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Frank Spatzek ist ein Dauerbrenner an der Platte

MAZ-Serie: Treue Seele Frank Spatzek ist ein Dauerbrenner an der Platte

Seine 73 Jahre sieht man ihm nicht an. Frank Spatzek ist nicht nur fit wie ein Turnschuh, sondern noch aktiv. Bei der Potsdamer Sportunion spielt er in der 2. Tischtennis-Kreisklasse.

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Frank Spatzek spannt bei der Potsdamer Sportunion das Netz an der Tischtennisplatte.

Quelle: Foto: Julian Stähle

Potsdam. Frank Spatzek sieht nicht aus wie 73 Jahre. Der Potsdamer ist braungebrannt, strahlt das Urlaubslächeln von vier Wochen in Afrika und schmettert die Tischtennisbälle, als hätte er sein Alter in der Garderobe abgelegt. „Tischtennis hält jung“, sagt Frank Spatzek und lässt zum Beweis den Oberkörper nach vorne fallen. Die Fingerspitzen berühren locker den Fußboden – bei durchgedrückten Knien. „Ich habe keine Schmerzen.“ Mit seinen Turnschuhen und seinem Kapuzenpullover würde er auch für coole 58 durchgehen.

Spatzek ist eine der treuen ­Seelen bei der Potsdamer Sport-Union. Seit 50 Jahren gehört er dem Verein an, der früher einmal Empor hieß. Spatzek erzählt von damaligen Sorgen, als man auf der Suche nach einer Halle war. „Wir haben zum Beispiel in Clubräumen im Haus der NVA oder im Haus der Offiziere gespielt.“

35 Jahre lang war er Abteilungsleiter der Tischtennisspieler, trainierte auch den Nachwuchs. Bis heute beschränkt er sein Engagement nicht nur auf die Beläge des eigenen Schlägers. „Frank lebt den Sport, er ist hundert Prozent verlässlich. Wenn man ihn braucht, kümmert er sich“, sagt der aktuelle Abteilungsleiter Christian Hilbert. Oft ist der einstige Justizverwaltungsangestellte Spatzek früher beim Training, hilft die Platten aufzubauen, stellt die Bälle bereit oder räumt hier und da ein bisschen auf. Er muss nicht sagen, dass es ihm Spaß macht. Man sieht es ihm an. „Tischtennis ist ein schöner Ausgleich, ich will so lange spielen wie es geht.“

Der Rechtshänder spielt in der zweiten Mannschaft der PSU in der 2. Kreisklasse. Einige Gegner sind ein paar Jahrzehnte jünger als er. Auch in der Seniorenmannschaft schlägt Spatzek auf. Das Trio sei zusammen fast 200 Jahre alt.

Der Rentner mag das Reisen

Von seinem Alter lässt sich Spatzek keine Fesseln anlegen. Gerade kommt er von einer vierwöchigen Tour nach Gambia und Senegal zurück. Viele wilde Tiere gebe es dort nicht zu sehen. Er habe stattdessen die Spaziergänge an den kilometerlangen Stränden genossen. „Ich habe die halbe Welt gesehen“, erzählt Spatzek nicht ohne Stolz. Schon mit seiner ersten Frau sei er viel gereist. Doch die Alzheimer-Krankheit riss sie auseinander. Spatzek pflegte seine Frau bis zum Schluss. Später fand er eine neue Partnerin. „Zum Glück ist sie genauso reiseverrückt wie ich.“ Für seine zwei Kinder, zwei Enkel und einen Urenkel war der gebürtige Luckenwalder in Afrika lange nicht zu erreichen. Er hatte sein Handy beim Frühstück zum Laden eingesteckt. Offenbar hat sich jemand daran zu schaffen gemacht und gab die Geheimzahl drei Mal falsch ein. Gesperrt. „Ich war wie auf einer Insel. Kein Telefon, keine Zeitung.“ Spatzek kann schon wieder über die Episode lachen. Davon lässt er sich doch nicht den Spaß verderben.

Dauercamper am Glindower See

Auch nicht vom kalten Wasser des Glindower Sees. Dort ist am 1. Mai Anbaden. So wie seit Jahrzehnten. Seit mehr als 40 Jahren ist er Dauercamper auf der Riegelspitze in Werder. Der Wohnwagen ist ab April das zweite Zuhause. „Wenn nicht gerade ganz schlechtes Wetter ist, sind wir draußen“, sagt er. Natürlich wird auch auf dem Campingplatz Tischtennis gespielt. Spatzek hat dort schon Turniere organisiert.

Und wenn er die Kelle dann doch mal aus der Hand legt, schnappt er sich einen seiner geliebten Mittelalter-Romane. Am liebsten Geschichten mit wahrem Hintergrund. So kann er ganz nebenbei sein Geschichtswissen ein bisschen auffrischen.

Von Ronny Müller

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