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Die WM-Goldmedaille ist kein Ruhekissen

Rudern Die WM-Goldmedaille ist kein Ruhekissen

Endlich gibt es wieder einen Ruder-Weltmeister aus Potsdam. Hans Gruhne gewann in Frankreich im deutschen Doppelvierer WM-Gold. Der Schlagmann wurde am Montagmittag von seinem Verein RC Potsdam standesgemäß auf dem Flughafen Berlin-Tegel empfangen.

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Sekt für Gold: Weltmeister Hans Gruhne.

Quelle: Foto: Peter Stein

Berlin. Nun war für Hans das Glück vollkommen. Montagmittag bereitete der Ruderclub Potsdam seinem Weltmeister Hans Gruhne auf dem Flughafen Berlin-Tegel am Ausgang A10 einen kleinen Empfang mit einem Gläschen Sekt, vielen Glückwünschen und innigen Umarmungen. Der 27 Jahre alte Recke war sichtlich gerührt.

„Hans, das hast du super gemacht“, gratulierte Vereinsvorsitzender Burkhard Jungkamp. Und sein Stellvertreter Ronald Köpke, einst selbst Weltmeister, freute sich, dass Potsdam endlich wieder einen Ruder-Champion hat. Denn Gruhne gelang auf dem französischen Alpensee Lac le Aiguebelette im deutschen Doppelvierer ein historischer Erfolg. Er war damit nicht nur an der einzigen Goldmedaille des Deutschen Ruderverbandes (DRV) in den 14 olympischen Bootsklassen beteiligt. Gruhne sorgte für die erste WM-Goldmedaille, die er lässig aus der Hosentasche hervorholte, eines Potsdamer Ruderers seit 20 Jahren. 2011 war Steffi Schiller bei den Frauen letzte WM-Titelträgerin. Und für den erst im Herbst 2011 neu gegründeten RC Potsdam ist Gruhne ohnehin der erste Weltmeister in der Eliteklasse.

Die lange Durststrecke hat auch Gruhne mit durchschritten. Als Vizeweltmeister 2011 im Doppelzweier war er vor vier Jahren schon mal ganz dicht dran – nur sechs Hundertstelsekunden fehlten zum Gold. Daran erinnerte sich der Polizeimeister 48 Stunden nach der Goldsause und zwei ganz langen Partynächten noch einmal: „Das war für mich eine harte Zeit, als ich 2012 trotz guter Vorleistungen Olympia in London nur von der Tribüne aus verfolgen konnte. Das soll mir im nächsten Jahr nicht noch einmal passieren. Die Goldmedaille ist für mich kein Ruhekissen. Im Gegenteil, wir wissen, wir vier Jungs haben es drauf. Ich denke, jetzt habe auch ich die Bundestrainer überzeugt.“

Denn seine drei Skull-Kollegen aus dem Doppelvierer Karl Schulze (Berlin), Philipp Wende (Leipzig) und Lauritz Schoof (Rendsburg) haben schon 2012 Olympia-Gold gewonnen. Spezi Schulze, mit dem Gruhne auf dem Hohenzollernkanal in Berlin tagtäglich trainiert, meinte hinter einen dunklen Sonnenbrille vor den tiefen Augen süffisant: „Das mit dem Feiern muss Hans noch lernen.“

Pötzlich wurde Gruhne von einer jungen Frau umarmt und beglückwünscht. Es war Julia Fischer, WM-Fünfte im Diskuswerfen. Die Freundin von Olympiasieger Robert Harting war gerade auf dem Weg zum nächsten Meeting nach Zagreb. Sie hatte mit Gruhne die Ausbildung bei der Bundespolizei in Kienbaum absolviert. „Starke Leistung Hans“, meinte die Berlinerin, die das Rennen am Fernseher verfolgt hatte. Gruhne selbst konnte sich nicht mehr so ganz genau erinnern: „Zehn Minuten vor dem Start frischte plötzlich der Gegenwind auf. Aber wir wollten unbedingt Gold.“

Der Potsdamer freut sich nun erst mal auf daheim, will auch nicht in der Ferne urlauben und begründete das: „In den letzten drei Monaten war ich nur zwei Wochen zu Hause.“ Seine Jubelpose auf dem MAZ-Titelfoto vom Montag will er einrahmen und übers Bett hängen – als Motivation auf dem Weg zu Olympia 2016 nach Rio. Bereits in drei Wochen steht das erste Trainingslager auf Teneriffa an.

Von Peter Stein

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