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Es brodelt beim SV Babelsberg 03

Enttäuschte Fans kritisieren Verein Es brodelt beim SV Babelsberg 03

Nachdem sich der SV Babelsberg 03 zunächst der scharfen Kritik der Nulldrei-Fans am Polizeieinsatz beim Finale des Landespokals anschloss und Fans und Verein vermeintlich Seite an Seite standen, sieht es jetzt, einige Tage und eine Presseerklärung später, etwas anders aus. Das Verhältnis zwischen einigen Fans und dem Vorstand scheint äußert gespannt.

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Die Polizei geht nach dem Schlusspfiff gegen Fans des SV Babelsberg 03 vor.

Quelle: Kuppert

Potsdam. Rund eine Woche nach dem Endspiel zwischen dem FSV 63 Luckenwalde und dem SV Babelsberg 03 um den brandenburgischen Landespokal, ist das Finale noch immer Gesprächsthema. Jedoch ist weniger das sportliche Geschehen das vorherrschende Thema, vielmehr stehen die schlimmen Szenen nach dem Abpfiff sowie die Bewertung der Eskalation im Zentrum der Diskussionen.

Bis Donnerstag machte es den Eindruck, dass Verein und Fans gemeinsam das Vorgehen der Polizei kritisieren, den größten Teil Schuld an der Eskalation bei den eingesetzten Beamten sehen und für die Aufklärung der Vorfälle sorgen wollen.

Nachdem der Verein am Donnerstag jedoch eine gemeinsam mit der Polizei, dem Fußballlandesverbandes und Luckenwalde eine Presseerklärung veröffentlichte, scheint es mit der Gemeinsamkeit vorbei zu sein bzw schwierig zu werden. In der Babelsberger Fanszene kocht es.

Was war passiert?

Kurz nachdem der SV Babelsberg 03 den FSV 63 Luckenwalde besiegt hatte, kam es am Spielfeldrand zu Auseinandersetzungen zwischen Nulldrei-Fans und der Polizei. Die Babelsberger Anhänger wollten auf dem Platz mit ihren Kickern feiern, die Polizei versuchte dies zu verhindern. Dabei kam es zu massivem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken seitens der Polizei. Einige Fans attackierten die Beamten wiederrum mit Fahnenstangen und bewarfen die Polizei mit Gegenständen. Die Situation schaukelte sich immer höher – und die Polizei ging immer massiver gegen die Fans vor – darunter auch viele Unbeteiligte. Die Folge waren zahlreiche Verletzte. Dutzende Krankenwagen fuhren vor.

Nach den Vorfällen sprachen Fans gegenüber der MAZ von einem „unverhältnismäßigen“ und „völlig überzogenen“ Polizeieinsatz. Die Beamten hätten, so die Augenzeugen, wahllos Reizgas in den Fanblock gesprüht und Nulldrei-Anhänger attackiert.

Der Verein SV Babelsberg 03 veröffentlich daraufhin am Folgetag eine „vorläufige Stellungnahme“. Darin stellte sich der Verein hinter seine Fans. Das „aggressive Verhalten der Polizei“ wurde explizit verurteilt. Aus Vereinssicht, so heißt es, war zum Zeitpunkt der Eskalation „keine Gefahrensituation erkennbar“. Der Einsatz des Pfeffersprays, „die absichtliche Trennung der Mannschaft von den Fans und die Verweigerung des deeskalierenden Eingreifens unseres Sicherheitsdienstes führten dann in Summe zur bekannten Eskalation nicht nur auf dem Spielfeld und im Gästeblock, sondern auch im Eingangsbereich des Stadions.“

Umstrittene Erklärung

Am Donnerstag folgte eine „ Gemeinsame Presseerklärung der Polizeidirektion West, des Fußball-Landesverbands, des SV Babelsberg 03 und des FSV 63 Luckenwalde“. Darin schlägt der Verein nun deutlich leisere Töne an. Die Polizei habe sich zunächst absprachegemäß im Hintergrund gehalten. Erst aufgrund eines Hinweises des Sicherheitsverantwortliche für den Babelsberger Fanblock, sei die Polizei auf den Platz gekommen und habe sich vor die Fans gestellt. Dann sei die Situation eskaliert.

Polizeibeamte seien „massiv attackiert“ worden. Die Polizisten hätten „zur Ahndung dieser Straftaten sowie zur Verhinderung weiterer Gewalt“ Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen müssen. So sei es gelungen, die Fans zurück in den Block zu drängen und „weiteres Betreten des Innenraums und die damit verbundenen Fanauseinandersetzungen und Angriffe auf Polizeibeamte zu verhindern“.

Ein Vorgehen, dass Archibald Horlitz, Präsident des SV Babelsberg 03 , laut dieser Erklärung nicht ungewöhnlich findet: „Der Einsatz von polizeilichen Zwangsmitteln als letzte Alternative zur Verhinderung von Gewalt unter Fans und Angriffen auf Polizeibeamte ist unstrittig und generell Linie des Vereins“. Er sagt aber auch, dass friedliche Fans nicht darunter leiden dürften.

Er sei sich aber sicher, dass „die, von der Polizei zugesagte differenzierte Nachbetrachtung des Pfeffersprayeinsatzes, eine Wiederholung derartiger Szenen zukünftig verhindern wird“. Er sehe „nach der gemeinsamen Auswertung und Aufarbeitung der Vorkommnisse in Luckenwalde die seit Jahren hervorragend gestaltete Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei in Potsdam nicht als gefährdet an“. Horlitz ist sich sicher, dass man daher in der Zukunft „objektiv sowie ergebnisorientiert über das gegenseitige Rollenverständnis und die Aufgaben im Sinne der Stadionsicherheit“ befinden könne.

Peter Meyritz, Leiter der Polizeidirektion West , erklärte, dass es im Vorfeld des Spiels „möglicherweise ein kommunikatives Missverständnis“ darüber gab, wann die Polizei die Einsatzverantwortung für die Gefahrenabwehr übernimmt. Unstrittig ist jedoch, dass die Polizei bei der Begehung von Straftaten sowie bei Angriffen auf Polizeibeamte oder gegnerische Fans nicht tatenlos zusehen könne. Zu bedauern sein aber, dass offenbar auch Unbeteiligte durch den Einsatz von Reizgas betroffen waren.

Dirk Heinze, Präsident FSV 63 Luckenwalde , wird mit in der Stellungnahme mit den Worten zitiert: „Durch die Polizei und die Ordner wurde durch Kommunikation versucht, deeskalierend auf die Gästefans einzuwirken. Leider war das nur bedingt erfolgreich, da kurze Zeit später einige, zum Teil vermummte Gästefans die Polizeikette mit Gewalt zu durchbrechen versuchten. Trotz der sehr emotionalen Situation, den Luckenwalder Fans nochmals ein Kompliment dafür, dass sie sich trotz fehlenden Sicherheitszauns im Heimbereich nicht von der Atmosphäre anstecken ließen und in ihren Blöcken blieben.“

Aufgebrachte Fans

Viele Fans des SV Babelsberg können nicht verstehen, dass „diese Situation so abgemildert und falsch“ dargestellt wird. „Daumen runter für diese Stellungnahme“, heißt es bei Facebook. Auf der offiziellen Facebook-Seite herrscht ein rauer Ton: Die Stellungnahme sei „so eine Hirnkotze“, heißt es dort. Ein anderer meint, dass die Stellungnahme realitätsfern sein: „Der Verein, hätte sich klar und deutlich, davon distanzieren müssen. Seine Fans, wurden Opfer der Polizeigewalt. Es hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für andere Stadionbesucher bestanden“, schreibt ein User. Ein anderer Fan postet, dass er sich „in diesen Sekunden schäme ein Fan von sowas zu sein der den Arsch einzieht“. „Enttäuschung pur“, „Tritt in die Fresse der Fans“ heißt es an anderer Stelle. Dies sei „eine Schande“, so ein enttäuschter Nulldrei-Fan.

Kurz: Einige Fans und Mitglieder des Vereins sind sehr aufgebracht – und womöglich werden unter diesen Anhängern bald einige „Ex-Mitglieder“ sein. Ein Aufruf zum Mitglieder-Austritt scheint nämlich auf fruchtbaren Boden zu fallen. Viele schreiben, dass die Kündigung bereits geschrieben und eingetütet sei. Auch die Spendenbereitschaft für den Verein ( die MAZ berichtete) scheint gesunken. „Spende? Nein Danke“, schreibt einer.

Andere sehen in der gemeinsamen Presseerklärung eine politische Entscheidung des Vereins. „So ist das halt wenn man das eigentlich verbesserte Verhältnis zur Polizei und auch das Verhältnis zum FSV und Landesverband für die Zukunft nicht gefährden will. Dann macht man Zugeständnisse, auch wenn die in dem Fall und in dieser Form für mich auch nicht haltbar sind“, heißt es im „Unabhängigen SV Babelsberg 03 – Fanforum“. Es sei eben Politik. Ein anderer User ist auch wenig zufrieden mit dem Statement, mahnt aber: „Austreten wie einige jetzt fordern ist doch auch keine Lösung“.

Nach einer sportlich erfolgreichen Saison und dem Sieg im Landespokal schienen Fans und Verein sich nahe zu sein. Das ist sicher auch nötig, wie man die Äußerungen des Nulldrei-Präsidenten zur finanziellen Lage des Vereins vernehmen konnte. Die aktuelle Diskussion schadet dem Verhältnis offensichtlich. Verein und Fans müssen nun wieder zusammenkommen. Nur gemeinsam wird man erfolgreich in die Zukunft gehen können.

Von MAZonline

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