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FIFA-Korruptionsskandal: US-Justiz vor neuen Anklagen

Fußball FIFA-Korruptionsskandal: US-Justiz vor neuen Anklagen

Mit großer Spannung wurde die Pressekonferenz von US-Justizministerin Loretta Lynch und des Schweizer Bundesanwalts Michael Lauber erwartet. Namen von neuen Verdächtigen nannten die Ermittler nicht. Doch auch die FIFA und ihr Boss Blatter sind (weiter) im Visier.

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Der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber (l) und US-Justizministerin Loretta Lynch geben über den Stand der Ermittlungen Auskunft.

Quelle: Anthony Anex

Zürich. Der Name des schwer angeschlagenen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter fiel erst ganz am Ende der Ausführungen von US-Justizministerin Loretta Lynch. Die Worte der prominenten Anklägerin lassen Spielraum für Ausglegungen.

Auch dem Fußball-Weltverband und seinem scheidenden Chef könnte im größten Korruptionsskandal der FIFA-Geschichte juristisches Ungemach drohen. "Ich erwarte eine nächste Runde von Festnahmen. Es kann sein, dass wir weitere Verdachtsmomente feststellen", sagte Lynch am 14. September im völlig überfüllten Raum Helvetia B des Renaissance Tower Hotels in Zürich. Erst am Wochenende waren neue Verdächtigungen gegen Blatter bekanntgeworden.

Auf die Nachfrage, ob auch gegen Blatter ermittelt werde, wollte Lynch keinen Kommentar abgeben. "Ich werde mich zu Einzelpersonen nicht äußern", betonte sie immer wieder. Auf die Frage, ob sie dem 79 Jahre alten Schweizer zu Reisen in bestimmte Länder abraten würde, um sich so einem möglichen Zugriff der US-Justiz zu entziehen, antwortete Lynch: "Ich bin leider nicht in der Lage, Ihnen Informationen zu geben über Herrn Blatters Reisepläne."

Es war das erste Mal an diesem spannungsgeladenen Nachmittag, dass die Justizministerin der USA Blatter namentlich erwähnte. Bislang werden 14 Personen - darunter neun ehemalige Fußball-Funktionäre und fünf Geschäftsmänner - der Korruption beschuldigt. 13 von ihnen wurden festgenommen. Doch es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere Festnahmen und Anklagen folgen. Im Visier der Justiz sind "Einzelpersonen und Organisationen", wie es Lynch und fast wortgleich der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber formulierten.

29 Kameras waren auf die beiden Top-Ermittler gerichtet. Knapp 150 Journalisten aus aller Welt wollten Neues erfahren über die seit Ende Mai laufenden Untersuchungen zu den Korruptions- und Bestechungsvorwürfen innerhalb und außerhalb der FIFA-Welt. Sprengstoff-Spürhunde kontrollierten die Taschen aller Anwesenden, bevor Lynch und Lauber zu ihrer knapp 25-minütigen Pressekonferenz ansetzten und anschließend noch ein halbes Dutzend Fragen zuließen.

Für die großen Neuigkeiten war es allerdings augenscheinlich noch zu früh. "Ganz eindeutig sind wir nicht einmal nahe der Halbzeitpause", sagte Lauber, der die Untersuchungen zur Vergabe der umstrittenen Weltmeisterschaften an Russland 2018 und Katar 2022 leitet. Es werde um einiges länger dauern als die "legendären 90 Minuten". Immerhin verriet Lauber, dass wegen des Verdachts der Geldwäsche Wohnungen und Häuser in den Schweizer Alpen durchsucht und 121 Kontoverbindungen genauer überprüft worden seien.

Zu den über das Wochenende aufgekommenen vermeintlichen Verdächtigungen gegen Blatter konnte Lauber noch nichts sagen. Nach einem Bericht des Schweizer Fernsehens soll der FIFA-Boss vor zehn Jahren TV-Übertragungsrechte zu einem bemerkenswert niedrigen Preis an einen der Beschuldigten in der FIFA-Affäre, den früheren Vize-Präsidenten Jack Warner, verkauft haben. Dieser soll diese für ein Vielfaches weiterverkauft haben und zudem im Gegenzug Blatter bei mehreren Wahlen Stimmen verschafft haben.

Für den ehemaligen Anti-Korruptionsexperten Mark Pieth ein klarer Fall für strafrechtliche Ermittlungen. "Blatter muss sich gegen eine Anklage wegen Veruntreuung verteidigen. Das nennt man Anfangsverdacht", sagte der Schweizer Top-Jurist. Lauber betonte, dass man auch in diesem Fall untersuche, aber erst am Sonntagabend von der FIFA eine Stellungnahme dazu erhalten habe.

Die eine oder andere Ausführung durfte immer mal wieder als kleine Spitze gegen die FIFA interpretiert werden. Von einigen beteiligten "Parteien" erhoffe er sich eine etwas offenere und intensivere Kooperation, führte Lauber aus - auch er erwähnte die FIFA oder den am 26. Mai aus dem Amt scheidenden Blatter nicht namentlich.

dpa

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