Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° bedeckt

Navigation:
Hans Gruhne: Erst Ersatzmann, jetzt Goldjunge

Olympia, Rudern Hans Gruhne: Erst Ersatzmann, jetzt Goldjunge

Erste Olympia-Medaille für Brandenburg und gleich Gold: Ruderer Hans Gruhne gewann am Donnerstag mit dem deutschen Doppelvierer das A-Finale bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg. Es war ein steiniger Weg für den Potsdamer, der noch im Frühjahr kurz vorm Burnout stand.

Voriger Artikel
Bento übernimmt Trainerposten bei Olympiakos Piräus
Nächster Artikel
Potsdamer Geher-Trio am Start

Überglücklich: Der Potsdamer Hans Gruhne (r.) freut sich mit Karl Schulze über Gold im Doppelvierer.

Quelle: FOTO: AFP

Rio de Janeiro. Kurz nach dem Ziel hämmerte Hans Gruhne wie ein Samba-Trommler mit der rechten Faust auf seine Brust, schrie wie wild seine unbändige Freude heraus. Soeben hatte der Ruderer vom RC Potsdam mit dem deutschen Doppelvierer Gold bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gewonnen. Was für ein Wahnsinns-Aufstieg vom Ersatzmann zum Olympiasieger – im Prinzip hat er diese Leidensgeschichte zweimal durchlebt.

In London 2012 nur Zuschauer

Teil eins: Vor vier Jahren hatte Gruhne den Platz im Doppelvierer bei Olympia verpasst, reiste als Zuschauer trotzdem nach London und sah auf der Tribüne, wie seine Teamkollegen Gold gewannen. Anschließend durfte er mit ihnen zusammen feiern und schwor sich: „In vier Jahren in Rio bin ich dabei.“

Teil zwei: Gesagt war das leichter, als getan. Zwar gewann Gruhne mit Lauritz-Johannes Schoof (Rendsburg), Philipp Wende (Leipzig) und seinem Berliner Trainingspartner Karl Schulze – das Trio hatte schon 2012 im Londoner Gold-Boot gesessen – im Vorjahr WM-Gold, aber als es in diesem Frühjahr an die ersten Olympia-Qualifikationen ging, musste Gruhne passen. „Ich fühlte mich schlapp, krank, war übertrainiert und stand vor dem Burnout“, gab der Polizist zu. „Ich war im Olympiajahr von Anfang an voll motiviert, habe alles gegeben. Das war wohl ein bisschen viel des Guten. Zumal ich dann gespürt habe, dass es nicht so lief, wie ich wollte.“ Die Ärzte nahmen ihn aus dem Rennen. Das Erschöpfungssyndrom verbannte ihn eine Weile aus dem Boot.

Im Frühjahr vor dem Burnout

Aber Gruhne gab nicht auf, hatte immer noch Rio vor Augen und stieg als Ersatzmann wieder in das Training „mit den Jungs“ ein. Sein Berliner Heimtrainer Alexander Schmidt, der das Auswahlboot betreut, ermutigte ihn ebenso wie die Familie, Freundin Theresa und der Ruder-Club Potsdam. „Hans, du schaffst das“, war das Credo. Und tatsächlich, als der deutsche Doppelvierer nach Platz vier bei der Heim-EM auf dem Brandenburger Beetzsee nicht die erhoffte Schlagzahl an den Tag legte, kehrte der wiedererstarkte Schlagmann Gruhne zurück. Beim Weltcup Mitte Juni in Poznan feierte er sein Comeback. Das deutsche Boot erreichte Platz zwei hinter Australien – und der 1,93 Meter große Ruder-Recke, der aus Pätz, einem Ortsteil von Bestensee (Dahme-Spreewald) stammt, war wieder drin.

Gruhne weiß, wie Olympiasieger feiern

In Ratzeburg holte sich die Crew den Feinschliff für Rio, wo Gruhne am Eröffnungstag der Spiele am 5. August seinen 28. Geburtstag feierte. Eine Woche später hing dem einstigen Ersatzmann die Goldmedaille um den Hals – wieder erlebte er auf der Lagoa Rodrigo de Freitas ein Wechselbad der Gefühle. Nach einem verpatzten Vorlauf mit Platz drei musste das Favoritenboot den Umweg über den Hoffnungslauf nehmen, um ins Finale einzuziehen. Trotz der Außenseiterbahn 1 legte das Quartett einen lupenreinen Start-Ziel-Sieg hin. Und wie man einen Olympiasieg feiert, das hat Gruhne ja schon vor vier Jahren in London gelernt. Bevor er in die Party-Nacht entschwand, meinte er: „Ich kann es noch nicht fassen. Hilfe, mein Handy explodiert. Wahnsinn, wie viele an mich denken. Danke!“

Lesen Sie auch:

Potsdamer holt Gold im Doppelvierer – mit Reaktionen aus Potsdam

Olympia-Spezial

Von Peter Stein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport
MAZ Sportbuzzer