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"Man kann auch große Nationen schlagen": Kommt WM-Wunder?

Eishockey "Man kann auch große Nationen schlagen": Kommt WM-Wunder?

Eishockey-Viertelfinale gegen Kanada - da werden Erinnerungen wach an das Penaltydrama bei Olympia 1992. Leon Draisaitl kann nun Revanche nehmen für seinen Vater. Nach dem emotionalen Sieg gegen Lettland beschwören Deutschlands Nationalspieler eine mögliche Sensation.

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Die deutschen Eishockey-Cracks stehen nach dem 4:3 nach Penalty-Schießen gegen Lettland im Viertelfinale.

Quelle: Monika Skolimowska

Köln. Dem bislang besten WM-Spiel gegen Lettland muss nun ein überragendes gegen Kanadas Eishockey-Künstler folgen. Nach dem emotionalen Viertelfinal-Einzug halten Deutschlands Cracks selbst die Sensation gegen den Titelverteidiger für möglich.

"Jedes Team ist schlagbar. Es kann viel passieren", sagte der deutsche NHL-Jungstar Leon Draisaitl vor dem WM-Highlight am Donnerstag (20.15 Uhr). Der beim 4:3-Penaltydrama gegen Lettland überragende Torhüter Philipp Grubauer meinte: "Es ist jetzt nicht so, dass man nervös werden muss, nur weil es Kanada ist. Wir müssen ruhig bleiben, wir können auch Eishockey spielen."

Bundestrainer Marco Sturm ging wie Draisaitl noch einen Tick weiter und beschwor den überraschenden WM-Auftaktsieg vor knapp zwei Wochen gegen ein ebenfalls starkes US-Team. "Man hat es auch gegen die Amis gesehen, man kann auch große Nationen schlagen. Wir haben absolut nichts zu verlieren", sagte Sturm, der sein Team mit einem freien Nachmittag für einen weiteren Meilenstein in seiner noch jungen Ära belohnte. Am Tag vor dem Viertelfinale stand nur etwas Stretching im Hotel, aber kein Eis-Training auf dem Programm. "Ich hoffe, dass die Jungs jetzt einfach ein bisschen runterkommen."

Das nervenaufreibende Duell vor 18 797 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Kölner Arena gegen starke Letten ließen beim deutschen Kapitän Christian Ehrhoff schon wieder Erinnerungen an 2010 aufkommen. "Die Stimmung ist schon wieder genauso toll", schwärmte der frühere NHL-Verteidiger.

Vor sieben Jahren hatte Deutschland beim bislang letzten Heim-Turnier ebenfalls ein Entscheidungsspiel um den Einzug in die K.o.-Runde - damals gegen die Slowakei - gewonnen. Dem folgte zwei Tage später der größte Erfolg seit Olympia-Bronze 1976: Der WM-Halbfinal-Einzug durch ein 1:0 gegen die Schweiz. Der Gegner diesmal ist allerdings ungleich stärker. "Es kommt einiges auf uns zu", meinte Sturm.

Der Bundestrainer setzt vor allem auf seinen von den Washington Capitals nachnominierten Keeper: "Wir brauchen wieder einen Grubauer, einen Torhüter, der wie in Spiel eins Greiss alles hält und für eine Sensation sorgt." Der 25 Jahre alte Rosenheimer war nach Washingtons Playoff-Aus in der NHL eingeflogen worden und erst am Samstag in Frankfurt am Main gelandet. Nach der Verletzung des eigentlich zum WM-Stammkeeper auserkorenen Thomas Greiss und den Fehlern von Ersatzmann Danny aus den Birken hat die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nun wieder einen sicheren Goalie.

"Wenn man solche Spiele hat, braucht man einen erstklassigen Torwart, und den haben wir heute gehabt", lobte Sturm den neben dem bislang überragenden NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg gegen Lettland besten Mann. "Er hat super gehalten. Er hat Ruhe ins Spiel gebracht und war sensationell im Shootout. Er war da, wenn man ihn brauchte."

Sturm hofft gegen das NHL-Starensemble Kanadas, das die Gruppe B in Paris souverän gewann, auch auf einen Lerneffekt aus dem vergangenen Jahr. 2016 hatte Sturm das deutsche Team bei seiner ersten WM als Coach ins Viertelfinale geführt. Dort unterlag die DEB-Auswahl Gastgeber Russland mit 1:4. Auch weil niemand so recht an eine Überraschung geglaubt hatte. "Ich denke schon, dass eine andere Mannschaft auftritt als letztes Jahr in Russland", sagte Sturm. "Man lernt ja immer aus Niederlagen. Ich hoffe, dass die Jungs auch aus diesem Viertelfinale gelernt haben. Wir brauchen uns nicht verstecken, wir haben eine tolle Gruppe."

Schon zweimal stand Deutschland in der Vergangenheit dicht vor der Sensation. 2003 in Turku schoss Eric Brewer Kanada im WM-Viertelfinale erst in der Overtime mit 3:2 zum Sieg. Noch spannender war das Olympia-Viertelfinale 1992. Damals wurde selbst die ARD-Tagesschau für das Penaltydrama von Meribel verschoben.

Zehn Millionen TV-Zuschauer sahen zu, als beim Penalty von Peter Draisaitl der Puck Kanadas Keeper Sean Burke passierte, in Richtung Tor trudelte und dann auf der Torlinie liegen blieb. Deutschland unterlag 3:4. Drei Jahre später kam Draisaitls Sohn Leon auf die Welt. Der inzwischen 21 Jahre alte Filius ist nun einer der besten Spieler der Welt und hat am Donnerstag die Chance, Revanche zu nehmen. "Der Name wird damit oft in Verbindung gebracht. Ich habe es mir schon mehrmals angeschaut", sagte Leon Draisaitl. Nach dem Viertelfinaleinzug habe er mit seinem Vater noch nicht darüber gesprochen: "Ich glaube, er hat auch nicht so einen Bock darauf."

dpa

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