Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Fußball-WM in Katar? Sportverbände uneinig

Umfrage Fußball-WM in Katar? Sportverbände uneinig

Nachdem arabische Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen haben, ist auch in Brandenburg eine Debatte über die sportlichen Großveranstaltungen entfacht. Die Brandenburger Verbände sind sich noch nicht einig in ihrer Haltung. Sollte die Fußball-WM 2022 in Katar stattfinden? Stimmen Sie in unserer Umfrage ab.

Potsdam 52.3905689 13.0644729
Google Map of 52.3905689,13.0644729
Potsdam Mehr Infos
Nächster Artikel
Außenseiterin aus Lettland zieht ins Finale der French Open ein

2022 soll die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar stattfinden.

Quelle: dpa

Potsdam. Katar ist traumhaft, die Hauptstadt Doha besticht mit ihrem Mix aus Tradition und Moderne, ihrer Skyline und dem endlosen Strand. Künftig dürften die Buchungszahlen der Touristen aber zurückgehen – Saudi-Arabien und weitere arabische Staaten haben vor wenigen Tagen alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen.

DFB-Präsident erwägt Boykott der Fußball-WM

Damit rücken auch die sportlichen Höhepunkte in dem Emirat noch mehr in den Fokus. Seit Jahren versucht Katar, mit Fußball, Motorsport und anderen Sportarten Werbung in eigener Sache zu machen. 2015 fand die Handball-Weltmeisterschaft am Persischen Golf statt. Jedes Jahr steigen die Rennen der Motorrad-Weltmeisterschaft und kommen die Kicker des FC Bayern München ins Winter-Trainingslager unter Palmen. Im kommenden Jahr soll die Turn-WM in Katar stattfinden, 2019 die Leichtathletik-WM und 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft. Sogar ein Formel-1-Rennen ist immer wieder in der Diskussion.

Fußball-WM in Katar

Soll die Fußball-WM 2022 in Katar stattfinden?

Die Anklage der Terrorunterstützung stellt jedoch alle Termine in Frage. „Die Vorwürfe wiegen zu schwer. Die Diskussion über die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in Katar muss ernsthaft geführt werden“, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder. Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, hat einen Boykott der WM 2022 nach den jüngsten Vorwürfen nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen.

Turn-Präsidentin Faber: „Verlegung muss geprüft werden“

Auch in Brandenburg mehren sich Zweifel an dem Gastgeberland, das in punkto Menschenrechte und Arbeitsbedingungen Nachholbedarf hat. So spricht sich Birgit Faber, Präsidentin des Märkischen Turnerbundes, für eine Verlegung der WM 2018 aus. „Bei Terrorunterstützung muss man handeln. Eine Verlegung der WM muss genau geprüft werden“, sagte Faber der MAZ. Der Märkische Turnerbund hofft, mit Christopher Jursch vom SC Cottbus einen Sportler zur WM schicken zu können.

Steffen Reiche, Chef der Brandenburger Leichtathleten, findet deutliche Worte. „Ich habe nie verstanden, warum man dorthin Sportwettbewerbe vergibt und dafür soviel übersehen muss. Nun sind es nicht nur die massiven Menschenrechtsverletzungen, über die gucken wir ja leider geflissentlich hinweg“, sagte Reiche, der von 1994 bis 1999 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur und von 1999 bis 2004 Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg war. Er spricht sich für eine Neuvergabe der Leichtathletik-WM aus. „Boykottieren können immer nur einzelne Staaten. Der Weltverband muss nun einfach handeln und wegen vermutlich vielfacher Vertragsverletzung die WM neu vergeben. Oder waren die Verträge so lasch, dass Katar nicht vielfach dagegen verstoßen hat? Dann müsste allerdings nicht nur Katar gehen, sondern auch einige im Weltverband“, machte Reiche, der nun als Pfarrer in Berlin arbeitet, seinem Ärger Luft.

Siegfried Kirschen: „Vorwand für eigene politische Interessen“

Siegfried Kirschen, Präsident des Fußball-Landesverbandes Brandenburg, glaubt derweil nicht an eine Verlegung der Fußball-WM 2022. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass die WM dort stattfindet“, sagte der ehemalige Schiedsrichter. „Bestimmte Staaten suchen einen Vorwand für eigene politische Interessen. Wir sollten nicht vorschnell auf diesen Zug aufspringen.“ Auch mit Blick auf die WM-Vergabe 2018 an Russland sei Stimmung gemacht worden. „Aber ich glaube, dass der Confed-Cup und die WM-Endrunde ein Erfolg werden“, so Kirschen.

Andreas Gerlach, Geschäftsführer des Landessportbunds, erklärte auf Anfrage: „Wenn alle politischen Rahmenbedingungen vernünftig erfüllt sind, kann man eine WM nach Katar vergeben. Aber wenn es beispielsweise Verstöße gegen die Menschenrechte gibt, sollte man das eben nicht tun.“ Auch er spricht sich gegen einen Boykott, so wie er vom DFB-Präsidenten ins Spiel gebracht worden war, aus. „Ein Boykott wäre ungünstig, weil man dann keine vernünftige WM hätte, egal in welcher Sportart. Wenn, dann müssen sich Verbände auf eine Verlegung einigen, das ist die einzige Alternative.“

Von Ronny Müller und Stephan Henke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport
MAZ Sportbuzzer
Finde Bundesliga-Wettquoten und mehr exklusiv bei SmartBets.