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HSV Hamburg: Noch keine Entscheidung über Rückrunde

Handball HSV Hamburg: Noch keine Entscheidung über Rückrunde

Nach dem Lizenzentzug ist der HSV am Zug: Spielt er die Saison zu Ende, was er darf, oder heißt die Parole Rückzug? Die Konkurrenz ist aufgebracht. Ihr entgehen Einnahmen. Minden wäre gar nie abgestiegen.

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Der Insolvenzverwalter des HSV-Handball, Gideon Böhm, entscheidet in naher Zukunft über einen Rückrundenstart.

Quelle: Christian Charisius

Hamburg. Lizenz weg, Spieler weg, Millionenschulden und dann auch noch eine mögliche Klagewelle. Der HSV Hamburg hat in der Geschichte der Handball-Bundesliga für einen Tiefpunkt gesorgt.

Einen Tag nach dem Lizenzentzug durch den Liga-Verband Handball-Bundesliga stand aber noch nicht fest, ob der insolvente Verein den Spielbetrieb einstellt oder seine 14. Saison im Oberhaus regulär beenden wird, was er nach den Statuten darf. Am 10. Februar steht das erste Spiel der Hamburger im neuen Jahr bei der SG Flensburg-Handewitt auf dem Plan.

Die Flens-Arena ist ausverkauft. Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen rechnet schon nicht mehr damit, dass die Partie gegen den HSV am 17. Main stattfindet. Alle Karteninhaber könnten die für das Spiel gekauften Tickets an den jeweiligen Vorverkaufsstellen zurückgeben, teilten die Mannheimer am Donnerstag mit. Der Kaufpreis werde dann erstattet.

HSV-Insolvenzverwalter Gideon Böhm will voraussichtlich am Dienstag eine Entscheidung bekanntgeben, ob die Hanseaten die Saison zu Ende spielen. Er besitzt die alleinige Verfügungsgewalt beim Champions-League-Gewinner von 2013. Zunächst will der Rechtsanwalt die schriftliche Begründung des Lizenzentzugs prüfen und mit verbliebenen Spielern, Mitarbeitern, Sponsoren und Hallenbetreibern über Sinn und Unsinn eine Fortsetzung der Saison sprechen.

Böhm hatte das Loch zur Finanzierung der Restsaison auf zwei Millionen Euro beziffert. Die eigene U23-Mannschaft als Alternative in kleinerer und preiswerterer Halle wäre billiger, Geldgeber müsste er aber auch dann schnellstmöglich präsentieren. Langfristig wollen sich Unternehmer Alexander Otto und der ehemalige HSV-Fußball-Präsident Jürgen Hunke in das Handball-Projekt des HSV e.V. einbringen. Mit der insolventen Spielbetriebs-GmbH der Profis wollen sie aber nichts zu tun haben.

Zieht sich der HSV zurück, werden seine Spiele der laufenden Bundesliga-Saison allesamt mit null Punkten und 0:0 Toren gewertet. Das Szenario würde den fünf Vereinen, die im laufenden Spieljahr gegen den HSV gewonnen haben, bitter aufstoßen.

"Der Ball liegt jetzt beim HSV", sagte Uwe Schwenker, Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) am Donnerstag. Mit den erst jetzt bekannten Unterlagen "wäre die Lizenz nicht erteilt worden", sagte der HBL-Chef. Der Liga-Verband will juristisch den möglichen Schaden prüfen lassen, den die HSV-Lizenzerschleichung für das Spieljahr 2015/16 der HBL zugefügt hat. "Das ist kompliziert: Wie wollen wir den Schaden an unserer Marke feststellen und beziffern?", fragte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Bei einer Klage muss der mögliche finanzielle Schaden angegeben werden.

Vor Gericht ziehen will wahrscheinlich auch Zweitligist GWD Minden, der wegen des HSV-Täuschung bei der Lizenzierung zu Unrecht abgestiegen ist. Auf rund eine halbe Million Euro beziffert GWD- Geschäftsführer Horst Bredemeier laut "Hamburger Abendblatt" den Verlust der Ostwestfalen. Auch die Vereine, denen vermutlich Heimspiele gegen den HSV durch die Lappen gehen, prüfen Klagen.

Derweil verlassen die HSV-Profis peu à peu das sinkende Schiff. Am vergangenen Freitag waren sie allesamt freigestellt worden. Weg sind Adrian Pfahl (Frisch Auf Göppingen), Jens Vortmann (SC DHfK Leipzig), Ilija Brozovic (THW Kiel) und Johannes Bitter (TVB 1898 Stuttgart). Demnächst fort sind Hans Lindberg, Allan Damgaard , Casper Mortensen und Piotr Grabarczyk.

"Eine wunderschöne Zeit mit vielen Erfolgen geht leider auf eine beschissene Art (entschuldigt den Ausdruck) zu Ende", schrieb der frühere Weltmeister Pascal Hens auf Facebook. Der 35-Jährige, der seit 2003 in der Hansestadt ist, meinte weiter: "Jetzt müssen wir aber nach vorne sehen und versuchen, den Handball in dieser geilen Stadt nicht komplett sterben zu lassen."

Schwenker sieht trotz des Desasters durchaus Möglichkeiten dafür. Der Handball in der Hansestadt habe die Chance, sich "völlig neu aufzustellen, unabhängig von einem Sponsor" betonte der Präsident. In einigen Jahren könnten die HSV-Nachfolger "wieder ganz oben dabei sein".

dpa

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