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Die Jugend räumt ab im Kegelland

Kegeln Die Jugend räumt ab im Kegelland

Am Samstag steht in Fehrbellin das Spitzenspiel in der Kegel-Bundesliga auf dem Programm. SV 90 Fehrbellin trifft auf Meister Phönix Kiel. Das Kegelland Brandenburg hat trotz des Aushängeschilds mit Problemen zu kämpfen. Junge Kegler kehren nach der Ausbildung den Brandenburger Vereinen häufig den Rücken. Der Verband grübelt über Lösungen.

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Kegelsport in Brandenburg

Quelle: Scheerbarth

Fehrbellin. Es ist das Traumduell in der Kegel-Bundesliga. Der Vorjahres-Vizemeister im Bohle-Kegeln SV 90 Fehrbellin empfängt am Samstag ( ab 13 Uhr auch im Liveticker) das Team von Vorjahresmeister Phönix Kiel. „Das Spiel ist für uns ein großer Reißer“, sagt SV-Trainer Peter Wolski. Mit dem Spitzenduell geht für viele Kegelfans in Brandenburg die Saison erst so richtig los. Dennoch sieht sich der Kegel-Sport hierzulande aktuell großen Herausforderungen gegenüber. „Brandenburg ist in der Jugend das erfolgreichste Bundesland im Kegelsport. Es hapert jedoch daran, die guten jungen Kegler für den Erwachsenenbereich zu binden“, sagt Kurt Wilke, Präsident des 5820 Mitglieder starken Sportkeglerverbandes Brandenburg, der sich auf sieben gewonnene Jugend-Meisterschaften aus der vergangenen Saison bezieht.

Leistungsstützpunkte stärken die Jugend in Brandenburg

Insgesamt sechs Leistungsstützpunkte, jeweils zwei für die Kegelarten Classic, Bowling und Bohle, setzen sich in Brandenburg gegenwärtig aktiv für die Nachwuchsarbeit ein. Viele Talente zieht es dennoch nach der Schulzeit eher in die Großstädte außerhalb Brandenburgs. Aktuell ist der Landesverband im Männer- und Frauenbereich lediglich mit jeweils einem Verein in den Bundesligen vertreten. Das Problem hat die Verbandsspitze längst erkannt und tüftelt aktuell an einer Lösung. „Ich habe die Überlegung angebracht, dass die Vereine ab Landesebene auf jeden Fall eine Jugendabteilung vorweisen müssen“, so Wilke. Dies sei ein Modell, was es schon zu DDR-Zeiten gegeben habe, so Wilke weiter.

Eine solche Maßnahme könnte die Anzahl der jungen Kegler im Land womöglich vergrößern, doch ein Anreiz langfristig am Spielort zu bleiben, fehlt weiterhin. Hier reiche die Thematik bis in die Wirtschaft hinein, erklärt Wilke. „Die jungen Leute brauchen einen Arbeitsplatz, um bleiben zu können. Durch das Zusammenwirken zwischen Unternehmen und Vereinen kann das klappen“, sagt der 66-Jährige, der als Verbandsleiter zwar Ideen einbringen will, die große Aufgabe, die Jugend zu binden und Kontakte zur Wirtschaft herzustellen eher bei den Vereinen sieht. Als positives Beispiel nennt Wilke den SV 90 Fehrbellin, der es geschafft habe, Talente hervorzubringen und diese auch zu halten.

Fehrbellin ist Aushängeschild

Dank dieser erfolgreichen Jugendarbeit und einer geschickten Einkaufspolitik ist Fehrbellin auch in diesem Jahr wieder ein Anwärter auf die Medaillenränge in der Bundesliga. Das Gipfeltreffen gegen Phönix Kiel ist hierbei bereits richtungsweisend. „Wenn wir um die Medaillen mitspielen wollen, dann müssen wir punkten“, sagt Fehrbellins Trainer Wolski. Der mäßige Saisonauftakt der Fehrbelliner mit zwei Niederlagen beim KSV Halstenbek (0:3) und beim VfL Stade (1:2) beschert dem SV aktuell nur Platz 9 der Tabelle. Jetzt soll der holprige Start mit einer souveränen Vorstellung gegen den Meister und anschließend auch beim Heimspiel gegen den KSK Oldenburg (Sonntag, 10 Uhr) korrigiert werden. „Wir wollen beide Spiele gewinnen. Wenn wir das schaffen, dann ist der schlechte Auftakt zu 100 Prozent vergessen“, sagt Wolski. Um dies zu schaffen, muss der SV jedoch die bisherigen Probleme abstellen. „Das Teamgefüge war bisher leider noch nicht so da, wie es sein soll. Viele trainieren separat, da viele Spieler nicht am selben Ort wohnen. Das ist ein Vorteil für die Vereine aus Großstädten“, so Wolski. Auch in der Vorbereitung auf die Saison konnte man nur selten gemeinsam trainieren. Anders als in den Städten, wie beispielsweise Kiel, trommelt der SV Fehrbellin Wochenende für Wochenende seine Akteure aus verschiedenen Heimatorten zusammen.

Diesen organisatorischen Nachteil will der Coach jedoch nicht als Ausrede gelten lassen. „Wir haben eine sehr gute junge und dennoch erfahrene Mannschaft. Einige sind Nationalspieler und haben schon große Erfolge errungen“, so Wolski, der selbst fast täglich auf der Kegelbahn zu finden ist und den Verein als „fast schon mein erstes zu Hause“ bezeichnet. In seinem zu Hause dürfte es am Wochenende recht voll werden. Bis zu 60 Zuschauer werden laut Kapitän Dirk Sperling erwartet. Vielleicht sind ja einige potenzielle Sponsoren darunter.

Von Tobias Potratz

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