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Judo-Ass Yvonne Bönisch verlässt Potsdam

Judo Judo-Ass Yvonne Bönisch verlässt Potsdam

Judo-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch (35) verlässt Potsdam und wird Nationaltrainerin in Israel. Der Wechsel kommt überraschend und sorgt für Ärger. Ihr bisheriger Verein verliert sein Aushängeschild und die Cheftrainerin.

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Yvonne Bönisch führte zahlreiche Talente in die Weltspitze.

Quelle: Olaf Möldner

Potsdam. Ritterschlag für Yvonne Bönisch, Genickschlag für den UJKC Potsdam. Die Judo-Olympiasiegerin von 2004 wird ab Januar für vier Jahre Frauennationaltrainerin in Israel. Der Universitäts-Judo- und Kampfsportclub verliert Aushängeschild und Cheftrainerin.

„Das ist für mich eine riesige Herausforderung“, sagt die 35-Jährige. Der Stellenwert des Judosports sei in Israel sehr hoch. Fünf der neun olympischen Medaillen Israels holten Judoka. Von den Voraussetzungen hat sich Bönisch erst kürzlich bei der U23-EM in Tel Aviv überzeugt. Dort befindet sich auch das Trainingszentrum des israelischen Verbandes. Bönisch soll die Damen auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereiten.

Im Nachwuchs sehr erfolgreich

Talente für den nächsten großen Höhepunkt zu trimmen, war auch ihr Ziel in Potsdam. Seit 2009 arbeitet die gebürtige Ludwigsfelderin als Trainerin, 2012 übernahm sie den Cheftrainer-Posten. Sehr erfolgreich. Mit ihren Mitstreitern Axel Kirchner und Mario Schendel formte sie den UJKC zu einem der besten Ausbildungsvereine. In der U18 ist Potsdam sogar die Nummer 1 in Deutschland. Die U14-Mädchen holten kürzlich den deutschen Jugendpokal. Philipp Galandi gewann im November den Europacup in Malaga und wurde Dritter der U23-Europameisterschaft. Vergangene Woche wurde der UJKC für seine Nachwuchsarbeit zum dritten Mal mit dem „Grünen Band“ ausgezeichnet.

Doch Bönisch zweifelt an der Perspektive in Potsdam. „Ein entscheidender Punkt für mich war die Leistungssportreform.“ Stand jetzt werde der Bundesleistungsstützpunkt in Frankfurt (Oder) geschlossen. „Das heißt Stellenstreichung. Davon wäre auch Potsdam als Landesstützpunkt betroffen.“

UJKC-Boss sauer auf den Verband

Dennoch falle es ihr schwer, Potsdam zurückzulassen. „Ich habe in den letzten Jahren viele Jugendliche betreut, wir sind eine kleine Familie. Die Harmonie im Trainerteam ist einzigartig, sie ermöglicht die Erfolge.“

UJKC-Präsident Helmar Hentschke kann Bönischs Weggang nachvollziehen, ist aber auf der Palme. „Für den Verein ist das eine Katastrophe und für den deutschen Spitzensport ist es ein Armutszeugnis“, sagt der Jurist. „Wenn der Deutsche Judo-Bund nicht in der Lage ist, vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, ist er selbst schuld.“ Hentschke fordert, Potsdam zum Judo-Bundesstützpunkt zu machen. „Wir haben die Rahmenbedingungen und leisten erfolgreiche Arbeit.“

Volkmar Schöneburg, Präsident des Brandenburgischen Judo-Verbandes, kämpft derweil um den Erhalt von Frankfurt (Oder) und bedauert Bönischs Weggang. „Das ist ein herber Verlust, eine Olympiasiegerin lässt man nicht gerne gehen.“

Bönisch zieht für zwei Monate ins Trainingszentrum Tel Aviv, bekommt dann eine Wohnung gestellt. Sie freue sich auf das bessere Wetter am Mittelmeer. „Ich bin ein Sonnenmensch. Neun Monate im Jahr sind Flip-Flop-Zeit.“

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Von Ronny Müller

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