschaften, weil man ja auch Zeit aufbringen muss, sie zu pflegen“, berichtet Günthör. „Aber für einen wie Udo habe ich immer die Zeit.“

Für den 54-jährigen Zwei-Meter-Mann, der noch immer seinem Hobby Eishockey frönt, bleiben in der Rückschau „die schönen Momente“ haften. Er meint: „Es ist aus heutiger Sicht nicht mehr wichtig, ob wir 20, 21 oder 22 Meter gestoßen haben. Die Emotionen bei den Wettkämpfen sind das Wichtigste. Mit Udo hatte ich immer meinen Spaß. Das wird ganz sicher auch am Sonntag zu seinem runden Geburtstag so sein.“

Von Peter Stein

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