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Hoffen auf die "zweite Lunge": Vettel schon unter Druck

Motorsport Hoffen auf die "zweite Lunge": Vettel schon unter Druck

Sebastian Vettel kämpft schon vor dem dritten Saisonlauf gegen Zweifel an seinen Chancen auf den Formel-1-Titel. Bei der Jagd auf Mercedes muss Ferrari das Risiko abwägen.

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Sebastian Vettel muss mit Ferrari den Rückstand auf Mercedes aufholen.

Quelle: Diego Azubel

Shanghai. Unter der Smog-Glocke von Shanghai schnappt Sebastian Vettel nach frischer Luft im Formel-1-Titelrennen.

"Bei Läufern spricht man ja von der zweiten Lunge. Ich glaube daran, dass wir uns erholen können und noch viel in uns steckt", sagt der viermalige Weltmeister vor dem dritten WM-Lauf am Sonntag. Der Ferrari-Star spürt nach dem ernüchternden Saisonstart der Scuderia die Ungeduld der Tifosi, die sich von diesem Jahr die Rückkehr an die Formel-1-Spitze versprochen hatten. Nein, versichert Vettel beharrlich, er habe den Titel 2016 noch nicht abgeschrieben.

Die Trainingsbestzeit von Teamkollege Kimi Räikkönen am Freitag und Platz zwei für Vettel waren daher ein willkommenes Signal. Doch aus großer Hoffnung ist nach nur zwei Rennen bei Ferrari Sorge geworden. Zwei Motorendefekte bei Vettel und Räikkönen in den ersten beiden Rennen grenzten für die stolzen Ferraristi fast an Beleidigung, das Triebwerk ist beim Sportwagenbauer ein Heiligtum. "Die Autos sind am Limit gebaut", erklärt Vettel. Vorerst könnte Ferrari nun Drehzahl und Leistung verringern, um einen erneuten Ausfall zu vermeiden.

Das aber würde Vettels Chancen gegen das bislang überlegene Mercedes-Duo Nico Rosberg und Lewis Hamilton minimieren. "Alles in allem ist der Gegner stärker, das ist kein Geheimnis", stellt Vettel betont nüchtern fest. Der Hesse ist in dieser Phase mehr denn je als Anführer gefordert. Er muss intern das Team antreiben und zugleich den Druck von außen meistern. "Ich weiß, dass dieses Team sehr stark ist und sich verbessern kann", beteuert der 28-Jährige.

Bei Sätzen wie diesen klingt Vettel nicht von ungefähr wie Vorbild Michael Schumacher. Der Kerpener benötigte einst nach seinem Wechsel zu Ferrari fünf Jahre, ehe er den Rennstall zur Siegmaschine geformt hatte. Bei Vettel ist von einem Dreijahresplan die Rede. Nach dem bemerkenswerten Premierenjahr 2015 mit drei Rennsiegen glaubten nicht wenige daran, dass es noch schneller gehen könnte. "Jetzt, wo die Lücke zu Mercedes schrumpft, kann ich es kaum erwarten, sie auf der Strecke zu schlagen", schrieb John Elkann, Präsident des Ferrari-Mutterkonzerns Fiat, gerade erst in einem Brief an Aktionäre.

Die Realität aber ist eine andere: Bereits 35 Punkte liegt Vettel als WM-Sechster vor dem Gastspiel in China hinter Spitzenreiter Rosberg. "Im Moment gibt es keine Gründe zur Panik", mahnt Vettel. "Es geht einfach darum, alle Zutaten zusammenzubringen."

Wie das gehen kann, hat Vettel einst bei Red Bull erlebt. 2009 verpasste er dort knapp den Titel, 2010 gewann er ihn gerade so im letzten Rennen. "Das hat uns dann für die folgenden Jahre stärker gemacht", sagt Vettel. Drei weitere WM-Triumphe waren die Folge. Nun soll der jüngste Champion der Formel-1-Geschichte ein ähnliches Imperium bei Ferrari bauen. "Aber es braucht Zeit", bittet Vettel und verspricht: "Ich bin zuversichtlich, dass wir weitere große Schritte machen."

dpa

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