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Ex-Babelsberger Guido Kocer nimmt sich Union vor

Aue spielt am Sonntag in der "Alten Försterei" Ex-Babelsberger Guido Kocer nimmt sich Union vor

Der Ex-Babelsberger Guido Kocer hat sich bei Erzgebirge Aue einen Startplatz erkämpft. Am Sonntag will der 25-Jährige beim Tabellenzweiten 1. FC Union Berlin an der "Alten Försterei" auftrumpfen.

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Guido Kocer hat in dieser Saison bereits vier Tore für den Erzgebirge Aue erzielt.

Quelle: dpa

Potsdam. Guido Kocer konnte nicht gut einschlafen. Der Fußball-Profi kommt nach Spielen grundsätzlich schwer zur Ruhe. Doch am vergangenen Wochenende hat er zumindest "mit einem guten Gefühl" wachgelegen. Kocer hatte beim 2:1-Sieg des Zweitligisten Erzgebirge Aue gegen den VfL Bochum beide Tore geschossen. "Ich habe mich gefreut, dass ich der Mannschaft helfen konnte."

Der Doppelschlag ist Ausdruck von Kocers Entwicklung. Zu Saisonbeginn war er stets nur eingewechselt worden. In den vergangenen drei Partien hatte er sich aber einen Startplatz erkämpft. "Jetzt zeigt sich, dass ich in der Vorbereitung voll durchziehen konnte, ich bin topfit", erzählt der 25-Jährige. Trainer Falko Götz mosert allerdings, er müsse körperlich noch zulegen. Kocers Konter: "Es ist doch klar, dass ich nicht sofort über 90 Minuten Vollgas geben kann. Auf der Außenbahn ist man viel unterwegs."

Der Kurs, den der frühere Babelsberger eingeschlagen hat, könnte zu seiner bisher besten Saison für die "Veilchen" führen. Nach dem Wechsel von Babelsberg ins Lößnitztal im Jahr 2011 absolvierte Kocer 29Spiele und erzielte drei Tore. "Mit dem ersten Jahr in der 2. Liga war ich recht zufrieden", sagt er. In der vergangenen Saison war der Offensivspieler jedoch immer wieder verletzt ‒ 21Einsätze, kein Tor. Sein bitteres Fazit: "Das zweite Jahr muss ich schnell vergessen." In der laufenden Spielzeit hat der Deutsch-Türke mit einem Vertrag bis 2015 bereits vier Treffer erzielt ‒ und ist lange nicht satt. "Die Saison ist noch lang und ich will weiter meinen Weg gehen." Dabei hofft Kocer, der für Babelsberg 03 in 59 Spielen sieben Mal traf, dass sich der derzeitige Tabellenzehnte FC Erzgebirge im Mittelfeld profilieren kann. "Es ist mehr drin, als bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zu kämpfen. Wir haben großes Potenzial, wollen nicht bis zum Ende zittern."

Dieses Selbstvertrauen wollen die Sachsen am Sonntagnachmittag (13.30 Uhr) auch beim Tabellenzweiten 1. FC Union Berlin an der "Alten Försterei" unter Beweis stellen. "Union ist sehr gut drauf und spielt überragend", staunt Kocer. "Da traut uns niemand etwas zu. Aber wir haben nichts zu verlieren, wollen mit aller Macht etwas mitnehmen." Allerdings haben Götz und sein Co-Trainer, der frühere Babelsberger Coach Rastislav Hodul, zahlreiche Verletzte zu beklagen. Kocer: "Die Trainer finden aber immer wieder eine richtige Aufstellung. Wir müssen lange die Null halten und Nadelstiche setzen."

Weil der Regionalligist Babelsberg zeitgleich gegen Wacker Nordhausen spielt, kann der Flügelflitzer keinen Abstecher zu seinem Ex-Klub machen. "Ich verfolge alle Spiele, habe immer noch Kontakte", erzählt Kocer.

Einige Leute haben trotz seiner Beteiligung an einem Raubüberfall zu ihm gehalten. "Es war ein dummer Fehler, sowas passiert mir nie wieder", betont er. Aue hätte ihn damals rauswerfen können. Kocer hätte es wohl sogar verstanden. "Neun von zehn Vereinen hätten mich nach Hause geschickt."

Doch der Klub unterstützte seinen Neuzugang, der in die Obhut einer Gastfamilie gegeben wurde und sich eine neue Handynummer zulegen musste. Ein kompletter Neubeginn. Kocer: "Ich bin dankbar für die Hilfe." Denn so konnte er seinen Traum vom Profifußball leben. Weil dieser damals mächtig wackelte, weiß er den Schatz seines Talentes heute besser zu würdigen. "Ich kann meinen Beruf jetzt noch mehr schätzen, bin froh, dass ich die Chance bekommen habe."

Das Thema sei im Alltag jedoch abgehakt. "Beim Fußball habe ich das immer ausgeblendet." Am Anfang kamen allerdings hier und da noch gemeine Sprüche von Gegenspielern. "Jetzt habe ich Respekt, dass sie das Thema ruhen lassen." Einen Kocer in dieser Form will niemand provozieren.

Von Ronny Müller

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