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MMA – ein verheerendes Zeichen für den Sport

Kommentar zur MMA-Fight Night in der MBS-Arena MMA – ein verheerendes Zeichen für den Sport

Blut spritzte, viele Kämpfe sind vorzeitig abgebrochen worden – am Sonnabend ist in der Potsdamer MBS-Arena bei der Mixed Martial Arts Fight Night heftig im Käfig gekämpft worden. In einer Halle, in der wenige Tage zuvor Olympiateilnehmer geehrt worden. Unser Autor hat zur Kampfnacht eine klare Meinung – keine gute. Ein Kommentar.

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Die Kämpfer schenkten sich nichts.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Nebel waberte durch die MBS-Arena, die Bässe wummerten. Wenn die Kämpfer den achteckigen Käfig im Spot betraten, lag eine gespenstische Stimmung in der mit 500 Zuschauern nur spärlich gefüllten Halle. Bei der Premiere der MMA (Mixed Martial Arts) Fight Night am Samstagabend der Iron Fighters Organization (IFO) Europa ging es martialisch zur Sache bis das Blut spritzte.

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Am 15. Oktober 2015 flogen in der MBS-Arena in Potsdam die Fäuste im Octagon. Bei der Mixed Martial Arts (MMA) Fight-Night wurden Action und Spannung geboten.

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Die neun Kämpfe waren kurzweilig, weil viele vorzeitig vom Referee abgebrochen wurden, um größeren gesundheitlichen Schaden zu verhindern. Die freie Kampfkunst MMA ist ein Mix aus Boxen, Judo, Ringen, Karate aber auch Kickboxen,Taekwondo und Jiu-Jitsu. Da hagelte es im „Catch“ nicht nur Fausthiebe, sondern auch Beintritte, wurde alles eingesetzt, was der bei fast allen Akteuren reichlich tätowierte Körper hergab, bis Muskeln und Lungen erschöpft waren.

Kommentar: Wie im alten Rom

Bei der Fight Night in der Potsdamer MBS-Arena am Samstagabend gab es keine Tabus. Schlagen, treten, clinchen, stoßen, werfen, ringen – alles war beim Vollkontaktsport Mixed Martial Arts (MMA), zu deutsch gemischte Kampfkunst, erlaubt. So mag es bei den Gladiatorenkämpfen im alten Rom gewesen sein. Tatsächlich berufen sich die MMA-Protagonisten auf historische Wurzeln bei den Olympischen Spiele im alten Griechenland, als vor über 2000 Jahren der kompletteste Kämpfer gesucht wurde, indem Ringer und Boxer gegeneinander antraten.

Aber was hat solch wüste Prügelei und Würgerei – meist bis das Blut spritzte – an einer Sportstätte im von Steuergeldern geförderten Olympiastützpunkt Brandenburg zu tun? Nichts. Dass die Stadt über die Luftschiffhafen GmbH die Halle vermarkten muss, ist richtig. Aber nicht um jeden Preis. Zwar verwies der Organisator aus Berlin auf die strengen Regeln, auch den gesundheitlichen Schutz der Akteure und darauf, dass diese nicht als Ware gesehen würden. Aber im mit Maschendraht begrenzten Achteck-Käfig wird Geld verdient. In den USA gar Millionen Dollar dank Bezahl-TV und Wettanbietern.

Wenn das die Zukunft des Sports in Deutschland sein soll, dann gute Nacht Abendland. Gerade erst wurden in der MBS-Arena die erfolgreichen Rio-Starter Brandenburgs geehrt. Die Fight Night ist auch ein verheerendes Zeichen für den wahren olympischen Sport im Potsdamer Luftschiffhafen.

Alexander Sagon, Juniorchef und Sohn von Michael Sagon, dem Präsidenten der in Berlin ansässigen IFO Europe, erklärte: „Wir haben schon in Templin und Frankfurt (Oder) Veranstaltungen durchgeführt. Nun sind wir froh, dass es mit Potsdam geklappt hat.“ Ausdrücklich verwies er darauf, dass es sich bei MMA um Sport handelt, der nach festen Regeln stattfindet.

Auch Andreas Klemund, Chef der Luftschiffhafen GmbH, die die MBS-Arena im Auftrag der Stadt vermarktet, sagte: „Wir hatten keine Probleme mit dem Veranstalter. Sie haben wie andere eine Miete gezahlt.“ Nach MAZ-Informationen handelt es sich um mehrere tausend Euro. Dass bei Ticketpreisen ab 20 Euro weniger Zuschauer als die erwarteten 1500 kamen, kommentierte Klemund mit den Worten: „Offensichtlich besteht in Potsdam kein großes Bedürfnis für solche Veranstaltungen.“

Das Gros der Gäste kam ohnehin aus Berlin, zum Beispiel um ihren Kämpfer Arda Adas anzufeuern. Den meisten ging es wie Kanu-Olympiasieger Jan Vandrey: „Ich bin neugierig, wollte mir das mal ansehen. Am Ende waren die Kämpfe besser.“

Manuela Kuhse, die gegen Ex-Wrestlerin Jazzy Gabert aus Hamburg, in der 2. Runde durch technischen K.o. unterlag, meinte: „Ich habe bis zum 16. Lebensjahr Judo betrieben. Dann habe ich in Torgelow einen neuen Job bekommen, meinen Mann und Trainer kennengelernt und diesen Sport. Endlich habe ich wieder Spaß.“ Auf die Frage, ob das nicht zu gefährlich sei, antwortete die 27-Jährige: „Nein, wir kämpfen fair. Die Leute sind wie eine Familie für mich.“

Auch Andreas Grzywa (41) aus Göttingen, der eine Kampfschule für Thai-Boxen betreibt, meinte trotz seiner Niederlage gegen den Kroaten Ivo Cuk: „Wir sind durch die Schiris gut geschützt.“

Von Peter Stein

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