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Forderung nach Torlinientechnik immer lauter

Fußball Forderung nach Torlinientechnik immer lauter

So viel Kritik hat das DFB-Sportgericht wahrscheinlich noch nie abbekommen. "Ich glaube, ganz Fußball- Deutschland ist verärgert, muss verärgert sein", sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über die Entscheidung, dass das Bundesliga-Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen (1:2) trotz des Phantomtors von Stefan Kießling nicht wiederholt wird.

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DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig will die weiteren Entwicklungen abwarten.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main. d. Auch die Presse-Schlagzeilen reichten am Tag danach von "Witz-Urteil" bis "Unrecht wird zu Recht".

Die Hoffenheimer selbst akzeptierten das Urteil, "da wir uns in einer ganz offenbar aussichtslosen Sache nicht verrennen wollen", wie der Vorsitzende der Geschäftsführung, Peter Rettig, erklärte. "Dieser Entschluss ändert nichts daran, dass wir die Entscheidung des Gerichts als falsches Signal für den Fußball insgesamt ansehen." Und so könnte ausgerechnet der hitzig diskutierte Richter-Spruch zum Phantomtor am Ende mit dafür sorgen, dass die von vielen geforderte Torlinientechnik im deutschen Fußball schneller eingeführt wird als stets geplant.

"Ich hoffe, dass dieses Urteil die Torlinientechnik jetzt noch schneller voranbringt", meinte selbst Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, dessen Verein ja von der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters und deren Bestätigung durch das Sportgericht profitierte. Völlers Aussage machte schon bald nach der Verhandlung deutlich: Die Forderungen nach einer schnellen Einführung der neuen Technik werden immer lauter, der Druck auf die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den DFB wächst. Schließlich betonte auch der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz: "Durch den Einsatz von Torlinientechnik wäre ein solcher Fall sicherlich vermeidbar gewesen."

Anders als bei der Frage "Wiederholungsspiel ja oder nein" können sich DFB und DFL in der Debatte um die Torlinientechnik nicht mehr hinter den Vorgaben der FIFA verstecken. Der Fußball-Weltverband hat bereits zwei verschiedene Systeme freigegeben und längst entschieden, dass die "GoalControl"-Technik eines deutschen Herstellers sogar bei der WM 2014 in Brasilien eingesetzt wird.

Der Standpunkt der DFL ist bislang, die Torlinientechnik in Deutschland erst frühestens zur Saison 2015/16 einzuführen. "Wir halten an unserem Plan fest, wir lassen uns nicht treiben", betonte Ligapräsident Reinhard Rauball selbst unter dem Eindruck des Phantomtores von Hoffenheim. Die Haltung, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, unterstrich DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig auch nach dem Urteil des Sportgerichts noch einmal: "Da die TSG Hoffenheim darüber nachdenkt, in Berufung zu gehen, müssen wir jetzt die weiteren Entwicklungen abwarten", sagte er.

Zu diesen Entwicklungen gehört allerdings auch, dass den Gegnern der Torlinientechnik langsam die Argumente ausgehen. Bislang hatte die DFL immer auf die ihrer Meinung nach zu hohe Messungenauigkeit der Systems verwiesen, eine Fehlertoleranzgrenze von drei Zentimetern ist ihr zu groß. Völlig unabhängig vom Hoffenheimer Phantomtor haben die Regelhüter des sogenannten "International Football Association Board" (IFAB) aber bereits in der vergangenen Woche beschlossen, diese Toleranzgrenze auf 1,5 Zentimeter zu halbieren.

Im Zuge der Diskussionen rund um das Phantomtor und das Urteil des DFB-Sportgerichts könnten nun auch einige Vereine ihren Widerstand gegen die Torlinientechnik aufgeben. Die Installation eines entsprechenden Kamerasystems war einem nicht unerheblichen Teil der deutschen Proficlubs bislang zu teuer gewesen. Die Spieler dagegen sind mehrheitlich für die Einführung technischer Hilfsmittel. Nach einer Umfrage des Fachblatts "Kicker" sprachen sich schon im Juni fast 80 Prozent der teilnehmenden Profis dafür aus.

Die Spieler von 1899 Hoffenheim hatten am Dienstag schon vor der Entscheidung ihres Vereins signalisiert, das Urteil des Sportgerichts zu akzeptieren. "Wir als Mannschaft wollen das jetzt so hinnehmen", sagte Kapitän Andreas Beck dem TV-Sender "Sky Sport News HD". Auch Trainer Markus Gisdol meinte am späten Nachmittag: "Wir werden nun nach vorne schauen und uns wie immer bestmöglich auf die anstehenden Herausforderungen konzentrieren." Die nächste heißt am Samstag im heimischen Stadion Bayern München.

dpa

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