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Gottschalk: „Linke Vorderrad hat uns überholt“

Interview zur Rallye Dakar Gottschalk: „Linke Vorderrad hat uns überholt“

Timo Gottschalk zählt zu den erfahrensten Co-Piloten bei der Rallye Dakar und belegte in diesem Jahr mit Fahrer Yazeed Alrajhi Rang elf bei der Langstreckenrallye durch Argentinien und Bolivien. Der Rheinsberger spricht im Interview über Pannen bei Tempo 150, Motorprobleme bei über 4000 Höhenmetern und Reisestress zur Rallye Monte Carlo.

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Als beste Tagesplatzierung gelang Alrajhi/Gottschalk der 3. Platz auf der 6. Etappe.

Quelle: Toyota Gazoo Racing

Rheinsberg. Timo Gottschalk zählt zu den erfahrensten Co-Piloten bei der Rallye Dakar und belegte in diesem Jahr mit Fahrer Yazeed Alrajhi Rang elf bei der Langstreckenrallye durch Argentinien und Bolivien. Der Rheinsberger spricht im Interview über Pannen bei Tempo 150, Motorprobleme bei über 4000 Höhenmetern und Reisestress zur Rallye Monte Carlo.

Nach dem starken Vorjahresauftritt waren Sie mit Podiumsambitionen gestartet. Wie enttäuschend ist Rang elf?

Timo Gottschalk: Ziemlich enttäuschend! Bei jeder einzelnen Prüfung wären wir in der Lage gewesen, das Podium zu erreichen oder in den Top fünf zu landen. Aber wir hatten von Anfang an Probleme mit der Technik.

Die größten auf der 10. Etappe, als sie auf Rang sechs liegend drei Stunden verloren haben.

Gottschalk: Es hatte sich alle Radbolzen gelöst, das ist eigentlich eine Sache, die darf nicht passieren und die passiert normalerweise auch nicht. Ich habe im Augenwinkel gesehen, wie das linke Vorderrad uns überholt hat. Wir waren gerade in einem Flussbett mit 140, 150 Stundenkilometern unterwegs. Als das Rad wegflog, sind wir in den tiefen Sand eingesunken, das hat uns ziemlich schnell abgebremst. An einer anderen Stelle hätte das deutlich schlimmer ausgehen können. Wir mussten dann Bolzen von anderen Rädern am kaputten Rad montieren und immer wieder anhalten, um sie zu kontrollieren, das hat ziemlich viel Zeit gekostet.

Auch der Benzinmotor machte Probleme, als die Etappen bei mehr als 4000 Höhenmetern anstanden. Woran lag das?

Gottschalk: Das liegt am Saugmotor. Je dünner die Luft ist, desto mehr lässt die Leistung des Motors nach, weil er nicht genug Luft ziehen kann. Bei Dieselmotor kann man das durch Turbo zumindest teilweise verhindern, die verlieren dann bei weitem nicht so viel Leistung.

Litten Sie auch unter der Höhenluft?

Gottschalk: Jeder Mensch reagiert da anders, ich persönlich hatte keine Probleme. Aber Yazeed kämpfte mit richtig starken Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit.

Timo Gottschalk (l) mit Fahrer Yazeed Alrajhi

Timo Gottschalk (l.) mit Fahrer Yazeed Alrajhi

Quelle: Toyota Gazoo Racing

Trotzdem gelang Ihnen auf der 6. Etappe – ebenfalls in der Höhe – die beste Tagesplatzierung mit Rang drei.

Gottschalk: Das war am dritten Tag, da hatten wir auch schon zweimal in der Höhe übernachtet und uns an die Gegebenheiten gewöhnt. Da hat man gesehen: Wenn alles läuft, sind wir richtig schnell.

Peugeot – allen voran Rallye-Rekordweltmeister und Dakar-Debütant Sébastien Loeb – hat die Konkurrenz zunächst in Grund und Boden gefahren, Stéphane Peterhansel hat gewonnen. Hätten Sie Peugeot so stark eingeschätzt?

Gottschalk: Das enge, winklige Terrain der ersten Woche kam uns mit unserem Allrad-Hilux von Toyota eigentlich entgegen. Doch Peugeot hat trotz Heckantrieb mit einem sehr weichen Reifen, der viel Grip hatte, und einer Traktionskontrolle die Nase vorn. Wir waren alle ehrlich gesagt komplett geschockt, dass sie so stark sind.

Sie sind Montag aus Südamerika zurückgekommen und Mittwoch schon wieder zur Rallye Monte Carlo geflogen. Wann erholen Sie sich?

Gottschalk: Ich hoffe nach der Monte bleibt Zeit, um zu Hause mal etwas Ruhe zu finden.

Gottschalk: Dakar-Sieger 2011

2016 war bereits die achte Rallye Dakar, an der Timo Gottschalk teilgenommen hat.

Der 41-Jährige gewann 2011 mit Nasser Al-Attiyah die Dakar, 2013 und 2014 war er Beifahrer der spanischen Rallye-Legende Carlos Sainz.

Seit 2015 fährt er mit Yazeed Alrajhi in einem Toyota.

Für VW koordiniert er das Rennwochenende bei der Rallye-Weltmeisterschaft, die Volkswagen zuletzt dreimal hintereinander gewann.


Von Stephan Henke

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