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Jürgen Eschert feiert 75. Geburtstag

Kanurennsport, KC Potsdam Jürgen Eschert feiert 75. Geburtstag

Trotz Sebastian Brendel oder Jan Vandrey – Jürgen Eschert ist Potsdams Mister Kanu. Der Olympiasieger von 1964 hat nach dem eigenen Erfolg mitgeholfen, dass in den 1990er Jahren die Erfolgsgeschichte bis heute fortgeschrieben wurde. Am Mittwoch feiert Eschert seinen 75. Geburtstag.

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Kniet noch immer im Boot: Jürgen Eschert

Quelle: Foto: Peter Stein

Potsdam. Auch am Mittwochmorgen wird sich Jürgen Eschert wieder das schmale Boot schnappen und zu Wasser lassen. Dann dreht er im Einer-Canadier eine Runde um seine geliebte Insel Hermannswerder. Danach feiert er seinen 75. Geburtstag.

Eschert ist eine Institution im Potsdamer Sport, nicht nur, weil er 1964 in Tokio das erste Olympia-Gold im Einer-Canadier gewann und damit den Grundstein legte für eine einmalige Erfolgsgeschichte. Gerade erst haben Brendel und Co. bei den Olympischen Spielen in Rio das jüngste Kapitel geschrieben, Eschert war einer der ersten Gratulanten und hat natürlich auch Post aus Rio in seinem Briefkasten.

Immer engen Kontakt zu den Sportlern

Als Manager und Vereinsvorsitzender machte er den Kanu Club Potsdam in den 1990er Jahren zum erfolgreichsten Verein der Welt, mittlerweile ist er dessen Ehrenpräsident und hat noch immer ein offenes Ohr für die Athleten, ihre Sorgen und Nöte. Der enge Kontakt zu den Sportlern ist auch von dem Respekt geprägt, den sich Eschert nicht nur aufgrund seiner Erfolge, sondern für seine Macherqualitäten redlich verdient hat. Ohne ihn gäbe es den Kanalsprint nicht, der am 4. September seine 12. Austragung erlebt, ohne ihn gäbe es die Potsdamer Wasserspiele (in diesem Jahr zum 20. Mal) nicht, ohne ihn gäbe es die Kanuscheune nicht, Domizil für viele Vereine.

Einst als Schwimmer begonnen

Wie als Manager war Eschert schon als junger Sportler ein Hansdampf in allen Gassen. Bei Motor Mitte Magdeburg begann er zunächst als Schwimmer und im Winter versuchte er sich in allen möglichen Skidisziplinen, egal ob im Langlauf, in der Abfahrt oder beim Springen im Harz. Dann wechselte er zum Kanurennsport, kniete sogleich im Indianerboot. Weil ein Freund das Paddel auf der rechten Seite durch das Wasser zog, nahm Eschert die linke Seite. „Vier Wochen später hat mein Kumpel aufgehört“, erzählt der Jubilar. Er blieb bei der Stange, wechselte 1960 nach Leipzig und 1963 nach Potsdam, ist damit Gründungsmitglied des Kanu Clubs. Ein Jahr später in Tokio der größtmögliche Triumph – Olympiagold. Der Anzug von damals passt noch immer. Eschert ist fit, weil er immer noch seinem Sport frönt. „Seit ich Rentner bin, fahre ich jeden Morgen raus aufs Wasser. Nur wenn die Temperaturen unter 5 Grad gehen, dann lasse ich das. Mit Handschuhen macht das Paddeln keinen Spaß, dann gehe ich lieber im Wald joggen oder in den Fitnessraum im Keller meines Hauses.“

Fit durch das Paddeln

Er ist überzeugt: „Seit ich wieder regelmäßig paddele, habe ich keine Probleme mehr mit den Bandscheiben. Der Stütz- und Bewegungsapparat werden gut trainiert, das beansprucht alle Muskelgruppen.“ Auf der Inselrunde über rund 45 Minuten begegnet er morgens bevor der große Motorbootverkehr mit den Touristen auf der Havel beginnt, nicht nur den Athleten vom KC Potsdam, sondern auch allerlei tierischen Nachbarn wie Kormoranen, Bibern oder Waschbären.

Eschert, der gern am Haus handwerkelt oder im Garten, ist sehr naturverbunden, mag es ganz besonders, auch im Morgennebel mit dem 40 Zentimeter schmalen Boot über das Wasser zu gleiten. „Besser kann man seiner Gesundheit nicht auf die Sprünge helfen.“ Mit Ehefrau Christiane, mit der er seit 52 Jahren verheiratet ist, hat er eine Tochter und inzwischen auch eine Enkeltochter.

Eschert ist allen Unkenrufen zum Trotz überzeugt davon, dass die Erfolgsgeschichte der Potsdamer Kanuten fortgesetzt werden kann. Er begründet: „Erstens gibt es im Land Brandenburg eine fantastische Nachwuchsarbeit und Strukturen in den Vereinen von Schwedt im Norden bis Spremberg im Süden, die andere Bundesländer nicht haben. Zweitens haben wir sehr gute Trainer in Potsdam, auch als Lehrertrainer an der Sportschule. Drittens die fantastischen Bedingungen am Olympiastützpunkt bis hin zum Strömungskanal.“

Er selbst will paddeln, „so lange es geht“. Einmal in der Woche sitzt er mit weiteren Ehemaligen wie Olympiasieger Ingo Spelly, Peter Hörnig oder Jörg Schmidt im Achter-Canadier. Hinterher gibt es eine Flasche Bier. Einer wie Eschert kann die Truppe zusammenhalten und motivieren. Und dann will er 2020 noch mal nach Tokio, wo dann wieder Olympische Spiele stattfinden, 56 Jahre nach seinem großen Triumph im Einer-Canadier.

Von Peter Stein

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