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"Man muss Mut haben": Tite übernimmt Seleção am Abgrund

Fußball "Man muss Mut haben": Tite übernimmt Seleção am Abgrund

Die Situation der Seleção ist prekär: Es häufen sich die peinlichen Misserfolge für den stolzen Rekordweltmeister. Nun tritt mit Tite ein relativ Unbekannter als neuer Trainer an. Und bei einer Personalentscheidung droht ihm schon der erste Ärger.

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Adenor Leonardo Bacchi, genannt «Tite», soll Brasiliens Nationalmannschaft zu neuen Erfolgen führen.

Quelle: Marcelo Sayao

Rio de Janeiro. Tite weiß, was es braucht, um die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft in der aktuellen Situation zu übernehmen. "Man muss Mut haben", sagte der neue Trainer der Seleção bei seiner Vorstellung.

Das Vorrunden-Aus bei der Copa América war blamabel und kostete seinen Vorgänger Carlos Dunga den Job. Und auch das demütigende 1:7 gegen Deutschland bei der Heim-WM vor zwei Jahren droht für längere Zeit das letzte WM-Spiel der Brasilianer zu bleiben. Denn die nächste Weltmeisterschaft könnte ohne die Südamerikaner stattfinden. "Die Gefahr besteht", gibt Tite zu. In der Qualifikation für 2018 belegt die Seleção nur den sechsten Platz.

Adenor Leonardo Bacchi, genannt Tite (ausgesprochen: "Tschietschi"), kann eigentlich nur verlieren, zumal mit den Olympischen Spielen in Rio ein möglicher Lichtblick ohne ihn stattfindet. Der Verband CBF berief für das olympische Turnier den bisherigen Coach der U20-Auswahl, Rogério Micale, als Cheftrainer. Bei den Spielen in der Heimat im August will Brasilien erstmals olympisches Gold im Fußball gewinnen. Superstar Neymar verzichtete dafür auf die Kontinentalmeisterschaft, die derzeit in den USA ausgetragen wird.

Um Neymars Status wird sich auch eine der ersten großen Entscheidungen von Tite drehen. Mehrere brasilianische Fußball-Legenden haben sich dafür ausgesprochen, den Star vom FC Barcelona als Kapitän zu ersetzen. "Wenn ich Trainer wäre, würde ich Neymar bitten, dem Trainer die Kapitänsbinde zurückzugeben", sagte Carlos Alberto Torres, Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1970, am Montag (Ortszeit) im brasilianischen Fernsehen.

"Es gibt Leute, die geboren werden, um zu kommandieren, anzuführen und eine solche Verantwortung zu übernehmen", hatte am Sonntag der frühere Star-Spieler und heutige Trainer Zico dem Sender TV Globo gesagt. "Neymar nicht." Auch der mehrmalige Nationaltrainer Mario Zagallo hatte dem 24-jährigen Dribbelkünstler die Reife abgesprochen.

Tites Haltung zur Kapitänsfrage ist noch ebenso unklar wie vieles Andere über ihn. International ist der 55-Jährige ein nahezu unbeschriebenes Blatt.

Als Spieler hat er seine gesamte Karriere, in der brasilianischen Liga verbracht. Wegen einer schweren Knieverletzung musste er allerdings frühzeitig aufhören. Auch als Trainer blieb er, bis auf zwei kurze Abstecher in die Vereinigten Arabischen Emirate, in Brasilien. Dort hat er in den vergangenen Jahren die wichtigsten Titel erreicht: die Copa Sudamericana mit dem SC Internacional und mit Corinthians die Copa Libertadores, die Klub-WM und in der abgelaufenen Saison die Liga-Meisterschaft.

Die Seleção ist allerdings eine ganz andere Herausforderung. Die Geschichte der Kanariengelben sei außerordentlich und inspirierend, meint Tite auf seiner Pressekonferenz. Gleichzeitig ließe sie einem aber auch die Knie schlackern. Trotzdem hat er den Mut aufgebracht, die Mannschaft zu übernehmen. Am 2. September geht es für ihn richtig los - beim WM-Qualifikationsspiel in Ecuador.

dpa

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