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Duo Weber/Dietze auf Medaillenkurs

Kanu-WM Duo Weber/Dietze auf Medaillenkurs

Am Mittwoch beginnen in Mailand/Italien die Weltmeisterschaften im Kanu-Rennsport. Zu den acht Sportlern vom Kanu-Club Potsdam, die an der WM teilnehmen, gehört auch Franziska Weber. Die Olympiasiegerin bildet mit Tina Dietze das perfekte Paar im Kajak-Zweier über 500 Meter.

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Synchron zum Erfolg: die Olympiasiegerinnen Franziska Weber (l.) und Tina Dietze.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. So viel Harmonie war selten. Bei Franziska Weber und Tina Dietze gibt es keinen „Ehekrach“. Das Kanu-Paar sitzt seit mittlerweile zehn Jahren in einem Boot, dem K2. In dieser Klasse wurden sie 2012 in London über 500 Meter Olympiasiegerinnen und wollen bei den am Mittwoch beginnenden Weltmeisterschaften in Mailand erneut Erfolg. „Ohne eine Medaille nach Hause zu kommen, da wäre ich schon enttäuscht“, sagt Franziska Weber.

Da sie Tina Dietze im Sozius habe, könne ja nichts schiefgehen. „Wir passen zusammen wie Tick und Ei, wie Leit und Planke. Uns gibt es nur im Doppelpack. Selbst wenn ich im Trainingslager wie zuletzt in München mal allein unterwegs war, kam von den anderen Sportlern gleich die Frage, wo denn Tina sei. Wir verstehen uns blind, das gilt nicht nur auf dem Wasser, sondern auch privat“, erzählt Franziska Weber. Die 26 Jahre alte Studentin für Bauingenieurwesen vom Kanu-Club Potsdam kam mit der Leipzigerin am 13. Mai 2005 das erste Mal bei einer Junioren-Regatta in Ungarn zusammen. „Die Trainer haben uns damals in ein Boot gesetzt und das hat funktioniert“, so Weber, die sich das Datum wie einen Hochzeitstag fest eingeprägt hat.

Inzwischen haben beide eine lange Erfolgsstrecke zurückgelegt, holten neben dem Olympia-Gold vor drei Jahren ’zig WM- und EM-Medaillen. Der Erfolg hat sie zusammengeschweißt.

„In den zehn Jahren ist es eigentlich nie vorgekommen, dass wir mal in Streit geraten sind“, sagt Franziska Weber über dieselbe Wellenlänge. „Bei Unstimmigkeiten haben wir uns meist gleich ausgesprochen. Wenn eine mal grummelig ist, muss die andere nur schmunzeln, dann ist wieder alles okay.“ Selbst auf Nachfrage, ob es denn nicht diverse Marotten gebe, die die Partnerin ab und zu auf die Palme bringen, muss Franziska Weber Entwarnung geben: „Wir sind beide ziemlich normal.“

Bevor sie ins Boot steigen, stoßen ihre Fäuste kurz aneinander, wünschen sie sich Glück. Dann gibt Schlagfrau Weber den Takt vor, Tina Dietze zieht synchron mit und hat die Konkurrenz im Auge, um als „Kommandozentrale“, wie Weber es nennt, notfalls die Schlagfrequenz zu korrigieren. „Ich entscheide eher nach Bauchgefühl und wie das Boot so rutscht“, meint die Potsdamerin. Das ist tausendfach einstudiert, mit neuester Messtechnik optimiert.

Interessant: Während Weber die rechte Hand fest am Paddel hat und mit der linken dreht, ist es bei der ein Jahr älteren Sächsin genau umgekehrt. „Nachdem wir im Vorjahr mal nicht so oft zusammen gefahren sind, mussten wir in diesem Jahr noch mal an die Feinabstimmung gehen. Das ist alles kein Automatismus, auch wenn es so aussieht“, berichtet Weber vom „Fein-Tuning“ im Kajak.

Wenn sie aus dem schmalen Boot steigen, ist die Kommunikation nicht beendet. Beide haben ihre Freundschaft auf ihre jeweiligen Partner übertragen. „Unsere Männer verstehen sich ebenso ganz gut“, sagt Weber, die mit dem Ex-Kanuten Peter John liiert ist. Ihr Freund und ihre Mutter Marion werden auch in Mailand sein.

Die WM steht bereits ganz im Zeichen der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Denn es geht für die Kanuten um die Quotenplätze (mindestens Rang sechs) in den olympischen Disziplinen.

Deshalb liegt die Konzentration auch auf dem Vierer über 500 Meter, in dem Weber und Dietze gleichfalls Platz finden. „Da alle anderen Nationen das genauso handhaben werden, wird die Konkurrenz groß sein. Da wird uns nichts geschenkt“, erklärt Franziska Weber. Daher hofft die dreimalige Weltmeisterin auf faire Bedingungen und keine Windlotterie auf der Idroscalo-Regattastrecke bei Mailand: „Damit müssen wir Kanuten aber zurechtkommen, wir spielen nun mal kein Schach.“

Von Peter Stein

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