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Ein Stück mehr Wahrheit über Machtmensch Armstrong

Radsport Ein Stück mehr Wahrheit über Machtmensch Armstrong

Mit einer Lüge der Wahrheit ein Stück näher: Das ist die Intention von Filmemacher Alex Gibney, der seine Dokumentation "The Armstrong Lie" in die amerikanischen Kinos brachte.

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Lance Armstrong offenbart im Film eine dunkle Seite.

Quelle: Christophe Karaba

Boston. Der Oscar-prämierte Regisseur will mit dem Werk über Dopingsünder Lance Armstrong Einblicke hinter die Kulissen eines Narzisten geben, der für seinen Erfolg alles in Kauf nahm.

Dabei war alles anders geplant. Gibney wollte 2009 mit den Produzenten Matt Tolmach und Frank Marshall "The Road Back" (Der Weg zurück) drehen. Eine "feel good-story", wie er es nennt, über Armstrong, den tapferen Texaner, der erst den Krebs besiegte und anschließend zwischen 1999 und 2005 siebenmal die gesamte Konkurrenz bei der Tour de France. Und der 2009, drei Jahre nach seinem Rücktritt, ein Comeback wagte, um es allen Kritikern noch einmal zu zeigen.

"Es sollte ein Film über einen Mann werden, der mit seiner Geschichte vom Krebs-Überlebenden zum Toursieger viele inspiriert hat", sagt Gibney. Ihm sei bewusst gewesen, dass Armstrongs unbändiger Wille sicherlich auch eine dunkle Seite hatte, betont der 60-Jährige. "Aber ich dachte, dass diese dunkle Seite kleiner ist als die inspirierende. Doch letztlich war es genau andersherum." Aber zu dieser Erkenntnis kamen Gibney und Co. erst später, als sie von der Aktualität überrollt worden waren.

Zunächst genossen sie exklusiven Zugang zu Armstrong, hatten ein Budget von 3,5 Millionen Dollar, zehn Kameras - eine sogar am Rad von Armstrongs Teamkollege Jaroslaw Popowitsch. Als die Dokumentation 2011 fast fertig war, kam neues belastendes Material heraus. Unter anderem seine ehemaligen Weggefährten Tyler Hamilton und Floyd Landis hatten ausgesagt, dass Armstrong seine Toursiege unter Mithilfe verbotener Substanzen eingefahren habe. So entschied sich Gibney den Film neu aufzurollen. Aus "The Road Back" wurde "The Armstrong Lie". Eine Chronik über dessen hinterlistiges Auftreten, mit dem der Radstar versuchte, selbst die Film-Crew dazu zu verleiten, seine betrügerische Story zu glauben. "Wir waren dem Mythos verfallen", räumt Marshall ein.

Das aufschlussreiche Porträt zeigt nun den Narzisten Armstrong, wie er bislang nur von Leuten wie Betsy Andreu, Ehefrau seines Ex-Teamkollegen Frankie Andreu, beschrieben wurde. Armstrong räumt gleich zu Beginn ein, "eine riesige Lüge" gelebt zu haben, zugleich aber überzeugt davon gewesen zu sein, "niemals erwischt zu werden."

Gibney beschreibt Armstrong als "außergewöhnlich einfach, aber auch ungemein komplex. Gewinnen oder verlieren, leben oder sterben. Diese Alles-oder-Nichts-Ethik ist innerhalb des Sports bewundernswert, aber außerhalb einfach niederschlagend". Der Regisseur entschied sich dazu, selbst Teil der Dokumentation zu werden. Er will zeigen, wie jemand, der von Berufswegen skeptisch sein sollte, einer Legende verfallen kann. Er sei beeindruckt gewesen und zu einem Fan geworden, sagt Gibney.

Als er im Oktober 2012 mit der Überarbeitung des Films begann, hatte die amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA gerade umfangreiche Dokumente zu Armstrongs dunkler Vergangenheit veröffentlicht. Der in die Enge getriebene Texaner willigte daraufhin ein, Gibney die ganze Wahrheit zu erzählen. Doch schon bald, so Gibney, sei er "in Panik geraten". Armstrongs Dopingbeichte im Januar gegenüber Oprah Winfrey bezeichnet der Filmemacher als "Teil-Geständnis." Die ganze Wahrheit kann jedoch auch er Armstrong nicht entlocken. So bleibt ungeklärt, wann der Amerikaner mit dem Doping begann und ob er die Tour 2009 sauber gefahren ist oder gedopt, wie Testergebnisse belegen.

Armstrong hat bereits ausrichten lassen, dass er keine Intention habe, den Film zu sehen. Am 21. November muss er sich vor Gericht verantworten. Eine Versicherungsfirma klagt auf Rückzahlung von drei Millionen Dollar für erschummelte Erfolge aus der Vergangenheit. Und auch seitens der Staatsanwaltschaft droht Armstrong Ungemach. Die Untersuchungsbehörden betonen, dass er seine Dopingbeichte ohne Eid abgelegt und sie in keinen Kontext gestellt habe. "Armstrong hat noch nicht vollends dargestellt, wer ihm beim Dopen geholfen hat, wo die illegalen Mittel herkamen und wie es ihm möglich war, seine Aktivitäten so lange zu verschleiern", so die Anklage.

dpa

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